Biogas bald reiner als Erdgas

Der erste von 24 Fermentern, in denen das Biogas hergestellt wird, befindet sich auf der Großbaustelle des Bioenergieparks gerade im Rohbau. Foto: Jens Griesbach
Der erste von 24 Fermentern, in denen das Biogas hergestellt wird, befindet sich auf der Großbaustelle des Bioenergieparks gerade im Rohbau. Foto: Jens Griesbach

In Güstrow entsteht einer der größten Bioenergieparks Europas. Die Leipziger Nawaro Engineering GmbH hat dafür ein Verfahren zur Biomethanerzeugung entwickelt. Rund 100 Millionen Euro sollen investiert werden, 50 Arbeitsplätze entstehen.

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04. August 2008, 08:43 Uhr

Güstrow - Ein kilometerlanger, fast drei Meter hoher Zaun am Stadtrand von Güstrow markiert eine der größten Baustellen des Landes. Zu sehen sind aufgetürmte Erdwälle. Künftig stehen hier Silos – Fassungsvermögen für 70 000 Tonnen Biomasse wie Mais, Hirse und Grasschnitt. Daraus entsteht Biogas, „reiner als Erdgas“, sagt der Direktor der Leipziger Nawaro Engineering GmbH, Eckhard Pratsch. Er ist Bauherr für eine der europaweit größten Biogasanlagen, die im kommenden Jahr in Betrieb gehen soll. 100 Millionen Euro werden investiert, finanziert wird das Vorhaben jeweils zur Hälfte aus einem Fonds und Bankkrediten.

Pratsch hat schon viele Biogasanlagen gebaut. „Die laufen alle nach dem gleichen Prinzip. Aus nachwachsenden Rohstoffen entsteht Biogas, das dann in einem zweiten Schritt verheizt wird, um Strom zu gewinnen“, erläutert der Unternehmer.

Mit der Güstrower Anlage verfolgt er neue Ziele. Das bislang unreine Biogas soll so aufbereitet werden, dass es gleich als Gas genutzt werden kann. „Dabei entziehen wir dem Biogas das darin enthaltene Kohlendioxid, und haben ein nahezu 100-prozentiges Methangas.“

46 Millionen Kubikmeter sollen produziert werden
Diese Technologie sei in der Forschungsabteilung seines Unternehmens getestet worden. Den Beweis, dass sie auch funktioniert, will er in Güstrow antreten. Erstmals könne Biogas gewonnen werden, das dem Erdgas gleichwertig, vielleicht sogar noch einen Tick besser sei, sagt Pratsch. 46 Millionen Kubikmeter Gas sollen in Güstrow jährlich produziert werden. Dafür benötigt er rund 330 000 Tonnen Biomasse. Bislang hat Pratsch zwei Drittel vertraglich gebunden.

Viele Landwirte lehnen Anbauverträge mit Nawaro ab. Zu ihnen gehört Markus Böckermann. „Der Bioenergiepark ist eine Nummer zu groß und somit auch mit Risiken behaftet.“ Bei trockenen Jahren wie diesem blieben die Erträge deutlich unter den Erwartungen, sagt Böckermann. Zudem bestehe die Gefahr der Monokultur.

Mitmachen will Ulrich Behnke. Er hat bereits im Herbst 2007 Mais von 100 Hektar für Nawaro eingelagert. In diesem und den Folgejahren soll es genauso viel sein, nicht mehr. „Mit Getreide lässt sich derzeit mehr Geld verdienen als mit Mais“, sagt Behnke zur Begründung.

Der Landesbauernverband rät seinen Mitgliedern, darauf zu achten, dass sie an der Wertschöpfung beteiligt werden und sich nicht zu Rohstofflieferanten degradieren lassen. Pratsch will vorrangig Bauern im Umkreis von 50 Kilometern ansprechen.

Noch bleibt ihm ein Jahr. Am 1. Juni 2009 soll das erste Gas in die Erdleitung unmittelbar neben der Anlage eingespeist werden. Für die Produktion selbst werden in den nächsten Wochen 24 Fermenter-Türme errichtet, jeder einzelne fasst 4000 Kubikmeter.

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