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MV: Ökologischer Landbau : Bio geht auch groß

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Gut 1000 Hektar Land bewirtschaftet Jens Rasim vom Gut Gallin. Er ist kein konventioneller Landwirt. Er betreibt einen der größten Biobetriebe Deutschlands.

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erstellt am 10.Mär.2011 | 01:13 Uhr

Gut 1000 Hektar Land bewirtschaftet Jens Rasim, 500 Rinder, 140 Mastschweine stehen auf seinen Weiden und in den Ställen vom Gut Gallin im Westen Mecklenburg-Vorpommerns. Eine eigene Schlachterei hat er auf dem Hof, einen Hofladen und einen Imbiss. Rasim ist allerdings kein konventioneller Landwirt. Er betreibt einen der größten Biobetriebe Deutschlands.

Auf der Wintertagung des dem Ökolandbau verpflichteten Agrarbündnisses Mecklenburg-Vorpommern in Güstrow versuchte Rasim gestern Vorbehalte gegen die Großen der Biobranche zu zerstreuen. "Alle anderen Wirtschaftsbereiche wachsen ständig und der Fortschritt ist kaum aufzuhalten", so Rasim. Auch die Biolandwirtschaft müsse effizienter werden, was nicht zuletzt den Bauern und ihren Mitarbeitern eine höhere Lebensqualität beschere. International würde die Branche konkurrenzfähig und die Umwelt sei für 1050 Hektar Biolandwirtschaft dankbarer als für 50 Hektar, die von 1000 Hektar konventionell bewirtschafteter Fläche umgeben sei. Und schließlich lasse sich auch kein Biobauer den Trecker vom Dorfschmied bauen. Rasims Betrieb beschäftigt zwölf Mitarbeiter. Er baut Getreide und Gemüse an, hält Vieh und schlachtet es seit kurzem in seinem "grünen Schlachthof" selbst. Auch den Verkauf seiner Erzeugnisse hat Ramin weitgehend selbst in die Hand genommen.

Burkhard Roloff, Sprecher des Agrarbündnisses, sagte, Rasim habe "alles richtig gemacht", um sich dem Markt und der Konkurrenz anzupassen. Er sieht die so genannte Konventionalisierung unter den Biobauern dennoch mit großer Sorge. Wenn große Bio-Betriebe kostengünstiger produzieren, steige der Druck auf die kleinen. "Es kommt bereits zur Verringerung der Arten- und Sortenvielfalt und zu einer einseitigen Orientierung auf die Leistung in der Tierhaltung", so Roloff. Auch verlören die ersten Kunden bereits das Vertrauen in die Bio-Landwirtschaft, weil Geflügelherden zu groß sind, die Transportwege für Biomilch zu lang, die Verpackungen zu aufwändig. Die Konventionalisierung gefährde auch die Glaubwürdigkeit des Ökolandbaus.

Damit die kleineren Bio-Bauern eine Chance haben, vom zweifellos weiter wachsenden Bio-Markt zu profitieren, müssen sie sich Nischen suchen, ihre Erzeugnisse weitgehend selbst verarbeiten und vor allem in der Region verkaufen, empfahl Roloff. Von 781 Bio-Betrieben in MV verarbeiten bislang nur 72 ihre Produkte selbst. Dabei kann gerade der Biobauer mehr verdienen, der selber mahlt, backt oder schlachtet. Oder wie Margot Stühle auf ihrem Hof Bockshorn in Sievertshagen selbst Käse aus der Milch ihrer Ziegen produziert. Zur regionalen Vernetzung gehört es auch, dass Gastronomen Bio-Produkte aus der Region verarbeiten, wofür sich etwa die vom Agrarbündnis gelobte Initiative "ländlichfein" einsetzt.

Wenn Agrarminister Till Backhaus (SPD) die Biolandwirtschaft als "Aushängeschild" des Landes wie versprochen ausbauen will, muss er nach Ansicht des Agrarbündnisses mehr als bisher tun. Roloff forderte unter anderem, die Umstellungsprämien von 150 auf 250 Euro pro Hektar zu erhöhen. Sie bekommen Landwirte für zwei Jahre, wenn sie vom konventionellen Anbau zum Öko-Betrieb wechseln. Außerdem brauche das Land endlich einen Plan, wie Öko-Anbauflächen erweitert werden können. Roloffs Vorschlag: 15 Prozent der Fläche bis 2020. Bislang sind es knapp zehn Prozent.

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