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20. August 2017 | 04:24 Uhr

Bio allein ist nicht genug

vom

Wendisch Waren | Die Vögel zwitschern, Schafe blöken leise irgendwo im Hintergrund, ein Hahn kräht und macht lautstark auf sich aufmerksam, es duftet nach regennassem Gras. Eine Idylle inmitten von hohen Maisfeldern: Kurz hinter dem Dorfausgangsschild Wendisch Waren befindet sich noch ein kleiner, etwas abseits der Straße liegender Bauernhof - er scheint einer anderen Zeit anzugehören. Kein Mähdrescher und kein Traktor stehen vor dem Haus, das Heu ist auf einem Gestell aufgestapelt, wie man es von den Ölbildern der Bauernhöfe vergangener Jahrhunderte kennt. Daran hängt die Sense - auch sie scheint ein Relikt derselben, fast vergessenen Zeit zu sein. Diese kleine Insel inmitten der landwirtschaftlichen Großbetriebe der Region, bestellen Wolfgang und Urte Trampota seit nunmehr dreieinhalb Jahren nach dem Demeter-Prinzip.

Demeter, das bedeute einen "rundum funktionierenden Hoforganismus aufzubauen", erklärt Trampota. Dazu gehöre es auch, Tiere zu halten, das Umfeld des Hofes zu pflegen, eigenes Saatgut anzubauen und streng nach den Richtlinien der Biologisch-Dynamischen Wirtschaftsweise zu arbeiten. "Biologisch heißt unter anderem eben die Futtermittel selbst anzubauen, damit man genau weiß, was die Tiere fressen", erklärt der Landwirt. Dynamisch bedeute, im wiederkehrenden Rhythmus der Natur zu arbeiten. Denn es gibt für den Demeterbauern Tage, die besonders empfehlenswert für bestimmte Arbeiten sind. Die Aussaat der vier Kategorien Wurzel, Frucht, Blume und Blatt ergibt sich nach einem besonderen Kalender und dieser orientiert sich wiederum an den Gestirnen.

Der geschäftsführende Vorstand des Demeter e.V. , Stephan Illi, erklärt: "Das Bio-Siegel setzt das Mindestmaß fürs Öko-Essen. Demeter-Bauern und -Hersteller leisten erheblich mehr als die EU-Bio-Verordnung vorschreibt." Und dies wollten auch die Trampotas: "Wir suchten eine Alternative zum ,normalen Leben und wollten dieses selbst in die Hände nehmen", erzählt der gebürtige Rostocker, "Demeter habe ich in der Nähe von Malchin kennengelernt, ich durfte eine Zeit mithelfen, ein Gehöft aufzubauen." Und ebenda hat den ehemaligen Lehrer auch das besondere Umfeld des Demeterhofes gepackt. "Nach dem Prinzip ,learning by doing habe ich mir dort die Grundkenntnisse der Landwirtschaft angeeignet." Als das Ehepaar Trampota dann vor dreieinhalb Jahren den Hof in Wendisch Waren übernahm, sei der dortige Boden von der vorhergegangenen Bewirtschaftung völlig verdichtet gewesen, berichtet Trampota. Jetzt, nachdem sich die Familie des Landes angenommen hat, beginnt dieser, sich wieder zu beleben: "Die Krume, eine lockere Bodenschicht, entsteht langsam, wir haben wieder Regenwürmer gefunden und auch Rebhühner habe ich gesehen."

Mit seinem Arbeitspferd Donja erledigt der Landwirt die schweren Arbeiten, gedüngt wird mit Pferdemist und Kompost. "Im Moment wirtschaften wir noch hauptsächlich für den Eigenbedarf und den Hof-Verkauf. Unser Ziel ist, dass wir als Erzeuger mit unseren Verbrauchern eine Vertrauensbasis entwickeln - Augenkontakt am Produkt haben - das sie wissen, was sie bei uns bekommen." Neun Rauhwollige Pommersche Landschafe, fünf Ziegen und fünf Lämmchen, Hühner und einen Hahn, sowie zwei Pferde haben die Trampotas derzeit zu versorgen. "Wir sind im Aufbau - und es ist noch ein langer Weg . Aber wir möchten mit dem Hof auch eine lebenswerte Grundlage für unsere Kinder schaffen", sagt Trampota abschließend.

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erstellt am 03.Aug.2010 | 05:46 Uhr

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