Nager breiten sich aus : Biber nehmen Parchim in die Zange

Das ist kein Parchimer Biber. Aber in den letzten Jahren wurden auch im Gebiet der  Mittleren Elde im wieder Biber beobachtet.dpa
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Das ist kein Parchimer Biber. Aber in den letzten Jahren wurden auch im Gebiet der Mittleren Elde im wieder Biber beobachtet.dpa

Die niedlichen kleinen Nager werden langsam zu einer echten Plage. Sieben Biberburgen sind den Verantwortlichen im Wasser- und Bodenverband Mittlere Elde mit Sitz in Parchim bereits bekannt.

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07. Mai 2013, 10:25 Uhr

Der für viele Jahrzehnte verschwundene Biber rüstet sich zur Eroberung der Region rund um Parchim. Und er nimmt das Gebiet gleich von zwei Seiten in der Zange - zum einen von der Elbe über die Elde. Und zum anderen vom Naturpark Sternberger Seenland.

Sieben Biberburgen sind den Verantwortlichen im Wasser- und Bodenverband Mittlere Elde mit Sitz in Parchim bekannt: drei bei Prestin, je zwei bei Zölkow und Lenschow und eine bei Runow. Uwe Zöllner, der Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbands Mittlere Elde, ist sich bewusst, dass das in der Zukunft zu Konflikten führt. Denn die Biber bauen Dämme und setzen dabei oft von Landwirten bewirtschaftetes Land unter Wasser.

Vor diesem Hintergrund müssen offenbar auch manche Pläne überdacht werden. So hatte der Verband Landwirte im Poldergebiet der Warnow überzeugt, Bäume am Flusslauf zu pflanzen. Mittlerweile schrecken die Bauern aber davor zurück. Sie sehen die Gefahr, dass die Bäume am Fluss das Ausbreiten der Biber verhindern. Der Biber zwingt zu Vorsichtsmaßnahmen - beispielsweise auch für frisch gepflanzte Bäume. Deshalb wurden die Bäume, die zwischen Zölkow und Kladrum zum Ausgleich für den Bau von Windkraftanlagen gebaut wurden, eingezäunt.

Hier breitet sich eine Population aus, die bis zur Wende auch im Landkreis Parchim ausgerottet war. In den Jahren 1990/91 waren gerade einmal elf neue Tiere im Bereich Cambs ausgesetzt worden. Mittlerweile hat sich aus diesen wenigen Tieren im Naturpark Sternberger Seenland eine Population von rund 300 entwickelt. Die Zahl der Tiere war in den letzten Jahren relativ konstant, doch die Fläche, die sie besiedeln, wird immer größer, ergaben jüngste Analysen beim Bibermonitoring unter Regie von Mario Krüger, Naturparkranger in Warin.

Kurz nach der Wende tauchte auch in der Elde südlich von Grabow nach Jahrzehnten der erste Biber wieder auf, sagt Stefan Labes, Verantwortlicher für Artenschutz in der Unteren Naturschutzbehörde im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Vorher - zu DDR-Zeiten - war die Grenze vermutlich so dicht, dass nicht einmal diese Nagetiere den Weg von der Elbe über die Elde zurücklegen konnten. Vor zwei Jahren seien Biber in Parchim aufgetaucht, so Labes.

Der Parchimer Jürgen Gärtner, pensionierter Naturparkranger aus dem Sternberger Seenland, verteilte Flyer unter Gartenfreunden. Fraßstellen fanden sich zunächst bis zur Schleuse. Doch auch dieses gewaltige Sperrbauwerk muss ein einzelnen Biber überwunden haben. Letztes Jahr wurden Aktivitäten des Nagers aus dem Slater Moor gemeldet.

Auf anderen Abschnitten - so zwischen dem Eldedreieck und Matzlow-Garwitz aber auch in der Nähe der Kläranlage in Parchim - war die Bautätigkeit des Bibers bereits vorher zu sehen. Zunächst graben sich die Nager Erdhöhlen. Wenn die nicht mehr hält, packt der Baumeister darauf Holz und anderes Material. Die Biberburg entsteht. Das ist noch nicht automatisch der Beweis, dass hier schon Nachwuchs groß gezogen wird. Bisher wurden in der Parchimer Ecke nur Einzeltiere entdeckt.

Auf der Müritz-Elde-Wasserstraße ist der Biber ohnehin nur auf Durchzug. Beim Ausbau des Wasserwegs wurden Pfahlreihen unter dem Wasser montiert, so dass das Tier sich keine Erdröhren graben kann. Zumindest an den meisten Stellen haben die Baumeister da keine Chance, wohl aber in den Zuflüssen zur Wasserstraße.

Ein Mittel zum Schutz von Bäumen vor dem Biber ist es, Neuanpflanzungen mit Draht zu schützen, erklärt Labes. Oder mit einem speziellen Anstrichmittel, das Quarzsand enthält und bei dem sich für den Nager ein ähnlicher Effekt einstellt, als wenn er auf Sandpapier beißt. Es gibt auch Baumarten aus Hartholz, die für die Biber kaum angreifen. Dazu gehört die Roterle. Dass der Biber sich auch an der Mittleren Elde ausdehnt, sei offensichtlich, sagt Stefen Labes.

Wie lange das dauert, ist ungewiss. Den Bereich um Sternberg hatten die Biber innerhalb eines Jahrzehnts erobert.

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