Betrunkener Bauer legt Bahnverkehr lahm

Schadensgutachten: In Holdorf wird der gebrochene Schienenstrang vermessen. Fotos: Michael Schmidt
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Schadensgutachten: In Holdorf wird der gebrochene Schienenstrang vermessen. Fotos: Michael Schmidt

Signale auf Rot! Nach einem Gleisbruch in Holdorf musste die Ostseeland Verkehr GmbH (OLA) den Bahnverkehr gestern früh zwischen Rehna und Groß Brütz einstellen. Ein Landwirt soll den Schaden mit einem Radlader verursacht und Fahrerflucht begangen haben.

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21. August 2008, 08:28 Uhr

Holdorf - Endstation Holdorf. Wenige Meter vor dem Bahnhof sah ein Lokführer gerade noch rechtzeitig den gebrochenen Schienenstrang am Bahnübergang. Er stoppte den Zug aus Richtung Gadebusch, wenig später bittet die Ola ihre Fahrgäste zum Umsteigen in Taxis.

„Das hat unwahrscheinlich gerumst“
Diese Sonderfahrt auf der Straße haben die Fahrgäste nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei einem betrunkenen Landwirt zu verdanken. Er soll mit einem Radlader den Bahnübergang passiert haben. „Dabei verhakte sich offenbar ein Zinken der Radladerschaufel an der Schiene und der Gleisstrang brach“, sagte ein Polizeibeamter vor Ort. Der Krach muss ohrenbetäubend sein. „Das hat unwahrscheinlich gerumst“, berichtet ein Anwohner.

Ein Passant, der sich zum Unglückszeitpunkt auf dem Bahnhof aufhielt, sah das Ganze mit eigenen Augen. Nach seinen Schilderungen soll der Fahrer des Radladers nach der Havarie kurz ausgestiegen und wenig später davon gefahren sein.

Die Polizei ermittelt wegen Fahrerflucht und fand den mutmaßlichen Unglücksfahrer wenig später auf einem Agrarstützpunkt in der Nähe von Gadebusch. Ein erster Alkoholtest ergab einen Wert von 0,92 Promille. Seinen Führerschein ist der Mann vorerst los und Ärger mit dem Chef vorprogrammiert.
Der Gleisbruch von Holdorf könnte teuer werden. Denn durch die Einstellung des Bahnverkehrs ist die OLA gezwungen, Busse für ihre Kunden einzusetzen. „Wir bitten unsere Kunden um Nachsicht. Im Moment gibt es einen Schienenersatzverkehr zwischen Groß Brütz und Rehna“, sagt Ulrike Wild. Sie ist die stellvertretende Einsenbahnbetriebsleiterin der OLA.

„Das ist keine Sache von Minuten, sondern Stunden“
Die Sperrung dauert mindestens bis heute Nachmittag. Fachleute müssen nicht nur einen Teil des Bahnübergangs anheben, sondern auch einen etwa zehn Meter langen Schienenstrang aus Stahl heraustrennen. Anschließend wird das Ersatzstück mit einem speziellen Schweißverfahren mit dem Schienennetz verbunden. „Das alles ist keine Sache von Minuten, sondern dauert Stunden“, verdeutlicht ein Beamter der Bundespolizei. Die Kräfte, die gewirkt haben, müssen enorm gewesen sein.

Burkhard Ahlert von der Deutschen Bahn sagte gestern: „Der Schaden geht in die Tausende.“ Nach seinen Angaben war die Strecke seit gestern früh 8 Uhr für den Bahnverkehr gesperrt.
Nach Informationen unserer Zeitung soll zuvor noch ein Zug der OLA über den gebrochene Schienenstrang gerollt sein. Im Extremfall hätte der Zug entgleisen und in die Radegastwiesen stürzen können. Für Lokführer aus Richtung Rehna war der Schaden kaum zu erkennen.

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