Betrügerring im Netz

Ein Jugendlicher aus Schwerin soll 4000 Kontodaten von Internetnutzern auf einem „Hackerforum“ verkauft haben. Pech für ihn: Seine Kunden waren Scheinkäufer eines Online-Bezahlsystems mit direktem Kontakt zur Kölner Polizei.

von
19. Mai 2008, 07:23 Uhr

Schwerin - Eine Geschäftsidee der besonderen Art hatte sich ein 19-jähriger Schweriner ausgedacht. Er bot gestohlene Kreditkartendaten sowie E-Mail-Adressen mit dazugehörigen Passwörtern für Geld an und lud seine Kunden damit zum kostenlosen Einkaufen bei mehr als 11000 Anbietern im Internet ein. „Die rechtmäßigen Eigentümer der Daten bemerkten den Missbrauch erst bei der nächsten Abrechnung“, sagte eine Pressesprecherin der Kölner Polizei gestern gegenüber unserer Redaktion. Wie hoch der Schaden tatsächlich ist, konnte bisher noch nicht ermittelt werden.

Der wegen Betrugs bereits mehrfach in Erscheinung getretene Schweriner hat inzwischen ein umfangreiches Geständnis abgelegt. „Er sagte aus, dass er zunächst auf kleineren schlecht gesicherten Internetforen E-Mail Adressen und dazugehörige Passwörter ausgekundschaftet hatte“, erklärte die Polizeisprecherin. Anschließend testete er mit einer illegalen Software, ob die Passwörter von ihren Inhabern auch als Zugangsdaten für andere Internetdienste benutzt werden. Zugute kam ihm dabei, dass viele Nutzer für unterschiedliche Portale immer dasselbe Passwort nutzen. Mit den Zugangsdaten und einer illegalen Software gelang der Datenklau dadurch auch auf gut gesicherten Seiten.

Aufgeflogen war der Betrug durch Spezialisten eines Online-Bezahlsystems, die sich in einem „Hackerforum“ als Scheinkäufer betätigten. Sie nahmen Kontakt zu dem Anbieter auf und kauften von dem Betrüger 4000 ausgespähte Zugangsdaten. „Es stellte sich heraus, dass 3622 der von dem Unbekannten gelieferten Daten tatsächlich existent und echt waren“, so die Kölner Polizeisprecherin.

Die Ermittlungen gegen den 19-Jährigen und seine Kundschaft dauern noch an. Jeder überführte Käufer der illegal beschafften Accounts wird sich, wie auch der junge Schweriner, wegen Verdacht des Computerbetruges zu verantworten haben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen