Betriebe machen Dampf

Hohe Energiekosten zwingen immer mehr Unternehmen in MV dazu, Dampf zu machen. Eigene Heizkraftwerke haben landesweit bereits rund ein Dutzend Betriebe, darunter die Holzindustrie in Wismar und anderen Städten, teilte das Wirtschaftsministerium mit.

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13. Oktober 2008, 05:58 Uhr

Hagenow - Die Mecklenburger Kartoffelveredlung GmbH Hagenow investiert derzeit rund 50 Millionen Euro in ein Kraftwerk für Ersatzbrennstoffe, das ab 2009 den hohen Energiebedarf des Unternehmens vollständig decken soll, wie Hauptgeschäftsführer Reinhard Lemke sagt. „Damit senken wir insgesamt unsere Energiekosten um 10 bis 15 Prozent.“

Hintergrund für die Millioneninvestition im Hagenower Püreewerk, die sich in rund zehn Jahren amortisiert haben soll, sei die Wettbewerbsfähigkeit, sagt der Geschäftsführer. Norddeutschland habe bundesweit die höchsten Energiepreise. „Daraus resultieren Probleme, dem weltweiten Wettbewerb standzuhalten.“ Mit einer Leistung von 32 Megawatt (MW) soll das Kraftwerk insbesondere Dampf für das Trocknen der Kartoffeln liefern. In Stillstandszeiten im Sommer und zum Jahreswechsel wird die Wärme Lemke zufolge verstromt und ins öffentliche Netz eingespeist. Gespeist werde das Kraftwerk mit sortiertem brennbaren Müll, sogenanntem Ersatzbrennstoff. „Damit lösen wir komplett unseren Bedarf an Öl und Strom ab.“

Bisher bezieht das Kartoffelwerk auch Dampf vom nahegelegenen Biomasseheizkraftwerk InfraTec, das darüber hinaus noch ein Gummibärchen-Werk versorgt. Doch aufgrund des knapper werdenden Rohstoffs Holz sei diese Energie mittlerweile zu teuer, sagt Marketingchef Michael Greve.
Bereits in Betrieb ist das Bio-Heizkraftwerk des expandierenden Säge- und Hobelunternehmens HMS in Hagenow. Das Kraftwerk, das Ende 2007 ans Netz ging, verarbeitet die in der Produktion anfallende Baumrinde zu Strom und Wärme, erklärt Klaus Gerstein, Produktionschef der HMS Holzindustrie Hagenow GmbH. Das Unternehmen investierte insgesamt 20 Millionen Euro in ein neues, doppelt so großes Sägewerk wie bisher sowie in das hochmoderne Kraftwerk, in das allein rund 7,5 Millionen Euro flossen. Momentan rentiere sich die eigene Energiegewinnung noch nicht, doch in Zukunft schon, wenn die Energiepreise weiter steigen.

„Wir wollen unsere Produktionskapazität erhöhen auf künftig 400000 Festmeter Rundholz im Jahr“, sagt der Betriebschef. Das neue Hightech-Kraftwerk auf dem Firmengelände erzeuge Strom für umgerechnet 3700 Eigenheime im Jahr. Die außerdem entstehende Wärme, die jährlich 2400 Haushalte speisen könnte, werde teilweise zum Trocknen des Holzes im Betrieb verwendet. Noch nicht gelöst sei die Vermarktung der überschüssigen Wärme, räumt Gerstein ein. Denkbar wäre die Versorgung weiterer Industriebetriebe oder öffentlicher Gebäude in der Kleinstadt.

Zu viel Wärme erzeugt auch der Büromöbelhersteller Palmberg in Schönberg (Nordwestmecklenburg) mit seinem seit 1999 betriebenen eigenen Heizkraftwerk, berichtet Marketingchef Stephan Kühl. Das Unternehmen verfeuert etwa ein Viertel seiner Spanplattenreste zum Heizen des gesamten Werkes. Im Vergleich zu Öl und Gas würden die Holzreste beim Verbrennen nur ein Viertel bis ein Fünftel an Kohlendioxid freisetzen.

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