Beihilfe-Millionäre sitzen im Osten

Ran an den Trog:
Ran an den Trog:

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26. April 2010, 06:51 Uhr

Schwerin | Geldsegen für Mecklenburg-Vorpommerns Bauern und Investoren auf dem Land: Aus dem EU-Fördertopf flossen im vergangenen Jahr rund 450 Millionen Euro in die Agrarwirtschaft - das meiste an direkten Beihilfen an Landwirte, vom Ein-Mann-Betrieb im Nebenerwerb bis zum Agrarbetrieb mit hunderten Hektar. Doch auch die Kirche, Städte, Gemeinden, Zweckverbände, Verarbeitungskonzerne, Ämter, Zucht- und Bodenverbände kassierten mit - Millionenbeträge für Investitionen, für Projekte zur Stärkung des Arbeitsmarktes oder zur Verbesserung der Lebensqualität. Selbst das Land förderte sich: Die landeseigene Forstanstalt bekam zwei Millionen Euro, die Landesverwaltung selbst noch einmal 1,2 Millionen Euro überwiesen, geht aus der seit gestern von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung veröffentlichten Subventionstabelle hervor. Die EU zahlt direkte Beihilfen als Ausgleich für Umweltleistungen und für Preisstützungen, Exporterstattungen, Absatzbeihilfen sowie Mittel für die ländliche Entwicklung.

Die Liste der Beihilfeempfänger ist lang: Bei 6887 Empfängern aus MV klingelte im vergangenen Jahr die Kasse. Dabei floss das meiste Geld in den Ostteil des Landes. Dort wirtschaftet etwa die Hälfte aller Beihilfe-Millionäre Mecklenburg-Vorpommerns - zwölf Unternehmen haben 2009 zusammen etwa 18 Millionen Euro aus Brüssel überwiesen bekommen. Ohnehin stellt MV fast zehn Prozent aller etwa 270 Beihilfe-Millionäre Deutschlands. Nur 25 Unternehmen erhalten zusammen rund 39 Millionen Euro - etwa zehn Prozent der Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung stehenden Agrarsubventionen. Es dürften sogar noch mehr sein: Vor allem bei den großen Subventionsempfängern ist der Frust über die Veröffentlichung der Beihilfezahlungen groß. Etwa 300 Betriebe hatten dagegen im vergangenen Jahr Widerspruch eingelegt. Sie tauchen vorerst noch nicht in der Förderliste auf - vermutlich viele Betrieb mit hohen Subventionsanteilen.

Die Spanne der Zahlungen ist groß: Während ein Empfänger in Prenzlau 2009 mit 34,08 Euro mit der in MV geringste Beihilfezahlung aus Brüssel auskommen musste - bundesweite Schlusslichter sind ein Ehepaar aus dem niedersächsischen Bad Laer und ein Mann aus Riedering in Bayern, die jeweils einen Cent überwiesen bekamen - gingen auf den Konten der Osterhuber Agrar GmbH in Wilhelmsburg (Landkreis Uecker-Randow) mit 3,7 Millionen Euro die höchste direkten Agrarbeihilfen für einen Betrieb in MV ein. Es folgt Erzeugerorganisation Obst und Gemüse in Wittenburg, die 3,5 Millionen Euro erhielt. Ohnehin können auch eine Reihe von Verarbeitungsbetrieben auf die nicht rückzahlbaren Zuschüsse zurückgreifen. Allein zwei Betriebe der Molkereibranche, die seit Jahren wegen Dumping-Milchpreisen in der Kritik stehen, wurden mit fast fünf Millionen Euro unterstützt - 2,8 Millionen für die Hansa-Milch Upahl und 2,1 Millionen Euro für die Rückers Ostsee-Molkerei in Wismar. Das Bremer Verarbeitungsunternehmen Nordmilch mit Werken u. a. in Dargun und Waren ist bundesweiter Beihilfe-Spitzenreiter - 51 Millionen Euro zahlte Brüssel im vergangenen Jahr an das Unternehmen aus. Dahinter folgt die Südzucker AG, die 43 Millionen Euro erhielt.

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