Behörden-Chaos versaut Abi-Note

Doppelter Prüfungsstress: Melanie Jenke aus Hagenow
Doppelter Prüfungsstress: Melanie Jenke aus Hagenow

Schock kurz vor den Abi-Klausuren: Melanie Jenke aus Hagenow hat für die falschen Fächer gelernt. Wie das geschehen konnte? Das Staatliche Schulamt ließ ihr erst die Wahl – und kippte dann die Entscheidung vier Tage vor Prüfungsbeginn.

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22. April 2008, 08:25 Uhr

Hagenow/Schwerin - Melanie ist aufgelöst. „Das ist eine extreme seelische Belastung“, sagt die 18-jährige Schülerin der Stufe 13. „Ich weiß gar nicht, woran ich bin.“ Wochenenlang hat sie intensiv für Geschichte gelernt, doch jetzt muss sie statt dessen eine Mathe-Prüfung auf Leistungskursniveau schreiben. Hintergrund: Das Staatliche Schulamt Schwerin hatte ihr die Wahl gelassen, ihr Abi nach der neuen Verordnung – also der für das Zwölf-Jahres-Abitur – abzulegen. Entsprechend hatte Melanie ihre Prüfungsfächer gewählt. Dann der Schock am Freitag: Während die Schüler den letzten Schultag feiern, geht im Gymnasium Hagenow ein Fax des Staatlichen Schulamtes Schwerin ein, das unserer Redaktion vorliegt. Inhalt: Schüler der Stufe 13 können ihre Prüfung doch nicht nach der neuen Verordnung machen. Das Informationsschreiben vom 12. Juli 2007 „wird zurückgenommen“.

Für Melanie sind die Folgen gravierend: Sie hatte sich freiwillig für die schwierigere Prüfung des parallel stattfindenden Zwölf-Jahres-Abiturs entschieden, weil sie ihren Schnitt verbessern wollte. „Ich hätte zwar eine Prüfung mehr gehabt, aber dafür auch die Möglichkeit, trotz Geschichte-Grundkurs meine Geschichtsprüfung auf Leistungskurs-Niveau und trotz Mathe-LK eine Mathe-GK-Prüfung abzulegen“, erläutert sie. Für sie die beste Option, weil sie in Geschichte bessere Vornoten hatte als in Mathe. Entsprechend sei auch ihr prüfungsvorbereitender Unterricht abgelaufen. „Meinen angestrebten Notendurchschnitt von 1,7 kann ich jetzt vergessen“, sagt sie. Gemeinsam mit ihren Eltern überlegt sie, vor Gericht zu ziehen. Es sei ungerecht, dass Schüler wegen eines behördlichen Fehlers benachteiligt werden.

Das Kultusministerium spricht von einem „Interpretationsfehler“ des Schulamtes Schwerin, der erst kurzfristig bekannt geworden sei. Demnach sind insgesamt vier Schülerinnen in Hagenow und Boizenburg betroffen. „Wir bedauern das sehr und versuchen nun, den Schaden zu begrenzen“, so Matthias Zwerschke, Referatsleiter für Gymnasien im Ministerium. Es sei nie vorgesehen gewesen, dass Schüler der Stufe 13 ihr Abi nach der neuen Verordnung ablegen. So ein Zeugnis sei gar nicht rechtssicher. Die Schülerinnen sollen jetzt die Möglichkeit bekommen, ihre Prüfungen in den neuen Fächern zu einem späteren Termin zu machen . Für Melanie ändert das aber nichts an der Benachteiligung. Heute steht ihre erste Abi-Prüfung an: Deutsch. In Ruhe lernen? Daran war in den letzten Tagen kaum zu denken.

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