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Parchim : Begegnungsstätten stehen vor dem Aus

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Die ARGE hat die Mittel für MAE-Stellen im Landkreis Parchim gegenüber 2010 um gut 50 Prozent gekürzt, so dass es in vielen Begegnungsstätten und Jugendclubs keine Betreuung mehr gibt.

svz.de von
erstellt am 25.Mär.2011 | 11:15 Uhr

Unruhe in den Gemeinden: Die mittlerweile zu "Jobcenter" umbenannte ARGE hat die Mittel für MAE-Stellen (Ein-Euro-Jobs) im Landkreis Parchim gegenüber 2010 um gut 50 Prozent (von 3,9 auf 1,6 Millionen Euro) gekürzt, so dass es unter anderem in vielen Begegnungsstätten und Jugendclubs keine Betreuung mehr gibt. Auf einer Gemeindevertretersitzung nach der anderen teilen Bürgermeister augenblicklich sichtbar verbittert mit, dass für diese Aufgabe kein Geld mehr zur Verfügung stehe.

Am Mittwochabend trafen sich zum Beispiel im Amt Goldberg-Mildenitz die Bürgermeister mit Vertretern des für den gesamten Landkreis zuständigen Parchimer Jobcenters und der Verwaltung, um ihrem Ärger Luft zu machen. Sie sehen den Bestand genannter Einrichtungen akut gefährdet. Unter anderem geht es um die Häuser in Diestelow und Mestlin. Hauptamtsleiterin Angela Marschall zum Verlauf des nicht öffentlichen Gespräches: "Es endete ergebnislos, was die Bürgermeister verärgerte. Vom Jobcenter kam die klare Aussage, dass es keine Finanzierungsmöglichkeiten mehr gebe und diese Stelle zudem nicht dafür verantwortlich sei, soziale Strukturen in Kommunen aufrecht zu erhalten. Die mögliche Schließung der gut angenommenen Treffpunkte - nicht nur Jugendclubs, sondern zum Beispiel mit Sport- und Singegruppen mittlerweile oft die Lebensmittelpunkte für Jung und Alt - ist objektiv betrachtet ein großer Rückschlag für die dörfliche Gemeinschaft. Und es wird nicht möglich sein, künftig alles über ehrenamtliches Engagement abzudecken."

Allein die dem Jobcenter Parchim vom Bund zur Verfügung gestellte Summe zur Erfüllung aller Aufgaben ist im Vergleich von 2010 zu 2011 von insgesamt 12,9 auf 8,5 Millionen Euro gesunken. Die Kosten für MAE-Stellen nehmen jetzt nur noch knapp 20 Prozent (früher 31) ein. "Die Konjunktur brummt. Es geht jetzt verstärkt darum, das Geld für sinnvolle Maßnahmen auszugeben. Entsprechend unseres gesetzlich definierten Auftrages haben wir Fähigkeiten abzurufen und auszubilden, Kräfte auf dem Ersten, jetzt verstärkt Bedarf zeigenden Arbeitsmarkt zu vermitteln, sie zumindest dort hinzuführen", sagt Matthias Bonack, Geschäftsführer des Jobcenters Parchim.

Eine Beschäftigung auf dem Ersten Arbeitsmarkt sei von entscheidender Wichtigkeit, um die allgemeine Hilfebedürftigkeit zu senken. So etwas gehe nicht durch Ein-Euro-Jobs: "Ich kann die Bedenken auch der Bürgermeister grundsätzlich verstehen, aber es ist in der Tat nicht unsere Aufgabe, kommunale Infrastruktur zu finanzieren. Die Kürzung ist kein böser Wille, aber wir können nicht umhin, die Sinnhaftigkeit geförderter Stellen zu überprüfen, Geld effizienter einzusetzen", so der Geschäftsführer.

Von den Kürzungen betroffen ist ebenso das Amt Eldenburg Lübz. Nach Ende der MAE-Maßnahmen ist auch hier der Fortbestand des überwiegenden Teils der auf insgesamt 15 Gemeinden verteilten Begegnungsstätten gefährdet. Eine ehrenamtliche Kraft sichert lediglich in Marnitz schon jetzt die Betreuung ab. Auch der in Lübz arbeitende Bürgeramtsleiter Thomas Rosenfeldt hält die finanziellen Kürzungen für "sehr bedenklich", da die Begegnungsstätten eine sehr wichtige soziale Funktion erfüllten und für sinnvolle Beschäftigung sorgten. Schon bisher hätten die Kommunen angesichts leerer Kassen oft unter Aufbringung aller Kräfte das Fortbestehen der Häuser gesichert. "Die Bezahlung einer Betreuungskraft aus eigener Kraft ist deshalb unmöglich", so der Amtsleiter. Einige Gemeinden stellen die Räume zwar weiterhin zur Verfügung, doch die Herausgabe des Schlüssels ohne gleichzeitig einen festen Ansprechpartner an die Seite zu stellen, sieht Rosenfeldt kritisch: "In der Vergangenheit gemachte Erfahrungen zeigen, dass dann früher oder später die Tür ganz zugeht, weil es so nicht funktioniert."

Passows Bürgermeister Frank Busch zum Beispiel hat seit dem 1. März keine Betreuung mehr im Jugendclub. "Die Räume im Gemeindezentrum stellen wir weiter zur Verfügung, aber auch ich stelle mir natürlich die Frage, ob es funktioniert", sagt er.

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