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Aufreger-Prozess um mutmaßlichen Vergewaltiger : Befangenheitsantrag abgelehnt

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Der "Aufreger-Prozess" um einen mutmaßlichen Vergewaltiger wird am Landgericht Schwerin wie geplant fortgesetzt. Die zuständige Strafkammer hat einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter abgelehnt.

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erstellt am 16.Jul.2013 | 11:18 Uhr

Schwerin | Der "Aufreger-Prozess" um einen mutmaßlichen Vergewaltiger wird am Landgericht Schwerin wie geplant fortgesetzt. Gestern hat die zuständige Strafkammer einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter abgelehnt. Es bestehe kein Grund, an dessen Unvoreingenommenheit zu zweifeln, hieß es. Nebenklage-Anwältin Christine Habetha, die den Antrag in der Vorwoche gestellt hatte, akzeptierte die Entscheidung. Im Juni war Axel S. von dieser Kammer mal kurzzeitig auf freien Fuß gesetzt worden. Das hatte für Unmut und Aufsehen gesorgt. Das Oberlandesgericht hatte S. umgehend wieder festsetzen lassen.

So ging am gestrigen zweiten Verhandlungstag alles weiter wie ursprünglich geplant. Der 50-Jährige, der wieder aus der Untersuchungshaft ins Gericht gebracht wurde, gab über seinen Verteidiger Matthias Macht eine Erklärung ab. Er soll sich im Januar in einem Dorf bei Schwerin an seiner Nachbarin vergangen haben. Ihm werden sexuelle Nötigung, Körperverletzung und versuchte Vergewaltigung im besonders schweren Fall zur Last gelegt. Dafür drohen bei einem Schuldspruch viele Jahre Haft. Was er nun genau eingestand oder auch nicht, erfuhren die Besucher nicht. Sie mussten vor der Erklärung den Saal verlassen. Der Verteidiger hatte den Ausschluss der Öffentlichkeit beantragt. Dem Vernehmen nach hat Axel S. eingeräumt, am Abend in die Wohnung des etwa gleichaltrigen Opfers eingedrungen zu sein und sich gegen den Willen der Frau an ihr vergangen zu haben. Sie dabei mit einem Messer bedroht zu haben, bestreitet er aber. Mit Messer müsste die Strafe für diese Tat deutlich höher ausfallen als ohne.

Die Frau hat noch am Tatabend einem Bekannten, der sie aufgelöst in ihrer Wohnung vorfand, von dem Übergriff erzählt und auch von dem Messer berichtet. Der 40-Jährige war gestern als Zeuge vor Gericht. "Sie wirkte sehr verstört und sehr nervös. Sie hat viel geweint", berichtet er. Er spricht in einfachen Sätzen, langsam, denkt lange nach. Erinnern kann er sich an viel - an genaue Uhrzeiten und auch an Details in der Wohnung zum Beispiel. "Wir waren mal Freunde", sagt er, zur Art seiner Beziehung zum Opfer befragt. "Aber heute sind wir es nicht mehr". Was zu dem Zerwürfnis führte, erklärt er nicht wirklich. Irgendwann fällt der Satz: "Sie wollte mich in die Psychiatrie bringen und Axel S. ins Gefängnis". Das habe sie aber schon geraume Zeit vor dem Tatabend gesagt. Als sie mal von einem anderen Übergriff auf sie berichtet habe - auch durch Axel S. Acht Jahre sei dies her. Angezeigt hatte sie Axel S. damals jedenfalls nicht. Im Übrigen auch diesmal nicht. "Sie hatte Angst", sagt der Zeuge, der ihr - Zerwürfnis hin oder her - eigenen Angaben nach fast die ganze Nacht zur Seite stand.

Am darauffolgenden Tag suchte die Frau eine Klinik auf. Die Mitarbeiter dort haben die Polizei verständigt. Das bestätigt gestern eine junge Beamtin. Die Frau habe immer noch viel geweint, die Befragung sei nur mühsam voran gekommen. Doch von dem Messer habe sie erzählt, sagt die Zeugin. Während die Frau in der Klinik blieb, sei sie mit einem Kollegen in die leere Wohnung gefahren. "Tatortarbeit", sagt die Polizistin. Leider im falschen Teil des Hauses. "Wir waren versehentlich in den Räumen der bereits verstorbenen Mutter", räumte die Zeugin ein. Die Frau selbst habe dies festgestellt, als sie wieder zu Hause war und dies den Beamten am Telefon mitgeteilt. Einen Tag später sei dann der "richtige" Tatort untersucht worden.

Da war Axel S. schon in U-Haft. In seiner Wohnung fand die Polizei ein Messer mit DNA-Spuren des Opfers. Wie diese auf die Waffe gelangten, muss das Gericht klären. Der Prozess ist bislang bis Mitte August terminiert.

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