Bedrohliche Konkurrenz am Stadtrand

<strong>Besorgt:</strong> Nicolas Trost (23), Verkäufer im Bike Market, und seine Kollegen sehen Decathlon als gefährliche Konkurrenz. <foto>Kasa</foto>
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Besorgt: Nicolas Trost (23), Verkäufer im Bike Market, und seine Kollegen sehen Decathlon als gefährliche Konkurrenz. Kasa

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05. Juli 2010, 08:31 Uhr

Rostock | Bangen um die Existenz: Wenn der Sportdiscounter Decathlon in Schutow seine Halle hochzieht, dann bereitet das Einzelhändlern Sorgen. Allen voran dem Inhaber des Bike Market, mit Filialen in der Innenstadt und in Schutow. Mit allen Mitteln wolle sich das Unternehmen gegen die Ansiedlung des Sportriesen wehren, kündigt Geschäftsführer Jörg Bänder an. "Wir werden verstärkt Aufklärungsarbeit leisten und das Gutachten der Stadt von Spezialisten ganz genau unter die Lupe nehmen lassen." Am 22. Juli nehme er an der von der Stadt organisierten Diskussionsrunde teil und wolle dort mit anderen Beteiligten erneut diskutieren.

Erst vor einem Jahr investierte er 1,8 Millionen Euro in sein Geschäft. Ausgerechnet in unmittelbarer Nachbarschaft will Decathlon nun seine erste Filiale in den neuen Bundesländern eröffnen. Als bedrohlich empfindet der Unternehmer die Konkurrenz aus Frankreich und rechnet mit Umsatzeinbußen besonders im unteren Preissegment. "Im Gegensatz zu Decathlon sind wir auf Qualität ausgerichtet, aber wir haben auch einen großen Bereich mit Fahrrädern bis zu 400 Euro", so Bänder. Er befürchtet, dass Kunden nur auf den Preis achten werden und deshalb lieber nebenan kaufen.

Sorgen macht er sich auch um den Servicebereich: "Die Werkstatt von Decathlon wird vom Handel gesponsort, da können wir preislich nicht mithalten", befürchtet Bänder. In beiden Filialen arbeiten derzeit 25 Festangestellte. Im schlimmsten Fall müsse er hochwertiges Personal einsparen oder auf 400-Euro-Basis beschäftigen. Doch das wolle er möglichst verhindern. Entspannt ist dagegen der Chef vom Radhaus im Friedhofsweg. Das Unternehmen setze auf Kunden, die gezielt Markenqualität kaufen wollen. "Wir sind nicht auf das Publikum, das in dem Discounter einkaufen wird, angewiesen", sagt Geschäftsführer Leif Winter. Er glaube zwar, dass sich die Entwicklung am Stadtrand im Umsatz bemerkbar machen werde. Das Radhaus punkte aber mit der hauseigenen Werkstatt, in der gut ausgebildete Fahrrad-Mechaniker arbeiten. "Ich frage mich sowieso, woher der Investor Decathlon gutes Fachpersonal nehmen will", so Winter. Seit 20 Jahren betreibe er das Geschäft mit Zweirädern bereits und habe schon viele Läden kommen und gehen sehen. Die Ansiedlung in Schutow beobachtet er mit Interesse statt mit Sorgen und will abwarten.

"Die Branche splittet sich mehr und mehr auf, das ist nicht gut", sagt Klaus Dieter Jordan. Der 61-jährige Inhaber von Fahrrad-Jordan macht sich Gedanken um den neuen Konkurrenten am Stadtrand, zählt aber auf die Kunden in der Stadt: "Unser Publikum kommt hier aus der Gegend, die fahren nicht erst so weit raus", hofft er. Er musste bereits einen Kundenrückgang hinnehmen, als der Doberaner Platz umgebaut wurde. "Ich muss noch zwei oder drei Jahre durchhalten, dann gehen ich in Rente", so Jordan.

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