Ratgeber: Die EU hat Busreisenden den Rücken gestärkt : Bedingte Ansprüche

Verspätet sich der Reisebus, können Urlauber Geld zurückverlangen - aber nur, wenn sie mindestens 250 Kilometer quer durch Europa unterwegs sind. dpa
Verspätet sich der Reisebus, können Urlauber Geld zurückverlangen - aber nur, wenn sie mindestens 250 Kilometer quer durch Europa unterwegs sind. dpa

Wenn sich die Bahn verspätet oder der Flug ausfällt, beginnt der Urlaub mit Ärger. In diesen Fällen hat die EU festgelegt, welchen Anspruch Reisende haben - von 2013 auch jene, die mit Fernbussen fahren.

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16. Februar 2011, 12:00 Uhr

Wenn sich die Bahn verspätet, der Flug ausfällt oder der Koffer verschwindet, beginnt der Urlaub mit Ärger. In diesen Fällen hat die EU festgelegt, welchen Anspruch Reisende europaweit haben - von 2013 auch jene, die mit Fernbussen fahren.

Was sehen die neuen Bestimmungen vor?

Verspätet sich die Abfahrt um mehr als zwei Stunden, kann der Reisende den vollen Fahrpreis zurückverlangen. Bei Verspätungen ohne Anschlussmöglichkeiten bekommen Reisende eine, höchstens zwei Hotelübernachtungen von bis zu 80 Euro bezahlt. Für verloren gegangenes Gepäck gibt es maximal 1200 Euro. Keine Entschädigung gibt es bei "extremen Wetterbedingungen".

Für welche Busreisen gelten die Regeln?

Sie betreffen Linienbusverbindungen quer durch Europa. Reisende müssen mindestens 250 Kilometer unterwegs sein. Sie gelten nicht für Charterfahrten wie der Ausflug von Düsseldorf zum Weihnachtsmarkt nach Straßburg.

Welche Folgen hat das für Busunternehmen?

Die Mitgliedsländer können Unternehmern, die nur im Inland unterwegs sind, eine Schonfrist bei der Umsetzung der Regelungen von bis zu acht Jahren einräumen.

Welche Rechte haben Busreisende bis 2013?

Sie müssen bei Verspätungen vorerst auf Kulanz hoffen. Ein Recht auf Entschädigung sei bisher nicht rechtlich verbrieft, sagte Heinz Klewe, Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP). Reisende sollten sich bei starken Verspätungen oder anderen Beschwerden zuerst an das Unternehmen wenden, danach gegebenenfalls an die Schlichtungsstelle.

Wie gefragt sind Busreisen hierzulande?

In den vergangenen 15 Jahren sind mehr als die Hälfte der Urlauber mit dem Auto in die Ferien gestartet. Flugreisen machten rund ein Drittel aus. Seit 1996 nahmen durchweg nur sieben oder acht Prozent der deutschen Urlauber den Bus. Mit sechs Prozent knapp dahinter die Bahn. Die Zahlen gelten für Urlaube ab fünf Tagen. Sie beziehen sich auf die Gesamtzahl der Reisen, die 2009 bei rund 75,5 Millionen lag. Bei den Busreisen handelt es sich vorwiegend um Pauschal-Urlaube.

Wie ist es um den Linienverkehr bestellt?

Innerdeutsche Fernbuslinien sind die Ausnahme und verlaufen fast nur von und nach Berlin. Das liegt daran, dass der Bus-Fernlinienverkehr gesetzlich beschränkt ist. Die Beschränkungen sollten einst den Aufbau der Eisenbahnen schützen. Die Bundesregierung will das aber ändern und mehr Fernbusse als günstige Alternative zum Schienenverkehr zulassen.

Sind Busreisen im Ausland beliebter?

In den USA sind Fernbusse billig und deshalb sehr beliebt. Ein Ticket für die rund 360 Kilometer lange Strecke zwischen New York und Washington kostet unter 20 Dollar (15 Euro). Der Zug braucht mit drei Stunden zwar eine weniger, kostet aber bis zu 200 Dollar. Auch in Spanien ist der Bus aufgrund des Preises eine beliebte Alternative zur Bahn.

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