Baumsterben am Sumpfsee

Die Eschen sterben und das in einem rasanten Tempo. Vor zwei, drei Jahren zeigten sich die ersten Symptme. Inzwischen sind im Bereich des Forstamtes Güstrow 100 Hektar betroffen. Am Güstrower Sumpfsee sind die Bäume nicht mehr zu retten.

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05. Oktober 2008, 04:26 Uhr

Güstrow - Mahnend ragen die kahlen Äste in den grauen Herbsthimmel. Nur an einigen Stellen sind noch ein paar Blätter zu sehen. „Das sind Nottriebe. Sie zeugen vom Überlebenskampf des Baumes“, erklärt Holger Michel. Aber sie hätten keine Chance. Vor zwei, drei Jahren hätte es begonnen. Die Bäume trieben aus, aber schon im Sommer waren die Blätter braun. So lichteten sich die Kronen. Inzwischen ist der Bestand an der Badestelle am Sumpfsee nicht mehr zu retten. „Wir müssen die Bäume im Winter abnehmen. Da ist nichts mehr zu retten“, bedauert der Stadtförster.

Betroffen seien nicht nur ältere Bäume, sondern auch junge. Vor drei Jahren, so berichtet Michel, habe er die letzten Eschen im Wäldchen am Sumpfsee in Mischkultur dort gepflanzt, wo Kiefern umgefallen waren. „Das waren die letzten“, sagt der Stadtförster und hat nicht wirklich viele Alternativen. Dabei waren die Eschen ideal für den Standort mit dem seit Jahren wieder erhöhten Wasserstand im Bereich des Wäldchens und der Sumpfseewiesen. Er könne noch Erlen pflanzen. Etwas anderes ginge nicht. Besprochen habe er bereits mit dem Forstamt Güstrow an der Badestelle, dort wo die Eschen verschwinden, eine Waldrandbepflanzung zu realisieren.

Eigentlich wollte der Stadtförster immer nur ganz behutsam im Wäldchen am Sumpfsee, der keine forstwirtschaftlichen Nutzwert hat, sondern allein der Naherholung dienen kann, eingreifen. Auch wenn ein Eingriff fachlich begründet sei wie in diesem Fall, wisser er doch, dass viele Bürger es nicht akzeptieren werden. „Wir sind dabei immer die Verlierer“, bedauert Michel.

Wertvolle Mischbaumart in Buchenbeständen
Rund 100 Hektar Eschenbestände – ein großer Teil davon im Kritzkower Revier – sind reif für die Säge. „Im Land sind es mehrere Hundert Hektar“, betont Axel Stein. Für den Forstamtsleiter ist die Esche eine wertvolle Mischbaumart. Sie füllt mit einem Anteil von zehn bis 20 Prozent Buchenbestände auf und steht dort, wo es feucht ist, auch mal in Reinkultur. „Es gibt kein Mittel das Absterben aufzuhalten“, stellt der Forstamtsleiter fest. Selbst bei den Ursachen seien sich die Experten noch nicht einige. Stein kennt zwei Varianten. Die eine gehe davon aus, dass extreme klimatische Bedingung bei den Bäumen zu physiologischem Stress führen. Der so geschwächte Baum würde einem Pilz sein Zerstörungswerk erleichtern. Die zweite Theorie sieht die Ursache primär bei dem Pilz.

Das Forstamt, so Stein, habe auf die Situation derart reagiert, dass die Esche aus den Pflanzplänen verschwunden ist. Am 10. Oktober lädt das Forstamt alle 1200 Waldeigentümer in seinem Bereich um 17 Uhr in das Forstamt nach Güstrow zu einem Stammtisch ein. „Dort werden Fachleute über neueste Erkenntnisse zum Sterben der Esche berichten“, kündigt Stein an.

Letztendlich bliebe keine andere Wahl als die Säge anzusetzen und das so schnell wie möglich, um das Holz noch verwerten zu können. Esche wird gern in der Möbelindustrie genommen, auch für Paneele und Parkett, in mittlerer Qualität auch als Stiele für Gartengeräte und Äxte. Holger Michel aber kann froh sein, wenn er „seine“ Eschen noch als Industrieholz loswird.

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