Baumfällungen: Protest hält an - 350 Unterschriften übergeben

Umweltschützer kritisieren mit „Protestkreuzen“ die Baumfällungen. Fotos: Reinhard Klawitter
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Umweltschützer kritisieren mit „Protestkreuzen“ die Baumfällungen. Fotos: Reinhard Klawitter

Mit weißen „Protestkreuzen“ haben Umweltschützer Bäume im Schlossgarten markiert. Die Aktivisten des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) wollen damit ihre Kritik an den Baumfällaktionen verdeutlichen – und haben hunderte Schweriner auf ihrer Seite. Das Land bekräftigt dagegen die Notwendigkeit der Fällungen und verweist auf weitaus mehr Neupflanzungen.

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03. März 2008, 02:37 Uhr

Ostorf Timo Weber „Statt grüner Wiesen gibt es heute Schotterpisten und die ach so gelobten Neupflanzungen, die einem Soldatenfriedhof ähnlicher sehen als einer Parklandschaft. Jetzt fallen auch noch die wunderschönen Sumpfzypressen, Weiden, Erlen u. a. Bäume am Burgseeufer. Warum zählt in Schwerin ein Baumleben so wenig?“, fragt die Schwerinerin Marion Eichler. Sie steht nicht allein. 350 Unterschriften für den Erhalt der Bäume im Schlossgarten hat der BUND in der vergangenen Woche gesammelt und an den Landesbetrieb für Bau und Liegenschaften (BBL) übergeben.

„Am nächsten Tag wurden bereits Tatsachen geschaffen“, beklagt Jürgen Friedrich vom BUND. „Die Menschen, die bei uns anrufen, sind maßlos enttäuscht. Das Bürgervotum ist den Planern völlig egal.“ Er sei entsetzt über „das kaltschnäuzige Vorgehen“. Denkmalpflege orientiere sich hier willkürlich an Plänen des 18. Jahrhunderts und respektiert nicht die bisherige Entwicklung des Gartens, kritisiert der Baumschutzexperte die Fällung von 26 Ahornbäumen im Schlossgarten. „Bereits 400 Bäume wurden in den vergangenen zwei Jahren im Schlossgarten gefällt, weil sie angeblich den Vorstellungen früherer Gartenplaner nicht entsprechen. Mit dieser Argumentation müsste auch das Denkmal des Großherzogs Friedrich Franz II. aus dem Schlossgarten verschwinden, das zu dieser Zeit noch nicht vorhanden war.“

Auch das vom Land als Besitzer des Schlossgarten angeführte Argument, es wurden weitaus mehr Bäume neu gepflanzt als gefällt, will Jürgen Friedrich nicht gelten lassen. „Es macht einen großen Unterschied, ob schon Jahrzehnte gesunde und am Standort etablierte Bäume erhalten werden oder durch weit jüngere Bäume statistisch ersetzt werden. Altbäume haben weitaus positivere Effekte auf das Mikroklima der Stadt. Neupflanzungen haben hingegen wegen zahlreicher Umwelteinflüsse heute eine deutlich geringere Chance, gesund ein hohes Alter zu erreichen.“
Im Bauministerium, zu dem der BBL gehört, ist diese Kritik unverständlich. „Es werden keine gesunden Bäume gefällt“, sagt Ministeriumssprecher Ulrich Vetter. Es gäbe Genehmigungen der Denkmal- und der Naturschutzbehörde, die kranken Bäume zu fällen.

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