Arbeiter und Familie Stübbe reagierten umsichtig : Baum-Hummel-Volk in Laage gerettet

Frau Stübbe und eine Freundin mit dem alten Hornissenneslunglung (2)
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Frau Stübbe und eine Freundin mit dem alten Hornissenneslunglung (2)

Bei Bauarbeiten in Laage entdeckten Arbeiter im Dachbereich ein riesiges papierenes Nest, aus dem während ihrer Abrisstätigkeit angriffslustige Insekten ein- und ausflogen. Es handelte sich um Hummeln.

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26. August 2011, 07:37 Uhr

laage | Bienen, Wespen, Hummeln und auch Hornissen sind häufig ungebetene Gäste an Frühstückstisch und Kaffeetafel. Das gehört besonders auch in diesem Jahr wieder zum Alltag. Doch wenn sich ein Insektennest im alten Baum vor der Laube oder unter dem Dach des Eigenheims findet, sind die Aufregung und meist auch die Ratlosigkeit groß. Wie man sich in einem solchen Fall vorbildlich verhält, zeigt ein Fall als in Laage ein Hummelvolk erfolgreich umgesiedelt wurde.

Fotos bestätigten eine geschützte Art

Was war passiert? Kerstin Fiedler vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Güstrow dokumentierte die Rettung: Bei Bauarbeiten an einem Nebengebäude auf einem Grundstück in der Bahnhofstraße in Laage entdeckten Arbeiter im Dachbereich ein riesiges papierenes Nest, aus dem während ihrer Abrisstätigkeit angriffslustige Insekten eifrig ein- und ausflogen. Da sie aufgrund der Nestgröße der Ansicht waren, dass es sich um Hornissen handele, unterbrachen sie sofort die Bauarbeiten und baten die Grundstückseigentümer um Klärung des Problems. Familie Stübbe informierte das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung) Güstrow, weil sie vermutete, dass es sich bei den Insekten um eine geschützte Art handeln könnte. Mit Fotos war dort sofort klar, dass es sich um Hummeln handelte.

Umsichtiges Vorgehen bei der Umsiedlung

Wie alle heimischen Bienen und die Hornisse sind auch sämtliche in Deutschland vorkommenden Hummelarten gemäß Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Somit gelten die Regelungen des Bundesnaturschutzgesetzes, die besagen, dass es grundsätzlich verboten ist, besonders geschützte Arten zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre "Fortpflanzungs- oder Ruhestätten" (z. B. ihre Nester) zu beschädigen oder zu zerstören. Ausnahmen davon, d. h. auch die Abnahme oder Vernichtung des Nestes mitsamt seiner Bewohner, dürfen nur mit einer Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde - in Mecklenburg-Vorpommern ist dass das Lung in Güstrow - erfolgen (siehe Infokasten).

Weil Familie Stübbe verständlicherweise die bereits begonnene Umbaumaßnahme am Nebengebäude zügig und termingerecht beenden wollte und daher nicht auf das natürliche Absterben des Hummelvolkes im Spätsommer warten konnte, wollten die Fachleute eine Umsiedlung des Hummelvolkes versuchen. Ina Sakowski, Lung-Mitarbeiterin, und Christoph Kornmilch, Stechimmenspezialist, fanden schnell heraus, dass sich Baum-Hummeln einen Neststandort innerhalb eines sehr großen, nicht mehr bewohnten Hornissennestes gesucht hatten. Die relativ weit verbreitete Baum-Hummel baut ihre stets oberirdischen Nester relativ früh und wird von Spezialisten im Allgemeinen als nicht so friedlich wie andere Hummelarten eingeschätzt. Das erforderte bei der Umsiedlung und dem Herausschneiden des Hummelnestes ein umsichtiges Vorgehen. Innerhalb von 20 Minuten wurde die relativ kleine Behausung samt ihrer Bewohner entnommen und in einen Transportbehälter gelegt sowie die letzten, noch herumschwirrenden Hummel-Arbeiterinnen per Hand eingefangen. Anschließend wurde das Hummelvolk von Christoph Kornmilch an seinen Arbeitsort nach Greifswald gebracht, wo er es in einem speziellen Hummelkasten im Arboretum der Universität wieder ansiedelte.

Schon nach wenigen Tagen hatten sich die Tierchen an ihrem neuen Wohnort eingeflogen und waren sehr aktiv im neuen Heim. Um das respektable, alte Hornissennest für Anschauungs- und Schulungszwecke zu retten, wurde es vorsichtig von der Decke abgeschnitten und ebenfalls gerettet. Hierzu Dr. Harald Stegemann, Direktor des Lung: "Die erfolgreiche Umsiedlung des Hummelvolkes verdeutlicht eindrucksvoll, wie Bürger in ihrem Wohnumfeld Verantwortung für die Natur und ihre Lebewesen übernehmen können. Die Handlungsweise von Frau Stübbe und ihrer Familie ist wirklich sehr lobenswert, da sie sich mit ihrem Problem bereits sehr frühzeitig an eine Naturschutzbehörde gewandt haben und nicht sofort drastische (und womöglich ungesetzliche) Soforthilfe wie die Entfernung des Nestes betrieben haben. Wir wünschen uns mehr von solchen engagierten und interessierten Mitbürgern.

Hummelnest: Was muss und was wird getan?

Das Amt prüft zunächst, ob durch einfache (Schutz)Maßnahmen der Insektenstaat mit seinem Nest zu erhalten ist und die Störungen für den Bürger auf ein erträgliches Maß zu minimieren sind. Wenn dies nicht möglich ist, erfolgt eine fachgerechte Umsiedlung des Insektenvolkes durch einen Spezialisten. Nur im Ausnahmefall (Gefahr im Verzug, Insektenallergie einer Person) wird eine Vernichtung des Insektenstaates auf Antrag durch eine Fachfirma genehmigt. Glücklicherweise wird eine solche drastische Maßnahme nur in etwa zehn Prozent der jährlichen Problemfälle erforderlich. Sehr oft helfen den Bürgern (und den Insekten) ein klärendes Telefonat oder ein Spezialistenbesuch, um eine zufrieden stellende Lösung zu finden. Diese Beratung findet in der Regel kostenfrei statt.

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