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Lesertelefon : Bauherren profitieren vom Staat

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Experten standen Lesern gestern Rede und Antwort zum Thema Bauförderung: Ich möchte unser Haus energetisch sanieren. An wen kann ich mich wenden? Bekomme ich Fördermittel?

svz.de von
erstellt am 14.Apr.2011 | 08:42 Uhr

Ich möchte unser Haus energetisch sanieren. Mir ist im Vorfeld eine fachliche Beratung sehr wichtig. An wen kann ich mich wenden?

Eine anbieterunabhängige und kompetente Beratung erhalten Sie zum Beispiel über die Energieberatung der Verbraucherzentralen, aber auch über Architekten und Planer. Die Beratungen werden vom Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie finanziell unterstützt, sodass für Sie nur Kosten in Höhe von 5 Euro entstehen. Im Rahmen des Projektes "Fallmanagement vor Ort" ist eine Energieberatung auch zu Hause möglich. Der Förderbetrag beläuft sich auf 188 Euro, die Kosten für Sie betragen 45 Euro.

Ich möchte gern eine Thermografie von unserem Haus anfertigen lassen. Bekomme ich Fördermittel?

Wenden Sie sich hierzu an einen entsprechend ausgestatteten Energieberater. Für die Vor-Ort-Beratung erhalten Sie einen Zuschuss. Wenn eine thermografische Untersuchung eingebunden ist, erhalten Sie einen Bonus von 25 Euro pro Thermogram, höchstens aber 100 Euro.

Steigende Heizkosten lassen mich als Häuslebauer über Alternativen zum herkömmlichen Heizkessel mit Gas oder Öl nachdenken. Gibt es Fördermittel, um die Mehrkosten zu decken? Was muss ich beachten?

Am 15. März 2011 sind neue Förderrichtlinien aus einem Förderprogramm des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in Kraft getreten. Einige der Konditionen sind nur bis Jahresende befristet. Der Antrag muss beim Bafa bis 30. Dezember 2011 eingegangen sein. Zur Gewinnung erneuerbarer Energien wie z. B. durch Solarkollektorenanlagen, Wärmepumpen und Biomasseanlagen werden Investitionszuschüsse gezahlt. Informieren Sie sich hierzu bei einem Energieberater oder unter www.bafa.de. Das Bafa führt z.B. eine Liste förderfähiger Solarkollektoren und Solaranlagen sowie Biomasseanlagen. Erkundigen Sie sich bitte vor Beginn der Maßnahme, ob alle Voraussetzungen der Förderrichtlinie eingehalten werden. Spätestens sechs Monate nach Inbetriebnahme muss der Antrag gestellt werden. Im Rahmen des KfW-Programms Energieeffizient Sanieren erhalten Sie zum Beispiel auch zinsgünstige Darlehen und Tilgungszuschüsse.

Ich plane eine komplette Erneuerung der Heizungsanlage mit neuem Brennwertkessel und Bau einer Solarwärmeanlage. Kann ich dafür Fördermittel oder finanzielle Zuschüsse vom Staat nutzen?

Ja. Für Solarkollektoren beträgt die Basisförderung 120 Euro/m 2 bei Antragseingang bis zum 30. Dezember 2011, danach 90 Euro/m 2 . Die Kollektoren müssen zur kombinierten Warmwasserbereitung und Raumheizung genutzt werden. Wenn Sie Solarthermie plus Wärmepumpe oder plus Biomasse kombinieren, erhalten Sie bis zum Stichtag einen Bonus von 600 Euro, danach 500 Euro. Für Sie kommt außerdem der Kesseltauschbonus in Frage. Wenn Sie einen alten Kessel ohne Brennwertnutzung gegen ein neues Brennwertgerät austauschen und gleichzeitig, wie bei Ihnen geplant, eine Solarthermieanlage zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung installieren, erhalten Sie vorerst einen Bonus von 600 Euro, danach beträgt er 500 Euro. Der Bonus wird durch den Energieberater beim Bafa beantragt. Außerdem sollten Sie noch eine mögliche Förderung über die KfW prüfen.

Wie beantrage ich Fördergelder?

Bevor Sie mit den Maßnahmen starten, stimmen Sie sich mit einem Energieberater ab. Holen Sie sich auch baufachliche Hilfe, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale oder einem Bauplaner. Staatliche Förderungen werden in den meisten Fällen vor Beginn der Maßnahme gestellt. Die KfW-Zuschüsse ordern Sie über Ihre Hausbank. Zuschüsse des Bafa beantragen Sie über den Energieberater oder direkt beim Anbieter. Die Höhe der Förderung hängt vom Umfang und erreichten energetischen Standard ab. Außerdem lohnt es sich auch, bei seinem Landesförderinstitut nachzufragen, da auch diese für Neubauten und Bestandsbauten Förderprogramme auflegen.

Ich muss meine Heizung austauschen. Das wird etwa 10 000 Euro kosten. Ich habe gelesen, dass es dafür Zuschüsse von der KfW gibt, stimmt das?

Ja. Die KfW gewährt für den Einbau beispielsweise eines Gasbrennwertkessels einen Zuschuss in Höhe von 5 Prozent der Investitionskosten. In Ihrem Fall können Sie für den Austausch einen Zuschuss von 500 Euro erhalten.

Wir sind schon älter und möchten unser Haus energetisch modernisieren und auch gleich altersgerecht umbauen. Wir haben gehört, dass es jetzt auch für altersgerechte Modernisierungen KfW-Fördermittel gibt. Stimmt das?

Der vorausschauende und barrierereduzierende Umbau entsprechend der eigenen Bedürfnisse wird ebenfalls gefördert. Moderne Umrüstungen und bauliche Veränderungen, wie zum Beispiel die Verbreiterung der Türöffnungen, ein altersgerechter Badumbau oder auch ein barrierefreier Zugang ins Haus, können mit bis zu 50 000 Euro pro abgeschlossene Wohneinheit durch Darlehen aus dem Programm "Altersgerecht Umbauen" finanziert werden. Dieses Programm können nicht nur Hausbesitzer, sondern auch Mieter nutzen. Seit dem 1. Mai 2010 gibt es auch eine Zuschussvariante für Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern. Es werden bis zu 5 Prozent der förderfähigen Investitionskosten gefördert - maximal 2500 Euro pro Wohneinheit.

Wie hoch ist der finanzielle Vorteil durch das Programm Energieeffizient Sanieren?

Bei der Sanierung zum KfW-Effizienzhaus können die energetisch sinnvollen Maßnahmen durch ein Darlehen von bis zu 75 000 Euro je Wohneinheit gefördert werden und das zu einem äußerst günstigen Zinssatz. Hinzu kommt der automatisch gewährte Tilgungszuschuss, der bis zu 12,5 Prozent der Darlehenssumme, also bis zu 9375 Euro, ausmachen kann. Geld, welches Sie nicht zurückzahlen müssen. Alternativ gibt es für Eigentümer von Ein- oder Zweifamilienhäusern die Möglichkeit, statt des Darlehens einen Zuschuss zu beantragen, der bis zu 17,5 Prozent der förderfähigen Investitionskosten abdecken kann. Im besten Fall beträgt dieser Zuschuss 13 125 Euro je Wohneinheit.

Wenn ich in meinem Einfamilienhaus nur neue Fenster einbauen möchte und hierfür angesparte Eigenmittel einsetzen möchte, was kann ich hier von der KfW bekommen?

Aus dem Programm "Energieeffizient Sanieren - Investitionszuschuss" können Sie für den Austausch der Fenster einen Zuschuss von fünf Prozent der förderfähigen Investitionskosten, maximal 2500 Euro bekommen. Da wir in diesem Programm einen Mindestzuschussbetrag von 300 Euro haben, müssen mindestens 6000 Euro Investitionskosten anfallen. Wichtig ist, den Zuschussantrag vor Baubeginn bei der KfW direkt einzureichen. Formulare finden Sie unter kfw-zuschuss.de.

Werden Eigenleistungen gefördert?

Maßnahmen, die von Hobbyhandwerkern in Eigenleistungen durchgeführt werden, können nicht gefördert werden. In diesem Fall sind auch die Materialkosten nicht förderfähig. Voraussetzung für die Förderung der Maßnahmen ist deren Durchführung durch ein Fachunternehmen des Bauhandwerks.

Unsere Familie will ein Haus bauen oder kaufen. Nun überlegen wir, ob Wohn-Riester uns dabei nützt. Können Sie uns die Vorteile aufzeigen?

Wohn-Riester lässt sich für den Bau, den Kauf oder bei Renteneintritt zur Entschuldung einer selbst genutzten Immobilie nutzen. Die staatliche Förderung gibt es sowohl beim Sparen für die eigenen vier Wände als auch bei der Tilgung des Darlehens. Dabei gelten keine Einkommensgrenzen. Jeder Erwachsene bekommt bis zu 154 Euro Grundzulage pro Jahr. Für Kinder, solange sie kindergeldberechtigt sind, gibt es bis zu 185 Euro zusätzlich, für ab 2008 geborene Kinder 300 Euro. Um die volle Förderung zu erhalten, müssen inklusive Zulagen vier Prozent des sozialversicherungspflichtigen Brutto-Vorjahres einkommens in den Riestervertrag fließen (maximal 2100 Euro). Die Einzahlungen können zudem bei der Steuererklärung als Sonderausgabe geltend gemacht werden. Bezuschusst werden sowohl riesterzertifizierte Immobiliendarlehen als auch Bausparverträge. Bei Letzteren werden der Spar- und auch der Tilgungsbeitrag (nicht die Zinsen) gefördert. Wichtig für die optimale Finanzierung ist, sich mehrere Angebote einzuholen - sowohl mit als auch ohne Riesterförderung.

Wir haben zwei Kinder, eines ist erst 2009 geboren. Später möchten wir bauen. Ist für unsere Familie ein Bausparvertrag oder ein riestergeförderter Bausparvertrag besser?

Wenn Sie es sich leisten können, schließen Sie zwei Varianten von Bausparverträgen ab. Auf dem "normalen" Vertrag sparen Sie für Ihre Wunschimmobilie an und erhalten staatliche Förderungen wie Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmersparzulage. Für die Riesterförderung schließt jedes Elternteil einen riestergeförderten Bausparvertrag ab. Auf den fließen für Sie als Familie 793 Euro Riester-Förderung im Jahr, wenn pro Person der geforderte Eigenbeitrag von 4 Prozent des jährlichen Vorjahresbruttoeinkommens eingezahlt werden. Mit dieser Strategie können Sie die verschiedenen Zulagen ausschöpfen.

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