Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern : Bauern suchen neue Verbandsspitze

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Wahlkampf im Bauernverband: Die Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern suchen für ihren größten Interessenverband einen neuen Chef.

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18. Oktober 2011, 12:05 Uhr

Wahlkampf im Bauernverband: Die Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern suchen für ihren größten Interessenverband einen neuen Chef. Nach dreijähriger Wahlperiode wird beim Bauerntag im März 2012 eine neue Verbandsspitze gewählt. Vor den im Herbst beginnenden Bauernversammlungen in den 15 Kreisverbänden bringen sich jetzt die ersten Kandidaten in Stellung: Sowohl der bisherige Präsident Rainer Tietböhl (59) als auch seine Vize-Präsidenten Marco Gemballa aus Zinzow im Landkreis Vorpommern-Greifswald, Hans-Heinrich Rave aus Schlieven im Landkreis Ludwigslust-Parchim und Detlef Kurreck aus Körchow wollen sich bewerben, teilten die Bauern mit.

Er stehe für das Spitzenamt wieder zur Verfügung, kündigte Tietböhl jetzt erstmals eine erneute Kandidatur an. Der Landwirt aus Volksdorf im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte würde damit für eine dritte Amtszeit antreten. 2009 war Tietböhl mit 95 Prozent der Delegiertenstimmen gewählt worden. Er sehe den Verband gut aufgestellt, sagte Tietböhl. Noch vor drei Jahren hatte die Krise am Milchmarkt den Verband vor die Zerreißprobe gestellt. Aus Unzufriedenheit mit der Arbeit des Präsidiums hatten zahlreiche Landwirte dem Bauernverband den Rücken gekehrt. Der Streit sei beigelegt, meinte Tietböhl jetzt. Der Markt habe sich beruhigt. Kritiker hatten dem Verband vorgeworfen, sich zu wenig für die Milchviehhalter einzusetzen und den nicht kostendeckenden Milchpreis von damals etwa 17 Cent je Liter billigend in Kauf zu nehmen. Tietböhl hatte zwar zu Beginn seiner ersten Amtszeit angekündigt, die schwierige Lage der Milchbauern stärker in den Mittelpunkt der Verbandsarbeit zu rücken. 2009 musste es dann aber eingestehen, der Verband habe es versäumt, alle Milchbauern "mitzunehmen". Kritiker quittierten das Versäumnis mit Austritt. Tietböhl sieht indes den Streit als beigelegt. "Die Lage hat sich normalisiert." Er setze in der Auseinandersetzung auf "Diplomatie". "Das heißt nicht, dass wir nicht auch auf die Straße gehen", sagte Tietböhl.

Bislang wird kaum mit Veränderungen in der Führungsriege des Bauernverbandes gerechnet: Tietböhl erhält Rückendeckung von seinen Stellvertretern. Der komplette geschäftsführende Vorstand will sich erneut um einen Spitzenposten bewerben. Auch Vize Gemballa: "Bewährtes gibt man nicht so schnell auf", warb er der Landwirt für Unterstützung. Der Verband habe den Anspruch, Interessenvertreter aller Bauern zu sein. Allerdings sei es kaum möglich, es allen Recht zu machen. Dennoch habe der Verband viel erreicht. So sei den Landwirten beispielsweise auf Drängen des Verbandes bei den derzeitigen Koalitionsgesprächen zugesagt worden, dass EU-Vereinbarungen eins zu eins in nationales Recht umgesetzt würden und keine weiteren Auflagen verhängt würden, sagte Gemballa. Bei der Präsidiumsklausur im November wolle er seine Kandidatur offiziell erklären, sagte Verbands-Vize Rave.

Allerdings: Die Ruhe im Verband trügt. Sowohl unter den Milch- als auch die Schweinebauern macht sich erneut Unzufriedenheit breit. Und es wird in Kritikerkreisen dann doch eine erneute Kampfkandidatur nicht ausgeschlossen. 2009 war der Lützower Landwirt Georg Maas aus Lützow in Nordwestmecklenburg überraschend angetreten und hatte aus dem Stand knapp 40 Prozent der Stimmen erhalten. Die Unzufriedenheit unter den Milchbauern bleibe, meinte er. Verbandsvize Rave sieht die Konflikt beigelegt. Die Krise auf dem Milchmarkt habe den Verband 2009 vor einer Zerreißprobe gestellt. Doch: "Der Kampf ist geschlagen." Rave rechnet deshalb auch nicht mit einer erneuten Kampfkandidatur.

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