Bauern stoppen Milchlieferung - Protest gegen niedrige Milchpreise

Zahlreiche Milchbauern protestieren bundesweit mit dem Wegschütten der Tagesproduktion ihrer Kühe gegen die ihrer Meinung nach zu niedrigen Milchpreise. Foto: dpa
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Zahlreiche Milchbauern protestieren bundesweit mit dem Wegschütten der Tagesproduktion ihrer Kühe gegen die ihrer Meinung nach zu niedrigen Milchpreise. Foto: dpa

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27. Mai 2008, 07:19 Uhr

Schwerin/Upahl/Freising (dpa/mv) - Aus Protest gegen niedrige Milchpreise hat rund die Hälfte der Milchviehhalter in Mecklenburg-Vorpommern nach Verbandsschätzungen am Dienstag keine Milch an die Molkereien geliefert. Am unbefristeten Lieferboykott des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter beteiligten sich unter anderem Landwirte aus den Kreisen Müritz, Ludwigslust, Nordwestmecklenburg, Güstrow und Bad Doberan, wie Eckhard Meiners vom Milchviehhalter-Landesverband der dpa sagte. Er ging von 250 Betrieben aus, die sich dem Boykott bisher anschlossen. Die Molkereien rechneten zunächst nicht mit Auswirkungen für Verbraucher. 11


Am Abend versammelten sich mehrere hundert Milchbauern aus Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein vor der Hansa-Molkerei Upahl (Nordwestmecklenburg) zu einer Kundgebung für kostendeckende Erlöse aus der Milch. Meiners sagte, mit der Aktion sollen die Bauern überzeugt werden, die noch an der Wirksamkeit des Boykotts zweifeln. Die Molkereien sollen zu einem System gezwungen werden, das den Bauern dauerhaft ausreichende Milchpreise sichert. Sie wollten nicht länger ohnmächtig dem Monopol der Molkereien und des Handels gegenüberstehen. Gebraucht werde ein flexibles System, das es erlaube, die Milchmenge dem Verbrauch anzupassen, aber keine Quotenregelung.

Die Aktion hatte am Montag im bayerischen Freising, dem Hauptsitz des Verbandes, mit einer Protestaktion mehrerer tausend Bauern gegen die nach ihrer Auffassung zu niedrigen Preise für Milch begonnen. Der Verband, der nach eigenen Angaben bundesweit 30 000 Milchbauern vertritt, will einen Milchpreis von 40 Cent, statt bisher im Schnitt 27 Cent pro Liter Milch erreichen. Der Bauernverband im Nordosten rief seine Mitglieder nicht dazu auf, sich am Boykott zu beteiligen.

Die Milch soll nicht mehr ausgeliefert, sondern in den Betrieben verwertet werden. So könne sie beispielsweise an Kälber verfüttert oder weggekippt werden, sagte Meiners. „Kein Bauer kippt Milch freiwillig weg, das macht man nur, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht.“ Er wolle seine zehn Mitarbeiter auch angemessen bezahlen, was bei den derzeitigen Preise aber nicht gehe. Meiners betreibt in Horst bei Bützow einen Betrieb mit 400 Milchkühen, die täglich 11 000 Liter Milch geben.

Der Sprecher der Hansa-Molkerei, Roland Frölich, verteidigte die derzeitige Preispolitik. Eine geringe Angebotsmenge bei Milch im Herbst wirke sich ebenso preiserhöhend aus, wie eine höhere Angebotsmenge im Frühjahr preissenkend. „Mit 30 Cent pro Liter liegen wir drei Cent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums“, sagte Frölich. Generell richte sich die Aktion des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter eher gegen private Molkereien, die wie in Süddeutschland die Preise drücken wollten. Im Norden hätten die genossenschaftlich organisierten Molkereien andere Interessen.

Insgesamt sei gegenwärtig 20 Prozent mehr Milch auf dem Markt als vor einem Jahr. So hätten Bauern nach den höheren Preisen im Herbst zum Beispiel ältere Kühe, die sonst geschlachtet wurden, weiter in der Milchproduktion gelassen. Das zeige, dass hier ein Markt existiere, der nicht vom Handel reglementiert werde.

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