Bauern setzen auf Totalblockade

Der Kampf der Milchbauern spitzt sich zu. Zum gestrigen bundesweiten Aktionstag blockierten 180 Landwirte die Molkereien in MV – die bislang größte Aktion bundesweit. Tonnenweise Milch wird vernichtet. Mögliche Engpässe in den Lebensmittelregalen werden noch dementiert.

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02. Juni 2008, 07:47 Uhr

Schwerin/Upahl - Der Milchkrieg geht in die nächste Runde: Seit mittlerweile rund einer Woche liefert ein Teil der Milchbauern keine Milch mehr an die Molkereien. Auch gestern wurden die Blockaden von sechs Molkereien in Mecklenburg-Vorpommern fortgesetzt. Damit beteiligen sich die Bauern an einer bundesweiten Aktion und fordern mindestens 43 Cent pro Liter Milch, statt der derzeitigen 27 bis 35 Cent. Wie lange sich der Streik noch hinzieht, hängt von den Verhandlungen ab, die noch gestern zwischen den Molkereivertretern, dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) und dem Einzelhandels-Verband (EHV) stattfinden sollten.

Der Nordosten Deutschlands ist bundesweit mit am stärksten vom Boykott betroffen. Bis auf die Region Rügen kam die Milchproduktion im Nordosten fast vollständig zum Erliegen. Trotzdem betont der Handel, dass es derzeit noch zu keinen Engpässen kommen wird. Im Notfall könne sogar auf ausländische Milchlieferungen zurückgegriffen werden, erklärte der Einzelhandels-Verband Nord gestern gegenüber unserer Zeitung. Trotzdem wünsche man sich eine schnelle Einigung. Hamsterkäufen haben die Lebensmittelketten und -verbände bislang nicht beobachtet. Die Edeka-Gruppe meint, dass es nur punktuell zu vermehrten Milchkäufen komme. Prognosen für die kommenden Streiktage will man allerdings lieber nicht abgeben. Ähnlich wird die Situation von der Lebensmittelkette Real gesehen. Die Molkereiversorgung in den Filialen wird weiterhin als gut bezeichnet.

Doch die Blockaden haben Folgen: Nordmilch warnt vor der Vernichtung tausender Tonnen Milch. Die Ausweitung des punktuell durchgeführten Milch-Lieferstreiks zur Totalblockade nahezu aller Nordmilch-Werke habe den ursprünglich friedlichen Protest einiger hundert Landwirte in neue Dimensionen eskalieren lassen, teilte der Konzern gestern mit. In der Folge könnten auch lieferwillige Bauern ihre vollen Milchtanks nicht leeren und seien gezwungen, „gigantische Mengen frisch gemolkener Milch direkt in den Abfluss zu leiten.“

Bisher stießen die Landwirte auf weites Verständnis. Die bewusste Vernichtung von Milch sowie die gezielte Schädigung von Bauern, die nicht am Boykott teilnehmen, wird jedoch auf weniger Toleranz stoßen. „Wenn ein Landwirt nicht liefern will, hat er selbst die Einbußen – wenn Molkereien blockiert werden, werden auch andere geschädigt“, stellte Burghardt Otto, Geschäftsführer des Genossenschaftsverbandes Norddeutschland fest.

Das Bundeskartellamt prüft bereits die rechtliche Lage zum Boykottaufruf. Und die Molkerei in Upahl erstattete Anzeige wegen Nötigung und schweren Eingriffs in den Straßenverkehr, um sich gegen die Proteste zu wehren.

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