Bauern nehmen Handel ins Visier

Es kommt Bewegung in den Milchkampf: Die erste Molkerei gab nach und zahlt den Bauern jetzt 43 Cent je Liter. Der Discounter Lidl und der Einzelhandelskonzern REWE wollen die Verkaufspreise für Milch und Butter erhöhen. Die Landwirte protestieren dennoch weiter.

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05. Juni 2008, 06:30 Uhr

Berlin - Der Abschluss war nach harten Verhandlungen zwischen dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes (DBV) Gerd Sonnleitner und dem Lidl-Vorstand in Neckarsulm zustande gekommen. Der DBV forderte die anderen Einzelhandelskonzerne auf, den Verhandlungsabschluss zu übernehmen. Der Verband werde jetzt prüfen, was die Anhebung der Verkaufspreise für die Erzeugerpreise bedeutet. Sonnleitner sagte, letztlich habe das Zusammenstehen der Bauern über die unterschiedlichen Auffassungen zum Lieferstreik hinweg den Durchbruch bei den Milchpreisverhandlungen ermöglicht.

Parallel zu den Verhandlungen hatten die deutschen Milchbauern ihre Aktionen für höhere Milchpreise vor den Zentralen der deutschen Einzelhandelskonzerne am Mittwoch ausgeweitet. Schwerpunkte der Proteste waren neben Lidl Aldi in Essen und Mülheim an der Ruhr, Edeka in Hamburg und Norma in Fürth, wie der DBV mitteilte. Auch in Berlin soll heute protestiert werden. Der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM), der rund ein Drittel der Milcherzeuger vertritt, kündigte eine Großkundgebung vor dem Brandenburger an. Die Milchlieferungen an die Molkereien blieben bis auf wenige Ausnahmen ausgesetzt, betonte der Verband. Brandenburgs Landwirte rufen zu einem „milchfreien Donnerstag“ auf: Alle Erzeuger sollen aus Solidarität ihre komplette Milch zurückhalten.
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Auf Hilfe des Milchindustrieverbandes können die Bauern aber nicht hoffen. „Der Milchindustrieverband kann nicht über Preise verhandeln, das geht kartellrechtlich nicht“, sagte Geschäftsführer Eckhard Heuser. Jede einzelne der oftmals genossenschaftlich organisierten Molkereien zahle den Bauern das aus, was sie nach direkten Verhandlungen vom Handel bekomme.

Unterdessen wurden die Supermärkte wieder im üblichen Umfang beliefert. „Alle Geschäfte verfügen über ausreichend Molkereiprodukte, um die Kunden zu versorgen, teilte der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands HDE, Stefan Genth, mit.

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