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Kreisbauernverband Parchim : Bauern in Not: Preise für Fleisch im Keller

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An der Fleischtheke sehen Verbraucher keinen Unterschied, aber die Erzeugerpreise für Schweine sind innerhalb einer Woche abgestürzt. Verbraucher seien wegen des Dioxin-Skandals verunsichert.

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erstellt am 22.Jan.2011 | 09:58 Uhr

Betriebsleiter Peter Rosien von Gut Kob-row nennt 1,12 Euro gegenüber 1,35 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht in der Vorwoche.
"Ein Auf und Ab hat es immer gegeben, das glich sich übers Jahr meist wieder aus. Aber so ein tiefes Tal wie jetzt ist schwer zu verkraften", sagt Rosien. Um bei den jetzi gen Futterpreisen kostendeckend zu pro duzieren, wären mindestens 1,50 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht nötig, rechnet Rosien. Die in der folgenden Woche geltenden Preise werden eigentlich freitags festgelegt. Gestern zog sich die Prozedur endlos hin.

Verbraucher seien wegen des Dioxin-Skandals verunsichert, Exporte in Größenordnungen weggebrochen; dafür müsse nun der Landwirt bezahlen, obwohl nicht er der Verursacher sei, sondern einzelne Futtermittelhersteller, ärgert sich der Kobrower. Pro Woche liefert das Gut 250 bis 300 Schweine an Schlacht höfe in Perleberg und Weißenfels. Die Tiere länger im Stall zu halten, bis sich die Preise möglicherweise etwas erholt hätten, bringe gar nichts. Die Kosten würden ausufern, zumal die Schweine ihr Schlacht gewicht erreicht hätten. Auch werde der Platz für die nächsten Ferkel gebraucht.

Noch härter als das Gut Kobrow traf der Preissturz andere Schweinemastbetriebe im Landkreis Parchim. Bis zu 30 Prozent reiche der Verlust, das sei schon existenzbedrohlich, sagt Lutz Reinhardt, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Parchim und der Agrargenossenschaft Plauerhagen. Im kreislichen Mittel seien die Erzeugerpreise von 1,45 auf 1,12 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht gesunken.

Am Verbraucher scheint diese Irrfahrt völlig vorbeizugehen. Das bestätigt Sina Chaborski, Inhaberin des Fleischgeschäfts am Sternberger Markt. Sie habe beim Einkauf von Schweinefleisch etwa die gleichen Preise wie Anfang des Jahres vorgefunden. "Es waren bestenfalls wenige Cent Unterschied."

Die Auswirkungen auf die betroffenen Agrarbetriebe sind derzeit nicht absehbar. Nachdem es gerade positive Signale gegeben hatte, der Schweinebestand Ende 2010 bundes- wie landesweit um gut ein Prozent größer war als ein Jahr zuvor, müssen Landwirte jetzt um ihre Zukunft bangen. "Der rapide Preisverfall kann zu weiteren Veränderungen in der Struktur der Produzenten führen", meint Andreas Manz, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes in Nordwestmecklenburg. "In unserem Verband haben wir nur noch 22 Schweinehalter, ihre Zahl ist deutlich rückläufig. Das liegt daran, dass sich die Produk tion in immer weniger Betrieben konzentriert." Der Schweinemarkt sei noch nie subventioniert worden, die Marktkräfte würden hier zu 100 Prozent wirken, so Manz.

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