Bauern im Landkreis Ludwigslust zum Boykott entschlossen

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10. April 2008, 08:30 Uhr

Ortkrug - Es geht nicht mehr nur um den Preis für den Liter Milch, es geht um die Mengensteuerung, es geht um Augenhöhe bei den Verhandlungen mit den Molkereien und Lebensmittelketten. Die Zusammenkunft der organisierten und offenkundig streikentschlossenen Milchviehbauern in Ortkrug diente im Prinzip einer Frage. Soll gestreikt werden? Eine klare Antwort darauf durfte es am Abend aus Gründen des Datenschutzes nicht geben. Doch nach der Diskussion ist eigentlich klar, dass es den Boykott der Milchlieferanten wohl geben wird.

Schon in den nächsten Tagen könnte aus der bisherigen Drohung Realität werden, die im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) organisierten Bauern sind zu allem entschlossen. Denn während der Bürger noch über die gestiegenen Preise für Milchprodukte den Kopf schüttelt, kommt bei den Erzeugern vom vermeintlichen Geldsegen nichts an. Im Gegenteil, aktuell fallen die Preise unter die 30-Cent-Marke. Dafür kann angesichts der Kosten, die für die Bauern dramatisch gestiegen sind, niemand mehr produzieren.

Klare Forderung an die Molkereien, die 43 Cent pro Liter müssen stehen und zwar langfristig. Zugleich wollen die Milchbauern ein Abkommen erreichen, um die Menge zu regulieren. „Wir würden alle bei garantierten Preisen gern verdoppeln, doch das geht nicht. Wir brauchen auch eine Übereinkunft zu den Übermengen“, erklärte Walter Peters, Milchbauer aus Körchow und einer der Aktivsten des BDM im Landkreis. Kreisweit kommt der Bund mit seinen Mitgliedern auf gut 40 Prozent der Milchmenge. Selbst wenn nur 80 Prozent der Mitglieder beim Streik mitmachen, würden dem Markt gut 30 Prozent der Milchmenge fehlen.

Das werde sich, so die Überzeugung der Landwirte, schon in wenigen Tagen auswirken. Allerdings gab es auch Bedenken. Nicht wenige befürchten, dass beim Boykott nicht alle mitmachen würden, dass die Molkereien mit Druck arbeiten und einige Bauern einknicken würden. Auf diese Argumente waren die Organisatoren vom Milchviehhalterbund vorbereitet. Pro Streiktag und Liter Milch kämen auf die Aktiven Kosten von 0,1 Cent zu. Angesichts des realistischen Kampfzieles sei der Streik einfach als notwendige Betriebsinvestition zu sehen. Wichtig sei nur, das man zusammenhalte und endlich etwas tue. Sonst werde man immer am Ende der Preiskette stehen.

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