Bauern heizen mit Milch

Willie und Anne Landmann heizen mit Milch. Die 400 Kühe im Stall der Landmanns sind wahre Energiebündel. Nicht nur, dass sie täglich rund 10 000 Liter Milch geben, diese sind auch noch wohl temperiert. Die Landmanns machen sich die Abwärme zunutze.

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23. April 2008, 05:43 Uhr

Göldenitz - Mit etwa 38 Grad Celsius kommt die Milch aus dem Euter und muss schnellstmöglich auf vier bis sieben Grad heruntergekühlt werden. Das unter anderem mittels Kühltank. „Der funktioniert wie ein Kühlschrank“, sagt Anne Landmann.
Der 38-jährige Landwirt betreibt seit 2005 zusammen mit seiner Frau einen Landwirtschaftsbetrieb in Göldenitz. Beide stammen aus den Niederlanden. Anne ist dort ein gängiger Männer-Vorname, sorgt in Deutschland aber immer mal wieder für Verwirrung. „Er wird Oane gesprochen“, sagt Willie. Auch ihr Name hat eine kurze Erklärung nötig. Willie ist die Abkürzung für Willemijntje.
Doch zurück zu den deutschen Energiebündeln im Stall der Landmanns. Die Mitarbeiter melken zweimal täglich die Schwarz-Bunten. Die Milch wird mit Brunnenwasser über einen Plattenkühler vorgekühlt und kommt dann mit etwa 22 Grad Celsius in den Kühltank. Elektrische Energie ist nötig, um das weiße Gold dort weiter abzukühlen. Dabei erwärmt sich das Kühlmittel. „In einem Kühlschrank würde warme Luft rauskommen“, erläutert Anne Landmann. Der Bauer jedoch erwärmt damit wiederum Wasser. „Bis zu 65 Grad sind möglich“, sagt Landmann. Das warme Wasser dient im Landwirtschaftsbetrieb unter anderem zum Anmischen des Futters und zum Reinigen. „Viele Milchbetriebe machen das so“, sagt der Niederländer. Er entschied sich, damit auch sein Haus zu heizen.
Am 1. April sind die Landmanns in den Neubau eingezogen. Er steht etwa 160 Meter vom Stall entfernt. Unter der Erde führen Thermo-Rohre von der Milchviehanlage zum Haus. „Ursprünglich wollten wir mit Gas heizen, hier gibt es aber keine Leitung. Dann dachten wir über Erdwärme nach“, erzählt Willie Landmann. Ihr Mann hatte dann die Idee mit der Milch. Denn den Strom für die Kühlung verbrauche er sowieso. Warum also noch einmal Elektro-Energie aufwenden, um die Wärmepumpe für eine Erdwärme-Anlage zu betreiben? Als Vorbild diente eine ähnliche Anlage des Landwirts Eckhard Meiners in Horst.
„Wie gut das mit der Milch funktioniert, sehen wir erst im nächsten Winter“, sagt Anne Landmann. Notfalls müsse man an frostigen Tagen auf den Plattenkühler verzichten, sprich: die 38 Grad warme Milch in den Kühltank schicken. Je mehr der kühlen muss, umso mehr Abwärme entsteht, wird aber auch mehr Strom verbraucht.
Anne Landmann hat ausgerechnet, dass 3000 Liter Milch am Tag nötig sind, also 100 bis 150 Kühe, um ein Einfamilienhaus wie das seine zu heizen. „Dann habe ich aber noch kein Warmwasser für den Stall“, sagt der Göldenitzer.
In dem kleinen Ortsteil von Rukieten verwirklichen die Landmanns ihren Traum vom eigenen Hof. Vor über zehn Jahren kamen sie nach Mecklenburg. Ihre drei Kinder – Wilma (11 Jahre), Kees (9) und Annette (6) – sind hier geboren. Zuletzt waren Anne und Willie Landmann Betriebsleiter auf dem ehemaligen Gut in Hohen Luckow. Dass sie in Mecklenburg viel mehr Möglichkeiten haben als in der Heimat, war beiden lange vorher klar. „Zu Hause ist alles voll, das Land teurer. Holland ist so groß wie Mecklenburg und hat 18 Millionen Einwohner“, sagt die 38-jährige Bauersfrau.
Die Milch wird in Göldenitz immer abends abgefahren, dann kommt sie mit dem Transporter ein einziges Mal direkt am warmen Häuschen der Landmanns vorbei. Mit der Heizungsanlage gibt es ansonsten keine Berührungen. Die Milch wird behandelt wie immer und schmeckt lecker.

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