Bauern beenden Blockaden

Nach stundenlangen Verhandlungen haben protestierende Milchbauern gestern die Blockaden von Molkereien in Mecklenburg-Vorpommern beendet. Der seit einer Woche dauernde Milch-Lieferboykott soll aber anhalten, wie der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) mitteilte. Bundesweit gibt es inzwischen leere Regale in den Supermärkten.

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03. Juni 2008, 10:59 Uhr

Schwerin/Berlin - Fortsetzung vor Gericht Bauern sowie Vertreter des Milchindustrieverbandes hatten sich in der Nacht zu gestern unter Vermittlung von Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) und Innenminister Lorenz Caffier (CDU) darauf verständigt, dass die Blockade der Molkereien bis zum Mittag beendet werden sollte. Die Landwirte forderten im Gegenzug von den Molkereien, dass auf Klagen und Schadenersatzforderungen verzichtet wird. Ein Milchverarbeiter kündigte jedoch bereits rechtliche Schritte gegen die Organisatoren der Blockade in Altentreptow (Landkreis Demmin) an. Zu Lasten lieferwilliger Landwirte seien Schäden in Millionenhöhe durch Ausfall von Produktion und nicht erfüllbare Lieferungen an den Handel entstanden, hieß es.

Freie Fahrt in Upahl
Nach zweieinhalb Tagen gaben die Milchbauern gestern Mittag auch die Blockade der Hansano-Molkerei in Upahl (Landkreis Nordwestmecklenburg) auf. Die Polizei hatte sich bereits auf eine Zwangsräumung vorbereitet. Als auch der letzte Schlepperfahrer um 12.59 Uhr die Zufahrt zur Molkerei freigegeben hatte, rollten Minuten später die ersten Milchtanker auf das Werksgelände. Den Lieferstopp wollen die Landwirte hier aber ebenfalls fortsetzen. Nach Angaben der Polizei waren bis zum Nachmittag auch die teils tagelang blockierten Zufahrten in Wismar, Waren, Dargun und Altentreptow wieder freigegeben worden.

Späte Aufgabe in Hagenow
Zuletzt zogen sich gestern gegen 16 Uhr die Protestteilnehmer in Hagenow vom Werkstor von Danone zurück. Die Blockade hatte vier Tage lang gedauert. Der Rückzug erfolgte allerdings erst, als die Bereitschaftspolizei vor der Molkerei Stellung bezog. „Wir beugen uns der Staatsgewalt und ziehen die Traktoren ab“, sagte schließlich Peter Guhl, der zu den Wortführern der Milchviehhalter in der Region gehört.

Leere Regale in Deutschland
Den Boykott der Milchbauern haben die deutschen Verbraucher gestern zum ersten Mal auch in den Kühlregalen gespürt. In einigen Supermärkten wurde die Milch knapp. „Es steht nicht mehr in jedem Markt und in jeder Region das volle Sortiment an Milchprodukten zur Verfügung. Wie sich die Situation weiter entwickelt, können wir nicht vorhersagen“, sagte Alexander Lüders, Sprecher des größten deutschen Lebensmittel-Einzelhändlers Edeka. Der Süden Deutschlands sei stärker betroffen als der Norden. Auch in einigen Läden des drittgrößten deutschen Discounters Plus gab es Engpässe, bestätigte eine Sprecherin der Tengelmann-Tochter. Konkurrent Aldi Süd bestätigte ebenfalls erste Engpässe bei der Belieferung einzelner Filialen mit Milchprodukten. Aldi Süd sei bestrebt, entstehende Unannehmlichkeiten für die Kunden so gering wie möglich zu halten, hieß es in einer in Mülheim/Ruhr verbreiteten Stellungnahme. Das eigenständige Schwesterunternehmen Aldi Nord in Essen war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Handelskette Globus rechnet spätestens vom kommenden Montag an mit Versorgungslücken.Schweizer Bauern erfolgreichFür die Schweizer Milchproduzenten hat sich der Lieferboykott im Streit um höhere Preise ausgezahlt. Sie erhalten ab 1. Juli sechs Rappen (fast vier Cent) mehr pro Kilo Milch. Auf diese Erhöhung einigten sich gestern Produzenten und Erzeuger nach langen Verhandlungen. Der vereinbarte Preis sei für sechs Monate festgelegt, teilten die Produzenten mit. Bisher lag der Durchschnittspreis bei 70 Rappen pro Liter Milch. Die Produzenten hatten eine Erhöhung um zehn Rappen gefordert. An dem Milchboykott hatten sich am Montag etwa 10 000 der 27 000 Milchbauern in der Schweiz beteiligt.

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