Baubeginn unbestimmt

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24. April 2008, 08:12 Uhr

Schwerin - In drei Jahren soll die Ostseepipeline erstes Erdgas liefern und über Lubmin ganz Europa mit russischem Gas versorgen. Im nahen Mukran lässt die französische Firma Eupec bereits die Bagger anrücken, um die Lagerung und Fertigung der Stahlrohre vorzubereiten. Auch in Lubmin lagern schon 42 Kilometer Rohre, die das Gas mit der Anbindeleitung Opal bis ins sächsische Olbernhau führen soll. Im 20 Kilometer entfernt liegenden Moeckow steckt der Energiekonzern EWE bereits das Terrain für riesige unterirdische Gasspeicher ab. Nur für das Herzstück der Energietrasse – die 1200 Kilometer lange Pipeline des russisch-deutschen Konsortiums Nord Stream – ist der Baubeginn noch unbestimmt. Drei Jahre nachdem Alt-Kanzler Schröder und Russlands Präsident Putin das Projekt besiegelten, guckt die Region in die Röhre.

Bislang gebe es keine einzige Genehmigung, musste Nord-Stream-Sprecher Jens Müller eingestehen. Entsprechende Anträge würden erst in den kommenden Monaten gestellt. Während für die Opal-Leitung die Raumordungsplanung erfolgt sei und noch 2008 mit einer Entscheidung zum Planfeststellungsverfahren zu rechnen sei, die Planungen für eine weitere Pipeline nach Bremen auf einem „guten Weg“ sei, gebe es für die Ostseepipeline nur Vorabstimmungen, teilten Umwelt- und Raumordnungsminsterium mit.

Doch auch wenn in allen Anrainerstaaten Proteste gegen das Projekt laut werden, Umweltschützer vor Verunreinigungen der Ostsee und Beeinträchtigungen des Meeresgrundes fürchten, Nord-Stream-Sprecher Jens Müller nimmt es gelassen: „Es gibt keine Zweifel, dass das Projekt umgesetzt wird.“ Die Pipeline sei aus ökologischer, technischer und finanzieller Sicht die beste Lösung. Inzwischen stellt sich Nord Stream auf ein längeres Genehmigungsverfahren ein. Vorsorglich sei ein zweites Verlegeschiff geordert worden. Damit könnten acht statt bisher vier Kilometer Trasse am Tag verlegt werden – Bauzeit: deutlich weniger als ein Jahr. Fünf Schiffe würden derzeit nach alternativen Routenvarianten suchen, sagte Müller. 100 Millionen Euro seien in das Projekt geflossen, eine Million Tonnen Stahl für den ersten Trassenstrang bestellt. Jetzt setze Nord Stream auf „umfassende Untersuchungen und den Dialog mit den betroffenen Ländern“, um das Projekt im anvisierten Zeitraum umzusetzen.

BUND und das Institut der Deutschen Wirtschaft (DIW) in Berlin können die Zuversicht kaum teilen. Das Projekt sei „äußerst kritisch“, meinte BUND-Landeschefin Corinna Cwielag gestern. Es sei zu befürchten, dass mit den angeschobenen Investitionen an Land Tatsachen geschaffen werden sollen, um im Genehmigungsverfahren Druck ausüben zu können. Auch bei DIW-Expertin Claudia Kemfert stößt der Trassenverlauf auf „höchste Skepsis“. Man müsse überdenken, „ob es sinnvoll ist, dieses teure Projekt in Angriff zu nehmen“, sagte sie gestern.

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