Bauausschuss will Bulldozer aufhalten

Im Oktober müssen sie raus. Eine Handvoll Mieter der WG Warnow sträuben sich noch gegen den geplanten Abriss im Kolumbusring 43 bis 45. Jetzt bekommen sie die Unterstützung des städtischen Bauausschusses, der die Lücke im Bild des Stadtteils verhindern will.

von
14. Mai 2008, 08:22 Uhr

Rostock - Für Hannelore und Horst Grams steht fest: Sie leben schon seit 1978 im Kolumbusring 43 und sie bleiben hier, solange es noch irgendwie geht. Eine von dem Rentnerpaar eingeleitete Unterschriftensammlung gegen den geplanten Abriss durch ihre Vermieter, die WG Warnow, hatte im vergangenen Jahr zwar wenig Erfolg. Nun sind sie die letzten Mieter in den beiden Blocks. Doch jetzt gibt es einen Silberstreifen am Horizont. Auch der Bauausschuss der Stadt will den Abriss verhindern – zwar nicht wegen der Mieter, aber um die hässliche Lücke im Kolumbusring zu verhindern, in der auf mehreren Hundert Metern Block an Block steht.

Durch den geplanten Abriss entstehe ein Loch in der markanten Stadtteilkante Schmarls, warnt auch Chefstadtplaner Christoph Weinhold. Dies sei aus städtebaulicher Sicht nicht vertretbar. Weinhold befürchtet, dass Schmarl zu einem Präzedenzfall werden könnte und Rostock die Entwicklung zu einer „perforierten Stadt“ nimmt: „Solche Fälle wird es in Zukunft öfter geben.“

Land fördert Abriss großzügig
Und das kann die Stadt häufig nicht einmal verhindern. „Selbst wenn wir Genehmigungsbehörde wären, könnten wir wenig unternehmen“, sagt Bauamtsleiterin Ines Gründel. Hintergrund: 2002 hatte die Bürgerschaft einen Beschluss zum „Integrierten Stadtentwicklungskonzept“ gefällt, der auch ein Rückbauprogramm einschließt. Bis 2009 sollen 2500 Wohneinheiten in Rostock verschwinden. Übrigens mit 50 bis 60 Euro Prämie pro Quadratmeter großzügig gefördert durch das Land. Etwa 1500 dieser Wohneinheiten sind bereits abgerissen. Meistens wenig problematisch. Manchmal ist im Anschluss auch etwas Neues entstanden, wie zum Beispiel im Ahornhof. Die WG Warnow, die bereits im Juli 2007 eine Abbruchgenehmigung des Landes erhalten hat, will jetzt bis Jahresfrist die beiden Blocks im Kolumbusring abreißen.
Der Bauausschuss hängt sich nun an einen Strohhalm, um diese zu verhindern. Die Verwaltung solle prüfen, ob die Stadt beide Blocks nicht zu einem symbolischen Preis kaufen und gegebenenfalls weitervermarkten könne. Das wäre eine gute Variante, hofft Ortsbeiratsvorsitzender Dietmar Droese, der sich ein Loch in der für Schmarl so typischen Bebauung nicht vorstellen kann.
Hartmut Kressin, Vorstand der WG Warnow, hat Verständnis für das Anliegen der Schmarler, verweist aber auf die hohe Leerstandsquote und wirtschaftlichen Zwänge. „Aus unserer Sicht ist ein Erhalt ausgeschlossen.“ Ein Rück- oder Umbau käme den Mietern teuer zu stehen. Auch ein Ankauf durch die Stadt wäre keine echte Option. Fazit: Noch in diesem Jahr werden wohl die Bulldozer kommen.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen