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24. September 2017 | 10:45 Uhr

Barocke Malerei hinter Ziegeln

vom

svz.de von
erstellt am 07.Jun.2010 | 08:25 Uhr

Stadtmitte | Bei Arbeiten an den Wänden im Barocksaal ist Restaurator Jörg Schröder nach dem Abtragen von Ziegeln einer Nische auf einen wertvollen historischen Fund gestoßen: Bisher unsichtbar für alle fand sich dort eine barocke Malerei von 1714 auf den Steinen der Wand vom angrenzenden Herzoglichen Palais Schwaansche Straße. Die Errichtung des Prachtbaus gab Herzog Carl Leopold von Mecklenburg-Schwerin in dem Jahr für sich als Regierungssitz in Auftrag. Die Wandmalerei war verdeckt, da sein Nachfolger Herzog Christian Ludwig den Bau des Barocksaales bei Architekt Jean Laurent Legaey als kleines Komödienhaus veranlasste. Und der schloss sich an das vorhandene Palais an.

"Diese illusionistische Graumalerei auf der Wand des Herzoglichen Palais zeigt ein Fenster mit einem Feston aus Palmwedeln", sagt der 39-Jährige. Diese Entdeckung ist nicht nur für den Restaurator selbst äußerst spannend, sondern auch aus stadtgeschichtlicher Sicht. Durch die Entdeckung wird besser nachvollziehbar, wie dieser Platz in Rostock mit dem Palais ausgesehen haben muss. "Das Fenster stand ja nicht für sich allein, wahrscheinlich ist die gesamte Palais-Wand auf diese Weise gestaltet gewesen. Also war es auch platzdominierend, also gestalterisch das wichtigste Gebäude am Areal", vermutet Schröder, der auch ein Gutachten zum Barocksaal erarbeitet hat. "Aber davon gibt es kaum Ansichten", so Schröder. Das zweigeschossige Gebäude entstand nach Plänen des französischen Architekten als erste stationäre Theaterstätte für Rostock. Die Grisaille-Technik, wie die Graumalerei bezeichnet wird, bedient sich ausschließlich der Farbtöne Grau, Weiß und Schwarz. "Es gibt so etwas Ähnliches noch beim Haus der Kirche in Güstrow", so Schröder.

Der Wermutstropfen am Rande dieser restauratorischen Sternstunde: "Wenn das Bild grob und fein gereinigt sowie konserviert ist, wird es mit einem Spezialpapier abgeklebt. Und dann kommen Steine davor", sagt Schröder. Auf diese Weise ist dem konservatorischem Gedanken Rechnung getragen worden, gleichzeitig bildet der Saal nach der Restaurierung eine Einheit. Im Vorfeld der Arbeiten hatte Sigrid Hecht, Leiterin des Eigenbetriebes Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung, bereits damit gerechnet, dass bei der Renovierung Relikte aus alter Zeit auftauchen. Da in dem Bereich des wieder entdeckten Wandbildes aber Lüftungsinsstallationen verlaufen sollen, ist es auch nicht möglich, eine Lösung zu finden, bei der das Bild sichtbar bleibt. "Außerdem geht es beim Festsaal um das einheitliche Erscheinungsbild", so Schröder. Die Stuckelemente und -girlanden sind demontiert und zur Restaurierung bei einer Spezialfirma, die die Schäden beseitigt und die schmückenden Teile aufarbeitet.

Die Renovierung des Barocksaales erfolgt in zwei Teilen. 1,3 Millionen Euro für das Projekt stammen aus dem Konjunkturpaket II mit dem Schwerpunkt "Infrastruktur". Hinzu kommen Eigenmittel der Stadt. Die Gesamtmaßnahme kostet 1,8 Millionen Euro. Das Vorhaben umfasst die energetische Sanierung und die Grundinstandsetzung. Die schließt einen verbesserten Schallschutz für den Saal ein, um den Dauerkonflikt zwischen den Betreibern des Weihnachtsmarktes sowie Veranstaltern klassischer Konzerte zu beenden.

Vor dem konservierten barocken Bild verlaufen später Lüftungsinstallationen. "Auch wenn es nicht zu sehen sein wird - haben wir es für die Nachwelt erhalten und neue Erkenntnisse über die Stadtgestaltung im 18. Jahrhundert gewonnen", sagt Schröder.

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