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Klassische Moderne in der Schweriner Galerie Berger : Barlach zu moderaten Preisen

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Wo kann man in Schwerin Kunst erwerben? Wir sehen die Angebote der heimischen Künstler in ihren ausgebauten Altstadtläden - aber wo ist die Kunstgeschichte des Nordens?

Wo kann man in Schwerin Kunst erwerben? Die sonderbaren Dinge im Tapetengeschäft beiseite lassend, sehen wir die Angebote der heimischen Künstler in ihren ausgebauten Altstadtläden - aber wo ist die Kunstgeschichte des Nordens, soweit davon noch etwas angeboten werden kann? Da ist manche Galerie - am Pfaffenteich, am Dom, in der Mecklenburgstraße - nicht von Dauer gewesen.

Aber wir haben das Auktionshaus am Markt mit einer erstaunlichen Fülle aus bürgerlichen Nachlässen. Und wir haben die Galerie Berger in der Nähe des Bahnhofs, wo mit Bedacht bildende Kunst aus Gegenwart und jüngerer Vergangenheit zu vernünftigen Preisen dargeboten wird.

Und jetzt - nach einem Jahr zum zweiten Mal und dank der Zusammenarbeit mit einer Lübecker Galerie - eine erstaunliche Auswahl aus der klassischen Moderne. Ein durchaus problematischer, allzu undeutlicher Begriff und hier mit vollem Recht weit gefasst, das heißt, die Auswirkungen bis ans Ende des 20. Jahrhundert einbeziehend.

Wie vieles sich unter diesen Schirm bringen lässt, zeigen schon die alphabetischen Eckpunkte: von A wie Archipenko bis Z wie Zille; unterschiedlicher können Bilder wohl kaum sein. Doch der Glanz in dieser Kollektion aus 61 Grafiken und sechs Plastiken geht von Ernst Barlach und A. Paul Weber aus. Die Orte ihres Schaffens, Güstrow und Ratzeburg, verleihen ihr zugleich eine norddeutsche Ansässigkeit.

Höchst bemerkenswerte Lithografien aus Barlachs Zyklus zu seinem Drama "Der arme Vetter" (1919) und zu seinem Spiel "Der Findling" (1921) sind aneinandergereiht. Und unter den sechs Nachgüssen von Bronzen sind doch tatsächlich "Der Buchleser", "Der singende Mann" und "Das Wiedersehen".

Dem Menschenschilderer Barlach zur Seite steht der Spötter Weber, der in seinen Lithos Verhaltensweisen mit bösem Witz beim Wort nimmt. Das ist, wie man leicht erkennt, noch immer gültig.

Kleine Blätter von Corinth, Slevogt, Heckel, Beckmann fehlen nicht. Hinzuweisen wäre allerdings noch auf Meister einer Kunst des Farbholzschnitts, wie sie sich in Westdeutschland in der Folge etwa auf HAP Grieshaber entwickelt hat: Werner Persy in Trier und Alfred Pohl in Göttingen.

Die Preise sind moderat. Manches würde in München das Doppelte, in London das Dreifache kosten. Die Barlach-Nachgüsse zwischen 1480 und 1980 Euro. Für die substantielle Wirkung eines Bildes mag es unerheblich sein, ob es signiert ist oder nicht; der Sammler sieht das anders: Die eigenhändige Unterschrift des Künstlers strahlt die Aura der Authentizität aus. So erklärt sich der Unterschied in den Preisen.

Ein so starkes Blatt wie "Die Lauscherin" aus der Folge zum "Armen Vetter" unsigniert ist für 200 Euro zu haben, während für die Lithographie zu Goethes Gedicht "Die wandelnde Glocke", in der Güstrows Kirchtürme erkennbar sind, mit Barlachs Bleistift-Unterschrift 1400 Euro zu zahlen waren. Waren - das Blatt ist bereits verkauft.

Mit Umsicht sind die nächsten Ausstellungen vereinbart. Ab Mitte Juli gibt es Malerei und Grafik von Antje Fretwurst-Colberg (Dändorf/Fischland), gefolgt von Friedrich-Wilhelm Fretwurst und zum Jahresende von drei Neubrandenburgern.

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erstellt am 29.Jun.2011 | 11:53 Uhr

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