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12. Dezember 2017 | 03:53 Uhr

Banges Warten auf die Warthe

vom

svz.de von
erstellt am 30.Mai.2010 | 09:17 Uhr

Frankfurt | Im Kampf gegen das Hochwasser der Oder atmen die mehr als 1100 Helfer vorsichtig auf: Die Lage am Grenzfluss zu Polen war gestern stabil, im südlichen Brandenburg fielen die Wasserpegel. Der Scheitel der Flut verlagerte sich ins nördliche Brandenburg, wo der höchste Stand bei Kienitz im Oderbruch gemessen wurde. Sorgen machten den Experten nun die Wassermassen der Warthe in Polen. Der Scheitel des Flusses trifft in ein paar Tagen auf das Oder-Hochwasser im polnischen Kostrzyn, teilte das Hochwassermeldezentrum in Frankfurt (Oder) mit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lobte bei einem Besuch in der Hochwasserregion am Samstag den Einsatz der Helfer und den Bau neuer Deiche entlang der Oder. Die Bemühungen seit der verheerenden Flut 1997, Deiche und Infrastruktur zu verbessern, hätten sich "unglaublich" ausgezahlt. Die Zusammenarbeit mit den ebenfalls vom Hochwasser betroffenen Polen beeindrucke sie. "Hier gibt es ein ganz enges Miteinander." Im Nachbarland forderte die Flut schon mehr als 20 Tote.

Platzeck verteidigt Polen

Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) inspizierte gestern einen Deich in der Nähe von Küstrin-Kietz (Märkisch-Oderland). Dieser Landstrich mit seinen rund 15 000 Einwohnern sei der schwierigste Punkt. "Wenn etwas bricht, würde das Oderbruch wie eine Badewanne volllaufen."

Schäden an Deichen seien bei Criewen in der Uckermark und bei Neuranft im Oderbruch aufgetreten, wie der Präsident des Brandenburger Landesumweltamtes, Matthias Freude. "Das ist nicht dramatisch", betonte er. "Das ganze illustriert aber, dass wir Höchstwasserstände haben. Es bleibt spannend bis zum Schluss." Ein mehrere Meter langer Riss im Deich bei Criewen liege in einem Abschnitt, der derzeit saniert werde. Am Deich bei Neuranft sei ein Stück Böschung abgerutscht. Beide Schäden würden repariert.

Gestern gab es erneut Gespräche zwischen deutschen und polnischen Vertretern über die Lage an der Warthe. Wenn der Scheitel des Flusses in den nächsten Tagen auf das Oder- Hochwasser trifft, wird sich die Lage vermutlich nicht verschärfen, da die Scheitel beider Flüsse nicht zusammenprallen, wie Hydrologe Matthias Hummel vom Hochwassermeldezentrum erläuterte. "Wenn sie zusammengeflossen wären, das wäre kein Spaß gewesen", sagte der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude. Sollte auf polnischer Seite ein Deich brechen, würde sich das nach Angaben von Experten bis hinunter nach Frankfurt (Oder) und Slubice auswirken. Platzeck verteidigte die Polen, weil sie mehr Geld und Zeit in die Sanierung von Deichen stecken müssten. "Wir haben 150 bis 160 Kilometer Deich und Polen mehr als 1000."

Volle Keller und Kassen

In Polen blieb die Lage weiterhin angespannt. Der Scheitelpunkt der Warthe habe die größte Stadt der Region, Posen, erreicht, teilte der örtliche Krisenstab gestern mit. "Die Lage ist stabil", hieß es. Sorge besteht unterdessen für das "Pompeji an der Oder", wie die polnische Stadt Kostrzyn, unmittelbar an der Grenze zu Brandenburg, auch genannt wird. Sie liegt auf einer Halbinsel zwischen Oder und Warthe.

Für manche Unternehmen entlang der Oder spült das aktuelle Hochwasser willkommenes Geld in die Kassen. Das gilt etwa für Restaurants und Cafés in Frankfurt (Oder), wo Gäste speisen, während unter ihnen - im Keller - die Wasserpumpen gegen die Wassermassen ankämpfen. Teilweise deutlich besser gebucht sind einige Hotels und Pensionen. Zu den Gästen zählen hier derzeit auch Politiker und Journalisten. Schließlich verzeichnen Baumärkte einen erhöhten Absatz bei Gummistiefeln oder Pumpen und freuen sich Firmen für die Beseitigung von Wasserschäden über die kleine Sonderkonjunktur.

Nach wie vor galt gestern Nachmittag in Frankfurt (Oder) und im angrenzenden Kreis Oder-Spree die höchste Hochwasseralarmstufe 4. Auch wenn die Pegelstände in Eisenhüttenstadt und Frankfurt inzwischen unter den Richtwerten für die Stufe 4 lagen, sollte die höchste Alarmbereitschaft nach Behördenangaben vorerst bestehen bleiben. In den nördlichen Oder-Anrainerkreisen galt gestern die zweithöchste Alarmstufe 3.

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