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Ab 2012 ist das vielfältige Angebot auch in Lübz gefährdet : Banger Blick in die Zukunft

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Bei aller Fülle seines Angebots: Das Mehrgenerationenhaus in Lübz bangt um sein Budget. "Die Finanzierung steht nur noch bis Ende 2011", umschrieb Karina Reisenberg als Leiterin die Lage.

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erstellt am 17.Jan.2011 | 11:03 Uhr

Rita und Lisa (Vornamen redaktionell geändert) sind zufrieden: In der Keramikwerkstatt des Mehrgenerationenhauses in Lübz haben sie es erfolgreich zuwege gebracht, flüssige Tonmasse in Formen zu gießen. Nunmehr muss der Guss trocknen, wird dann von der Form befreit, trocknet nochmals und wird dann gebrannt. Auf einem Regal stehen als erste Resultate putzige Tierfiguren: Bären oder Katzen, zu Preisen zwischen einem bis vier Euro.

Im Computerraum haben sich drei Jugendliche in das Internet eingeklinkt und tauschen dort mit Altersgenossen Nachrichten aus, was das Zeug hält: Chatten nennt sich diese diese moderne Form der Kommunikation. Nebenan sitzen Kinder über ihren Hausaufgaben. Einen Raum weiter haben zwei Jungs eine Playstation in Betrieb gesetzt, in der Cafeteria wird eine selbstgebackene Pizza verzehrt. In der Holzwerkstatt entsteht das Modell einer Windmühle. Im Haupthaus, einer ehemaligen Schule, tun zwei Jugendliche so, als ob sie Tennis spielen. Schweißtreibender lässt es dagegen das Duo angehen, das sich mit realem Tischtennis fit hält.

Angebote für jedes Alter: Beratung, Bildung, Erziehung

Eine große Tafel bietet einen Überblick über alle Aktivitäten, die unter der Woche tagsüber regelmäßig im Mehrgenerationenhaus laufen. Gipsmaler, Bastler, Nähzirkel oder eine Theatergruppe gehen ein und aus. In der "Guten Stube" treffen sich meist Senioren, um in Erinnerungen zu schwelgen oder gemeinsam zu singen. Hier wirkt sich die Zusammenarbeit mit dem "Seniorenhaus am Freistrom" aus.

Im Parterre findet sich außerdem noch eine Küche, die in der Cafeteria nebenan für ein bescheidenes Entgelt werktags das Mittagessen serviert, für das man sich bis 8.30 Uhr anmelden muss. Ein weiterer Gruppenraum wird unter anderem von einer Tanzgruppe genutzt. Das gesamte Erdgeschoss ist barrierefrei ausgebaut.

Breite Treppen führen in das erste Stockwerk. Zwei bunte Türen markieren dort den in sich geschlossenen Bereich einer Tagesgruppe, in der acht Kinder "Hilfe zur Erziehung" erfahren. Ab 14 Jahren lernen sie danach als Jugendliche in einem so genannten "Cluster", selbstständig zu werden.


Die Finanzen wackeln: Bangen um den Fortbestand

Bei aller Fülle seines Angebots: Das Mehrgenerationenhaus in Lübz bangt um sein Budget. "Die Finanzierung steht nur noch bis Jahresende 2011", umschrieb Karina Reisenberg als Leiterin die prekäre Lage. "Und das auch, wenn die Stadt ihren Anteil von bislang 100000 tatsächlich bereit stellt." Denn: Ab 2012 fließen keine Bundesmittel mehr nach Lübz - es sei denn, der gemeinnützige Jugendförderverein Parchim-Lübz als Träger des Mehrgenerationenhauses nimmt erneut an einem Ausschreibungsverfahren des Familienministeriums teil und wird wieder in das Zuschussprogramm aufgenommen, das seit 2007 bislang jährlich 40000 Euro bereitstellte. 15000 Euro pro Jahr muss Lübz aus eigener Kraft erwirtschaften. Allein aus den Erlösen des Mittagstisches oder dem Verkauf von Kaffee, Kuchen , Holzarbeiten oder Tonfiguren ist das aber nicht zu bewerkstelligen. Reisenberg: "Wir vermieten deshalb unsere Räume für die Termine externer Veranstalter." Falls die Finanzierung des Mehrgenerationenhauses nicht gesichert sei, "werden wir Probleme bekommen, unsere Angebote aufrecht zu erhalten". Auf jeden Fall müsse vermieden werden, auf den Status des Freizeithauses früherer Jahre zurückzufallen. Es habe ziemlich lange gedauert, die damaligen Berührungsängste zu überwinden und sich zu einem wahren Mehrgenerationenhaus zu mausern. "Wir haben es außerdem verstanden, uns gut zu vernetzen." Karina Reisenberg meint damit unter anderem die enge Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei, dem Lübzer Sportverein, dem lokalen Bündnis für Familie oder diversen Firmen, "die uns gern Arbeitsmaterial spendieren". Im landesweiten Erfahrungsaustausch pflegt Lübz eine Patenschaft mit dem Mehrgenerationenhaus in Stralsund.

Außer der Leiterin arbeiten in Lübz drei weitere Hauptamtliche: Heidi Trümner als Koordinatorin, Bärbel Schrammel (Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzung, Musik, Senioren) und - von der Stadt finanziert - Marion Cornehl (Kinder, Familien, Keramik, Tanz). Dieses Team wird regelmäßig von zehn Ehrenamtlichen unterstützt, "die für unsere Arbeit unentbehrlich sind".

Über die Zukunft des Mehrgenerationenhauses wird aller Voraussicht nach auch der Kreistag debattieren. Die Fraktion Die Linke hat aus Solidarität bereits eine Sitzung dort abgehalten und will das Thema auf die Tagesordnung heben.

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