Bangen um Basedower Alleen

Eine Arbeitsgemeinschaft Alleenschutz will die Baumpracht an den Straßen retten. Foto: Archiv
Eine Arbeitsgemeinschaft Alleenschutz will die Baumpracht an den Straßen retten. Foto: Archiv

Eine Arbeitsgemeinschaft Alleenschutz will das vor 170 Jahren angelegte Landschaftsensemble um Schloss und Dorf Basedow retten. Es gebe zu wenig Neupflanzungen. Am Sonnabend will der Verein Mittelhof Gessin die ersten 35 Robinien aus einer Spendenaktion pflanzen.

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14. November 2008, 07:12 Uhr

Demmin | Wenn Hans Ulrich Kibbel die Alleen rings um Basedow entlanggeht, gerät er leicht ins Schwärmen. "Das dort sind noch Linden, die Peter Joseph Lenné gepflanzt hat", sagt der 74-Jährige, der seinen Alterssitz in die Mecklenburgische Schweiz verlegt hat.

Doch die Alleenpracht rings um eine der größten norddeutschen Schlossanlagen ist Experten zufolge gefährdet. Viele der 170 Jahre alten Bäume stehen vor dem Ende, Neupflanzungen gibt es wenig, oder sie sind durch falsche Nutzungen gefährdet. An diesem Samstag will Kibbel mit seinen Freunden vom Verein "Mittelhof Gessin" einen ersten Rettungsversuch starten: "Wir wollen die ersten 35 Bäume in die Dreischwesternallee pflanzen", sagt Vereinschef Bernd Kleist.

"Egal wo man anfängt, es muss was passieren", schätzt der Landschaftsarchitekt Stefan Pulkenat die Situation des 200 Hektar großen Gebiets ein. Das hügelige Gelände wurde ab 1835 von Lenné als Königlich Preußischer Gartendirektor mit dem Berliner Hofbaurat Friedrich August Stüler als "geschmücktes Landgut" entwickelt.

Grundstruktur mit 89 Baum- und Pflanzenarten"Die Grundstruktur mit 89 Baum- und Pflanzenarten - wobei alle Bauten, Alleen und Bepflanzungen aufeinander abgestimmt entstanden - ist bundesweit einmalig", sagt Pulkenat.

Grundlage der Pläne von Lenné und Stüler waren die damaligen Besitzverhältnisse. Basedow war jahrhundertelang Stammsitz einer der bedeutendsten Adelsfamilien Mecklenburgs - derer von Hahn, die nach 1945 ihren Besitz verloren.

In vielen Detailplänen ist zu erkennen, dass die Dorfanlage Basedows samt seiner Nachbarorte wie Gessin ästhetisch mit der Bepflanzung abgestimmt wurde. "Es gibt auch noch alte Pflanzpläne Lennés dafür, was selten ist," sagt Pulkenat. Obwohl die Linden-, Ahorn-, Eichen-, Platanen- und Eschen-Alleen vom Alter gezeichnet sind, strömen jährlich mehrere zehntausend Touristen nach Basedow und bestaunen die einstige Pracht.

Nur ein Landesprogramm kann helfen
Das Schloss Basedow selbst wurde 1978, der Park 1985 unter Denkmalschutz gestellt, nachdem vorher Jahrzehnte keine Rücksicht auf das kulturelle Erbe genommen worden war. "Die heutigen Eigentumsverhältnisse sind sicher auch ein Problem", sagt Kibbel. Teile des Parks und das mehrfach umgebaute Neorenaissanceschloss wurden an zwei Brüder aus der Schweiz verkauft, die in der Immobilienbranche tätig sind. Große Teile der Flächen gehören einem großen Landwirtschaftsbetrieb, dazu kommen mehrere Einzelbauern und die Gemeinde, deren Haushaltskasse für den großen Park zu klamm ist.

"Deshalb haben wir jetzt einen Spendenaufruf gestartet, um erstmal die Dreischwesternallee zu retten", sagt Kleist. Für die Dreischwesternallee soll Lenné vor 170 Jahren drei Töchter des Grafen nach ihren Lieblingsbäumen gefragt haben. Die Antwort: Robinien, Graupappeln und Ebereschen, woraufhin die Allee so gepflanzt worden sei.

Heute gibt es große Lücken, Stürme brachen Bäume um. Über Spenden und erste Patenschaften hat der Gessiner Verein mehrere tausend Euro zusammenbekommen.

Landschaftsarchitekt Pulkenat hofft, dass diese Initiative "ein Einstieg zur Rettung ist". Um Kostbarkeiten wie diesen Lenné-Park zu erhalten, müsste es aber ein Landesprogramm ähnlich wie in Sachsen- Anhalt geben, sagt der Experte.

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