Bahnumleitungen verärgern Reisende am Schweriner Hauptbahnhof

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09. April 2008, 09:16 Uhr

Schwerin - Patrick Fritz wollte eigentlich nur seine kleine Tochter Paula aus Schwerin abholen und mit zu sich nach Hamburg nehmen. Mit dem Zug, wie gewöhnlich. Treffpunkt: Hauptbahnhof. Als Patrick Fritz gestern Vormittag schon in Holthusen den Zug verlassen und in den Bus umsteigen musste, war er lediglich verwundert. Viele Minuten später konnte er auf dem Hauptbahnhof seine Tochter in Empfang nehmen. Aber wie weiter?

Patrick Fritz fragte sich umständlich durch und erfuhr jetzt erst, dass auch seine Rückreise mit einer Busfahrt beginnt. „Wäre ich rechtzeitig von den Schaffnern informiert worden, hätte ich einfach im Bus sitzen bleiben, meine Tochter reinholen und wieder nach Holthusen zurückfahren können. Durch die fehlenden Auskünfte vorab habe ich mehr als eine Stunde Zeit verloren. Jetzt komme ich zu spät zur Arbeit“, sagt Patrick Fritz ärgerlich.

Auch ein junger Reisender aus Crivitz war gestern Mittag im Bus nach Holthusen nur mäßig gut gelaunt. Nach Hamburg komme er wegen der ganzen Umsteigerei eine Stunde später als geplant. Nur gut, dass er für seinen Termin ausreichend Zeit eingeplant habe.

Nachdem sich die Türen des fahrplanmäßig letzten Busses nach Holthusen geschlossen haben und er die Wismarsche Straße entlang rauscht, kommt ein weiterer Reisender an die Haltestelle, an der noch Busse warten. „Und welcher fährt jetzt nach Holthusen?“ Eigentlich keiner mehr. Aber die Busfahrer haben offenbar einen Ermessensspielraum, spontan gibt es für den verzweifelten Mann eine Extra-Tour.

Am Schweriner Hauptbahnhof gab es gestern also zumindest einige Turbulenzen. Völlig unnötiger Weise, befinden die Politiker von Bündnis 90/Die Grünen. „Es fand nach meiner Kenntnis keine rechtzeitige Information in den Zügen und über die Presse statt, so dass auch Berufspendler von den Fahrplanänderungen überrascht wurden“, kritisiert Jürgen Suhr, Sprecher der Grünen in Mecklenburg-Vorpommern. „Das Management und die Informationspolitik der Bahn waren absolut mangelhaft.“ Seine Fraktion fordert die Landesregierung auf, wegen des schlechten Services die Zahlung von Regionalisierungsmitteln an die Bahn für die Zeit der Streckensperrung zu reduzieren.

Die Landesgrünen listeten zahlreiche Mängel auf: die geänderten Zugabfahrtszeiten seien sowohl in Schwerin als auch in Rostock schlecht ausgewiesen worden. Im Regionalexpress von Rostock nach Schwerin sei empfohlen worden, in Bad Kleinen umzusteigen, um schneller Hamburg zu erreichen, während dann auf dem Bahnsteig in Bad Kleinen die Ansage erfolgte, bis nach Schwerin zu fahren und dort in den Schienenersatzverkehr umzusteigen.

An den Servicepoints der Bahnhöfe hätten sich lange Schlangen gebildet. „Die Bahn hat wirklich nichts ausgelassen um Bahnfahrer zu verärgern“, sagte Suhr. „Wer eine IC-Fahrkarte gekauft und den IC verpasst hatte, weil dieser gut 40 Minuten früher abgefahren war als üblich, musste nicht nur auf den nächsten Regionalexpress warten, sondern bekam die Mehrkosten für die IC-Fahrkarte vor Ort auch nicht erstattet. Man könne die Fahrkarte per Post einsenden, lautete die lapidare Antwort.“

Die Bahn weist die Kritik der Grünen zurück. Ihre Kunden seien seit dem 7. März über das Internet über die Veränderungen informiert worden, erklärt Bahn-Sprecher Burkhard Ahlert. Plakataushänge auf den Bahnhöfen gebe es seit dem 25. März, konkrete Flyer seit dem 1. April und Ansagen seit dem 7. April. „Zusätzlich erfolgt die Ausstrahlung einer Kurzinfo zu den Baumaßnahmen auf den Infobildschirmen in den Zügen des RE 1 und RE 4“, so Ahlert. „Auch die Kundenbetreuung auf den Bahnhöfen wurde auf die Bauarbeiten abgestimmt.“

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