Bahnhöfe zu verkaufen - Landesweit sind 44 Gebäude im Angebot

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29. Juli 2008, 08:49 Uhr

Schwerin - Ein- bis zweimal die Woche fährt ein Zug am ehemaligen Bahnhofsgebäude in Sternberg vorbei. Er transportiert Biodiesel nach Hamburg. Reisende mit Gepäck oder Familien, die von einem Ausflug zurückkommen, sieht man schon lange nicht mehr auf den Bahnsteigen.

„Der letzte Personenzug fuhr hier vor mehr als zehn Jahren ab.“ Gerda Alex erinnert sich noch genau an den Tag. 30 Jahre lang hat die Fahrdienstleiterin am Sternberger Bahnhof gearbeitet. Am 22. Mai 1998 fertigte sie den letzten Personenzug ab. „Wir haben hier damals das Licht ausgemacht“, sagt die 57-Jährige.

Seitdem steht das denkmalgeschützte Gebäude am Ortseingang von Sternberg leer. „Es war nicht schön, hier vorbeizufahren und zu sehen, wie alles herunterkam“, sagt Alex. Umso mehr freut sie sich jetzt darüber, dass das Gebäude von einem Investor gekauft, saniert und der Gemeinde als Vereinshaus zur Verfügung gestellt worden ist.

Für 44 weitere Bahnhofsgebäude in Mecklenburg-Vorpommern sucht die Deutsche Bahn AG derzeit noch Käufer, darunter Bad Doberan, Bützow, Gadebusch, Malchin, Parchim, Ribnitz-Damgarten Ost und Waren.

15 Bahnhofsgebäude will die Bahn behalten
„Von den 203 Bahnzugängen im Land haben noch 59 ein Bahnhofsgebäude, das wir als solches auch nutzen. Wir wollen aber nur 15 behalten“, sagt Bahnsprecher Burkhard Ahlert. Die Haltestellen sollen jedoch alle erhalten bleiben. Mögliche Servicemängel befürchtet man nicht. „An vielen Bahnhöfen ist es bereits so, dass dort schon nur noch Automaten stehen, ansonsten kann man Fahrkarten auch im Zug kaufen.“

Die Reisezentren der Bahn könnten in Ausnahmefällen in manchen Bahnhöfen auch bestehen bleiben, wenn der neue Eigentümer diese übernimmt. Die Bahn würde dann dafür Miete bezahlen.

Im Februar 2007 gehörten der Bahn noch rund 100 Bahnhofsgebäude im Nordosten. Seither wurden immer wieder Gebäude veräußert, zuletzt 22 zum 1. Januar 2008 an einen Investor. Wie sie künftig genutzt werden sollen, stehe noch nicht fest. Die Bahn will nur große Bahnhofsgebäude wie in Schwerin, Rostock und Stralsund sowie einige kleinere wie etwa das im Ostseebad Binz behalten. „Wir brauchen grundsätzlich nur noch wenige Bahnhöfe, die meisten sind entbehrlich“, sagt Burkhard Ahlert.

Kosten durch Instandhaltung und Vandalismus
Die Bahn wolle so auch Kosten sparen, die Instandhaltung von nicht mehr benutzten Bahnhofsgebäuden kostet viel Geld – auch weil bei leerstehenden Gebäuden Schäden durch Vandalismus entstehen.

Die Bahn bietet beim Verkauf zunächst den Städten die Bahnhofsgebäude an. Erst dann würden private Investoren gesucht. „Ein Bahnhof ist ja auch Aushängeschild einer Stadt, wir versuchen direkt mit der Gemeinde zu verhandeln und sehen, ob sie das selbst finanzieren können. Sie haben ja Möglichkeiten, Fördermittel zu beantragen“, sagt Ahlert. Doch den meisten Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern fehlt trotzdem das Geld für ein solches Gebäude. Auch Sternbergs Bürgermeister Jochen Quandt kennt das Problem. „Wir hätten uns den Kauf gar nicht leisten können. Das muss man ganz ehrlich so sagen“.

Firma kauft Sternberger Bahnhof, um die Strecke zu erhalten
Doch die Sternberger hatten Glück: „Ihr“ Bahnhof wurde im vergangenen Jahr von der zur Rethmann-Gruppe gehörenden ecoMotion GmbH gekauft, die seit 2006 auf dem Gelände eine Biodieselanlage betreibt. Seit September 2007 fährt die Prignitzer Eisenbahn in ihrem Auftrag auf der Strecke Blankenberg-Sternberg-Dabel. Auch andere Firmen griffen auf die Bahnstrecke zurück, die so erhalten blieb.

Der Aufsichtsratsvorsitzende des Unternehmens, Norbert Rethmann, bereut die Investition nicht: „Es wurden seit September 2007 mehr als 1600 Lkw-Fahrten auf diese Schienen verlegt“, sagt er stolz. Die Sternberger sind ebenfalls mehr als zufrieden: Das ehemalige Bahnhofsgebäude wurde für 700 000 Euro saniert, von Schwamm befreit und zum Vereinshaus umgebaut. Zudem verkündete Rethmann kürzlich bei der feierlichen Schlüsselübergabe: „Für die nächsten 25 Jahre stellen wir das Gebäude der Stadt Sternberg kostenlos zur Verfügung.“

Nunmehr sind dort der DRK-Ortsverein, der Heimatverein, der Demokratische Frauenbund, die Sternberger Tafel und die Jugendhilfe „Dialog und Action“ Menschen ansässig. „Es soll ein Haus der Toleranz werden“, hofft Rethmann. Auch Fahrdienstleiterin Alex ist begeistert. „Es ist so wunderbar, dass hier künftig alle Sternberger zusammenkommen können.“

Die ersten Angebote für einige der 44 Bahnhöfe liegen schon vor, so Carola Kuchta von der DB Service Immobilien. Darunter sowohl Privatkäufer als auch Gemeinden.

Die Nutzungsmöglichkeiten sind vielfältig. „In den vergangenen Jahren wurden Bahnhofsgebäude zu Ateliers, Werkstätten, Büros oder auch Wohnungen umgebaut“, so Burkhard Ahlert. „Eine Nutzung ist immer besser als Leerstand.“

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