Bahn kassiert die Kunden ab - Fahrkarten ab Dezember um 3,9 Prozent teurer

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29. August 2008, 07:15 Uhr

Berlin - Das dürfte den potenziellen Aktionären der Bahn ganz recht kommen: Das staatliche Transportunternehmen machte Kasse. Nur wenige Wochen nach dem geplanten Börsengang der Deutschen Bahn im Herbst wird der Konzern die Fahrkartenpreise deutlich erhöhen – um durchschnittlich 3,9 Prozent mehr sollen Einzelfahrscheine und Zeitkarten in der zweiten Klasse.

Die beliebten Bahncards für Stammkunden kosten künftig durchschnittlich 3,6 Prozent mehr. Wer eine Fahrt mit ICE und Intercity nicht am Automaten oder im Internet kauft, muss im Reisezentrum bald 2,50 Euro Extra-Zuschlag zahlen. Die Bahn begründete die erneute Erhöhung nach zwölf Monaten unveränderter Preise mit stark gestiegenen Energie- und Personalkosten.

Kosten für Diesel um 80 Prozent gestiegen
Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch sprach in Berlin von einem „moderaten“ Anstieg der Tarife. „Unter dem Strich fallen die Kostensteigerungen für Bahnfahrer deutlich geringer aus als für Autofahrer oder Flugreisende.“ Eine Kombination aus explodierenden Energiepreisen und stark gestiegenen Personalkosten nach hohen Tarifabschlüssen lasse sich aber mit Effizienzsteigerungen allein nicht auffangen. So hätten sich beispielsweise die Preise für Strom und Diesel in den vergangenen zwölf Monaten um 50 bzw. 80 Prozent erhöht. Angaben zur Höhe der erwarteten Mehreinnahmen machte Rausch nicht. Zuletzt waren die Ticketpreise im Dezember 2007 im Schnitt um 2,9 Prozent erhöht worden.

Die Preisanhebungen fallen je nach Verbindung unterschiedlich aus. Auf der eher kurzen Strecke Mannheim-Stuttgart kostet die einfache Fahrt im ICE zum Beispiel künftig 35 Euro (plus 2,9 Prozent). Für die Reise von Hamburg nach München sind demnach fortan 127 Euro fällig (plus 4,1 Prozent).

Der Preis für die Bahncard 25 steigt den Angaben zufolge von derzeit 55 auf 57 Euro. Die Karte mit 50 Prozent Rabatt kostet künftig 225 statt bisher 220 Euro. Im Nahverkehr werden die Preise der Ländertickets um einen Euro angehoben, das Schönes-Wochenende-Ticket für bis zu fünf Reisende wird zwei Euro teurer.

Preiserhöhung schreckt Umsteiger ab
Der „Bedienzuschlag“ für den Kauf am Schalter solle auch den flächendeckende Erhalt von mehr als 400 Reisezentren der Bahn in Deutschland sichern, sagte Rausch. Er wies zudem darauf hin, dass Beratungsgespräche und Nahverkehrstickets kostenlos blieben. Behinderte Menschen, die besonders auf persönlichen Verkauf angewiesen seien, würden von der Zuschlagpflicht ausgenommen. Durch mehr Personal in Spitzenzeiten und Sonderschalter sollen sich Wartezeiten in Reisezentren verkürzen.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) warf der Bahn einen „falschen Weg“ vor. Neue Kunden, die wegen der hohen Benzinpreise vom Auto in die Züge umgestiegen seien, dürften nicht verprellt werden. Der persönliche Service müsse an erster Stelle stehen, koste nun aber durch den neuen Zuschlag mehr.

Viele Kunden könnten zudem nicht gut mit Automaten umgehen oder hätten keinen Internetzugang. Kritik kam auch vom Fahrgastverband Pro Bahn: Die Preiserhöhung werde die Kunden abschrecken, die gewillt seien, von anderen Verkehrsmittel auf die Bahn umzusteigen, sagte der Vorsitzende Karl-Peter Naumann.

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