zur Navigation springen

Nach dem Winterchaos : Bahn kann Gewinn behalten

vom

Züge fielen aus oder kamen mit großer Verspätung. Der Unmut ist groß, die Politik zeigt sich alarmiert. Eine Sonderkonferenz der Verkehrsminister forderte, die Weichen bei der Deutschen Bahn neu zu stellen.

svz.de von
erstellt am 11.Jan.2011 | 10:43 Uhr

Gewinne sollen in die Verbesserung des Betriebs gesteckt, nicht an den Bund als Eigentümer ausgeschüttet werden, beschloss die Runde einstimmig.

Dass Schnee und Eis die Bahn dermaßen aus dem Takt bringen, ist nach einhelligem Urteil vor allem auf die jahrelange Sparpolitik zurückzuführen. Die sollte die Bahn fit für den angestrebten, zwischenzeitlich aber abgeblasenen Börsengang machen. Sie wurde damit generell aber auch anfälliger für die Unbilden der Witterung. Auch früher gab es strenge Winter. Doch die Bahn, so erinnern sich altgediente Eisenbahner, kam damit besser klar als momentan. Das zeigte sich zuletzt beispielhaft daran, dass immer weniger Züge pünktlich ankamen. Im Fernverkehr war zeitweise nur noch jeder fünfte Zug fahrplangemäß unterwegs. Im Regionalverkehr fuhren Berichten zufolge nach einer internen Bahn-Statistik zeitweise nur noch sechs von zehn Zügen pünktlich. Die Reserven sind zu knapp, die Wartungskapazitäten reichen nicht aus. Mehr als 100 000 Kunden beantragten inzwischen die Erstattung des Fahrpreises.

Der im Kreuzfeuer stehende Bahnchef Rüdiger Grube wirbt um Fairness und Verständnis. Auch im Flug- und Autoverkehr habe "der härteste Winter seit 40 Jahren" massive Probleme gebracht. Passagiere saßen nächtelang an Airports fest, um dann doch auf die Bahn auszuweichen. Die schickte immerhin zusätzliche Züge auf die Strecke. Auf manchen Bahnrouten, so Grube, habe es durch die Flugausfälle "bis zu 100 000 Buchungen täglich" zusätzlich gegeben.

Der Bahn-Manager räumt aber ein: "Wir haben zur Zeit nicht genug Züge, um in Extremsituationen ausreichend Ersatzmaterial anbieten zu können." Aufgrund verschärfter Kontrollen müssten die ICEs 10 bis 12 Mal häufiger in die Werkstatt als früher. "Das ist ein großer Engpass." Um den zu beheben, brauche es viel Geld. Grube: "Es ist kein Geheimnis: Die Infrastruktur der Bahn ist unterfinanziert". Statt der geplanten 1,4 Milliarden Euro für Aus- und Neubau müssten es mindestens zwei Milliarden sein, wenn die Bahn mit dem prognostizierten Wachstum fertig werden wolle. Immerhin hat die Bahn auch im Krisenjahr 2009 Geld verdient - knapp 1,7 Milliarden Euro. Nach dem Winter-Desaster beteuert Grube, setzt die Bahn nun auf eine Investitionsoffensive, für die in den nächsten fünf Jahren 44 Milliarden Euro fließen sollen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen