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Abwasser-Streit: Wöbbelin bleibt stur : Bagger rollen - Gegenwehr bleibt

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Ab Anfang kommender Woche werden Bagger und Baufahrzeuge das Dorfbild der Gemeinde bestimmen. Dann beginnen nämlich die Bauarbeiten an den Abwasserleitungen des Abwasserzweckverbandes.

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erstellt am 29.Jun.2011 | 06:45 Uhr

Wöbbelin | Ab Anfang kommender Woche werden Bagger und Baufahrzeuge das Dorfbild der Gemeinde Wöbbelin bestimmen. Dann nämlich beginnen die Bauarbeiten an den Abwasserleitungen des Abwasserzweckverbandes (ZkWAL). Dass die Bauarbeiten starten, schmeckt der Gemeinde gar nicht. Sie hat in den zurückliegenden Monaten alle juristischen Hebel in Bewegung gesetzt, um die zentrale Abwasserentsorgung zu stoppen.

Auf einer Einwohnerversammlung informierte der Zweckverband die Wöbbeliner nun über den Beginn und die Durchführung der Bauarbeiten. Auf der Informationsveranstaltung blieb es für Wöbbeliner Verhältnisse erstaunlich ruhig. Dies war vor allem wohl der Tatsache geschuldet, dass sowohl Bürgermeisterin Viola Tonn, als auch der Block, der sich gegen die zentrale Abwasserentsorgung stellt, an dem Abend so gut wie geschlossen fehlte. Überhaupt war der Saal des UFAT-Bildungswerks nur halb gefüllt. Protest von Seiten der anwesenden Wöbbeliner blieb weitestgehend aus. Im Gegenteil: Teilweise brandete sogar Applaus für ZkWAL-Geschäftsführer Stefan Lange auf.

Keine Gemeindeflächen für Baufahrzeuge

Doch ganz so friedlich, wie die Stimmung an dem Informationsabend, ist die Lage dann doch nicht. Weiterhin stelle sich die Gemeinde quer, so Lange. Sie will nach ZkWAL-Informationen keine Flächen für Baufahrzeuge und Bauerde zur Verfügung stellen. Unterstützung sieht anders aus. Trotzdem ist Lange froh, dass die Leitungsarbeiten nun endlich beginnen können. "Auch ohne die Unterstützung wollen wir das Ziel erreichen, mit dem ersten Bauabschnitt bis Mitte Dezember fertig zu sein", so Lange.

Klaus Rieck, Geschäftsführer des ausführenden Baubetriebs, der Goldberger Rohrleitungsbaufirma Sturm und Neumann, zeigte sich zwar erstaunt über das Verhalten der Gemeinde. Er hatte aber auch schon eine Lösung parat: "Wir werden wahrscheinlich Stellflächen von der Transportfirma Theurer anmieten", so Rieck . Für die Baufirma entstehen so zusätzliche Kosten. Über das unnachgiebige und unkooperative Verhalten der Bürgermeisterin wunderte sich der ZkWAL-Geschäftsführer: "Wir bauen in der gesamten Gemeinde und eigentlich ist es eine der wichtigsten Aufgaben eines Bürgermeisters, solche Bauarbeiten zu begleiten." Ähnlich äußerte sich in der Diskussion auch eine Wöbbelinerin: "Es kann doch nicht sein, dass an der Bockigkeit einer Bürgermeisterin ein ganzes Dorf kaputtgeht." Auch bei der gestrigen Bauanlaufberatung fehlte die Bürgermeisterin.

Der erste Bauabschnitt reicht von der Funkamtsiedlung bis zur Kreuzung an der Kirche und weiter in Richtung Ludwigslust. Der Bauauftrag des ersten Bauabschnittes hat ein Volumen von 1,1 Millionen Euro. Beim zweiten Bauabschnitt werden im kommenden Jahr die Leitungen in Richtung Schwerin verlegt. Die aufgerissenen Straßen werden nach dem Verlegen der Rohre in den Zustand vor Beginn der Bauarbeiten zurückversetzt. "Manche Straßen werden wir allerdings gar nicht so schlecht wiederherstellen können, wie sie vorher gewesen sind", merkte Lange an. Die Anschlussgebühren des Zweckverbandes werden erst nach dem Ende des gesamten Leitungsbaus erhoben und im Durchschnitt zwischen 1200 und 1300 Euro betragen. Jedes Grundstück unterliegt einem Anschlusszwang. Bei Gegenwehr gibt es erst eine Gerichtsverfügung, als letztes Mittel den polizeilich durchgesetzten Zwangsanschluss. Um dies zu vermeiden und aufkommende Fragen möglichst frühzeitig zu klären, soll jeden Mittwoch eine Einwohnerfragestunde eingerichtet werden.

Nach Abschluss der Arbeiten ist in Wöbbelin eine kleine Feier geplant, zu der der Zweckverband einlädt. Ein Dorffest wird die Feierlichkeit wohl kaum werden: Viola Tonn und ihre Mitstreiter dürften nach dem Ende der Bauarbeiten wohl kaum in Partylaune sein.

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