Christiansholm in Schleswig-Holstein : Bagger aus Königsmoor befreit

Jubel am Freitagnachmittag: Der Bagger ist frei! Foto: Jaeger
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Jubel am Freitagnachmittag: Der Bagger ist frei! Foto: Jaeger

Schmutziger als die Wattolümpiade, rührender als Free Willy und spannender als "Nummer 5 lebt": Der Bagger, der wochenlang im Königsmoor bei Christiansholm versunken war, ist am Freitag befreit worden.

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11. Januar 2013, 07:00 Uhr

Geschafft. Punkt 14.15 Uhr knallten am Freitagnachmittag die Sektkorken: Der versunkene Bagger im Königsmoor bei Christiansholm, von den Mitarbeitern der Firma Thies Buhmann liebevoll "Oma" genannt, hatte sein unfreiwilliges Moorbad beendet und war wieder frei.

Das Gerät war am 19. Dezember bei Naturschutzarbeiten im Moor eingesackt - und konnte nicht mehr herausgefahren werden. Stattdessen sank der Bagger immer tiefer. Ende Dezember und Anfang Januar war der Havarist eine Attraktion für Schaulustige: Immer mehr Touristen wagten sich ins Königsmoor. Eine Webcam beobachtete täglich den Wasserstand des Baggers.

Spundwände im weichen Boden
Mehr als drei Wochen dauerten die Bergungsversuche, die immer wieder ins Stocken gerieten. Erst in den vergangenen drei Tagen kam Bewegung in die Arbeiten. Nachdem die Spundwände um den Bagger in den butterweichen Moorboden gerammt und mit Eisenstreben verstärkt waren, konnte das Arbeitsgerät bis Donnerstagnachmittag soweit frei gegraben werden, dass mit dem Instandsetzen des Motors begonnen werden konnte.

Freitagvormittag sprang "Oma" tatsächlich an. Der bestellte Schwimmbagger aus Hamburg war ebenfalls vor Ort, wurde aber für die eigentliche Bergung nicht gebraucht, wie sich später zeigte. Die Feuerwehr Christiansholm sperrte in einem Umkreis von rund drei Kilometern die Straßen für den Autoverkehr ab, denn es war klar, dass sich viele Schaulustige das Spektakel nicht entgehen lassen wollten.

Fachkräfte aus den Niederlanden
In nur wenigen Stunden schafften es Buhmann und seine Mitarbeiter mit tatkräftiger Unterstützung von zwei Fachkräften aus den Niederlanden, eine Rampe aus Spundprofilen zu bauen sowie direkt davor eine Stützwand für das Fahrzeug mit der Seilwinde zu rammen. Das war notwendig, um dem Trecker beim Herausziehen des Baggers Halt zu geben. Sonst hätte "Oma" ihn noch zu sich in die Grube gezogen.

Der Trecker wiederum wurde per abgesenkter Baggerschaufel auf dem Boden gehalten. Ungeheure Kräfte waren am Werken, als das Stahlseil sich langsam spannte, der "Chef" persönlich hinter dem Steuerknüppel des versunkenen Baggers Platz nahm, den Motor startete und sich langsam über die Rampe mit Hilfe der Winde aus der Grube herausarbeitete.

Sektdusche über den Chef
An der Oberfläche angekommen, kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Wie bei einem Formel 1-Sieg ergoss sich eine Sektdusche über den sichtlich erleichterten Thies Buhmann und sein berühmtes Gefährt. "Das ist wie Weihnachten und Ostern an einem Tag", freute sich auch Baggerfahrer Günther Andersson, "endlich haben wir es geschafft".

Das Team Buhmann beglückwünschte sich gegenseitig. Die Anspannung löste sich bei allen Beteiligten und nach endlos anstrengenden Tagen sah man endlich wieder lachende Gesichter: "Dafür muss Chef ordentlich einen springen lassen", so die einhellige Meinung der Mitarbeiter und ganz sicher wird das glückliche Ende dieses Ereignisses mit einer Party gefeiert. Zuvor aber musste die Fläche noch von all dem eingesetzten Material befreit und weitestgehend eingeebnet werden.

In den nächsten Wochen werden die Baggerarbeiten des Moorschutzprogrammes der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein fortgesetzt. Dann aber mit dem Schwimmbagger, der kann ganz sicher nicht versinken. Auch "Oma" kommt nach einer Generalüberholung wieder zum Einsatz, dann aber hoffentlich ohne weiteres Moorbad.


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