Autoschlangen auf dem Radweg - Neue Spur an der Lübecker Straße sorgt für Chaos

Auto- und Fahrradfahrer haben sich offenbar noch nicht an die neu e Radspur auf der Lübecker Straße gewöhnt. Foto: Klawitter
Auto- und Fahrradfahrer haben sich offenbar noch nicht an die neu e Radspur auf der Lübecker Straße gewöhnt. Foto: Klawitter

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29. August 2008, 07:05 Uhr

Seit Monaten ärgern sich die Schweriner über die Verkehrssituation in ihrer Stadt. Jetzt gibt es einen weiteren Brennpunkt: Den neu ausgewiesenen Radweg auf der Lübecker Straße. Dort herrscht Verwirrung pur. Die meisten Radler fahren weiter auf dem Bürgersteig, teils aus Unwissenheit, teils aus Angst. Denn auch viele Autofahrer ignorieren die neue Spur. SVZ schaute sich die Lage vor Ort an – und fragte bei der Stadtverwaltung nach.

Weststadt - An der Lübecker Straße zwischen Obotritenring und Kreuzung Robert-Beltz-Straße gibt es seit wenigen Tagen einen gut drei Meter breiten Radweg. Was viele Jahre lang als Fahrspur für den Autoverkehr diente, wurde jetzt umgetitelt. Große weiße Radler-Signets auf dem Asphalt zeigen das an. Nur: Weder Autofahrer noch Radler halten sich an die Neuregelung.

„Ich wusste gar nicht, dass dort ein Radweg ist“, sagt ein Mann, der kurz vom Sattel steigt und sich die Markierung genauer anschaut, über die zahllose Autos hinwegbrausen. Er ist wie immer auf dem Bürgersteig gefahren. „Wo endet der Radweg überhaupt? Hier kurz vor der Kreuzung, ohne Hinweis und ohne abgesenkten Bordstein? Soll ich dann mitten auf der Straße absteigen und mein Rad auf den Bürgersteig heben?“ Der Schweriner schüttelt den Kopf. „Das ist viel zu riskant“, ruft er noch und radelt davon. Auf dem Bürgersteig.

Viele Anwohner der Lübecker Straße beobachten die neue Verkehrsregelung mit Fassungslosigkeit. Sie machten ihrer Empörung am SVZ-Telefon Luft. Fehlende Hinweisschilder und Kontrollen sowie das abrupte Ende des Radfahrstreifen empfinden sie als extreme Gefahrenquelle. Außerdem sei die Lübecker Straße eine zentrale Einfallstraße, die auf vier Spuren nicht verzichten könne.

Im städtischen Amt für Verkehrsmanagement sieht man das anders. „Regelmäßig durchgeführte Verkehrszählungen belegen, dass das Kfz-Verkehrsaufkommen so niedrig ist, dass es problemlos auf einer Fahrspur pro Richtung abgewickelt werden kann“, so ein Behördensprecher. Außerdem habe es über die Radler auf dem Gehweg regelmäßig Beschwerden von genervten Fußgängern gegeben.

Die Zahlen, die der Verwaltungsentscheidung zu Grunde liegen, sind folgende: In einer Stunde am Nachmittag wurden Ende 2004 auf der Lübecker Straße in beiden Richtungen 1160 Autos gezählt, im Juni 2008 waren es nur noch 1000. Auf der einspurigen Gadebuscher Straße seien es zur gleichen Zeit immerhin 1680. In einer Sommerstunde im Jahr 2005 radelten nur 70 Menschen die Lübecker Straße entlang, drei Jahre später waren es schon 130 pro Stunde.

Die Verwaltung verspricht sich von der Neuregelung spürbare Vorteile für alle und ist optimistisch, dass sich die Schweriner schnell daran gewöhnen.

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