Autofahrer zahlen die Zeche für Winterschäden

Björn Hildebrandt hat es Schwarz auf Weiß:  'Eine Haftung der Stadt besteht nicht.' Michael Schmidt
Björn Hildebrandt hat es Schwarz auf Weiß: "Eine Haftung der Stadt besteht nicht." Michael Schmidt

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15. April 2010, 08:35 Uhr

Gadebusch | Zwei Monate nach Geltendmachung von Fahrzeugschäden aufgrund schlecht geräumter und vereister Straßen drohen Autofahrer, auf den Reparaturkosten sitzen zu bleiben. Der Kommunale Schadenausgleich - der Versicherer für die Stadt Gadebusch - weigert sich, Haftpflichtschäden zu übernehmen. Begründung: Es habe keine Winterdienstverpflichtung für die Johannes-Stelling-Straße sowie die Steinstraße gegeben. Sie seien weder verkehrswichtig, noch gefährlich.

Über diese Argumentation dürfte sich halb Gadebusch kaputt lachen. Denn die Straßen zählen mit zu den wichtigsten und meistbefahrenen der Kleinstadt. Entsprechend sauer sind Geschädigte, wie Björn Hildebrandt. "Es ist eine Frechheit, sich mit solch einer Begründung aus der Verantwortung stehlen zu wollen", sagt der Gadebuscher. Allein für sein Fahrzeug sind 729,77 Euro Reparaturkosten fällig. Die Windschutzscheibe war im Februar gerissen, als er - den Straßenverhältnissen angepasst - langsam durch die Steinstraße fuhr. "In Höhe der Kirche machte es plötzlich krach!", sagt Hildebrandt. Auch seine Frau meldete einen Schaden an ihrem Fahrzeug. In der Johannes-Stelling-Straße brach eine Feder der Hinterachse, als sie mit ihrem sechs Monate alten Sohn auf der Fahrt ins Stadtzentrum war. "Auch in diesem Fall hatten wir die Hoffnung, dass der Schaden übernommen wird", verdeutlicht Hildebrandt. Die Familie bleibt auf den 250 Euro sitzen.

Für das "Nein" und die Argumentation des Kommunalen Schadenausgleich haben sogar Mitarbeiter der Stadtverwaltung kein Verständnis. "Wozu zahlen wir nicht gerade geringe Versicherungsbeiträge, wenn Schäden nicht reguliert werden", hieß es aus dem Rathaus.

Rückblick: Die Johannes-Stelling-Straße sowie die Steinstraße glichen Anfang Februar einer Stoßdämpfer-Teststrecke mit Spurrillen und Eishuckeln. Als es Beschwerden hagelte, ließ die Stadt beide "Eisstraßen" mit schwerer Technik auf brechen. Bürgermeister Ulrich Howest räumte später ein: "Ja, wir haben sehr viele Versicherungsfälle." Autofahrer hatten auch defekte Ölwannen und Felgenschäden gemeldet.

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