Tipps und Hinweise von Pflege-Experten : Auszeit von der Pflege möglich

Kornelia Rapp, Tanja Gabriel,   Maria Weinhold und Ansgar Stegemann (v.l.n.r.) standen gestern an den Telefonen Rede und Antwort.Neumann
Kornelia Rapp, Tanja Gabriel, Maria Weinhold und Ansgar Stegemann (v.l.n.r.) standen gestern an den Telefonen Rede und Antwort.Neumann

Was mache ich, wenn mein Antrag auf Pflegestufe abgelehnt wird? Warum sollen wir ein Pflegetagebuch führen? Diese und andere Fragen unserer Leser beantworteten gestern die Pflege-Experten.

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13. Oktober 2011, 11:16 Uhr

Was mache ich, wenn mein Antrag auf Pflegestufe abgelehnt wird? Warum sollen wir ein Pflegetagebuch führen? Diese und andere Fragen unserer Leser beantworteten gestern die Pflege-Experten. Tanja Gabriel von der Compass Private Pflegeberatung, Kornelia Rapp und Ansgar Stegemann von der AOK Nordost sowie Maria Weinhold von der Volkssolidarität gaben Tipps und Hinweise.

Ich betreue meine Mutter, die Pflegestufe I hat, zu Hause. Wie kann ich sichern, dass es mit der Medikamentengabe klappt, wenn ich demnächst in den Urlaub fahre?

Lassen Sie sich vom Hausarzt Ihrer Mutter eine ärztliche Verordnung zur Medikamentengabe geben. Dann können Sie einen ambulanten Pflegedienst damit beauftragen. Eine andere Variante, die Pflege Ihrer Mutter während Ihres Urlaubs oder auch während einer eigenen Erkrankung zu sichern, ist die Verhinderungspflege. Es gibt dafür derzeit einmal im Jahr einen Betrag von 1510 Euro (ab 2012 sind es 1550 Euro), den Sie bei der Pflegekasse beantragen können. Mit diesem Geld kann Ihre Mutter entweder einen Pflegedienst oder eine andere Person bezahlen, die nicht mit ihrer Mutter verwandt oder verschwägert ist, und ihr dann zur Seite steht.

Meine Mutter hat Pflegestufe II und muss nun ins Heim. Sie hat eine kleine Rente und kein Vermögen. Muss ich als Tochter dazuzahlen?

Wenn Rente und Vermögen sowie die Leistungen aus der Pflegeversicherung - bei Pflegestufe II sind das bei vollstationärer Pflege 1279 Euro monatlich - nicht ausreichen, um den Heimplatz komplett zu bezahlen, stellen Sie einen Antrag beim Sozialamt. Das zahlt die Differenz und prüft dann seinerseits, ob und inwieweit Sie als Tochter für die Finanzierung herangezogen werden können.

Ich bin 81 Jahre alt und habe Angst vor einem Schlaganfall. Was passiert, wenn ich plötzlich ein Pflegefall werde und ins Heim muss, weil mein Sohn mich nicht pflegen kann? Ich habe einiges angespart.

Für den Fall der Fälle werden Ihre Rente, Ihr Vermögen und das Geld aus der Pflegeversicherung - wenn Sie dann eine Pflegestufe haben sollten - für die Heimkosten eingesetzt. Ihnen bleibt ein sogenannter Selbstbehalt. Die Höhe dieses Selbstbehalts können Sie bei Ihrem zuständigen Sozialamt erfragen. Ist Ihr Erspartes aufgebraucht, springt das Sozialamt ein. Natürlich behält sich das Amt dann vor zu prüfen, ob eventuell Ihr Sohn etwas dazugeben kann. Setzen Sie sich aber unbedingt mit Ihrem Sohn zusammen, um über eine Vorsorgevollmacht zu sprechen. Diese Vollmacht sollte nicht nur auf medizinische Aspekte bezogen sein, sondern auch für Ämter, Behörden und Kreditinstitute gelten.

Mein Mann bekommt Chemotherapie und ist Stoma-Patient. Als wir den Antrag auf Pflegestufe bei der Kasse holten, gab man uns ein Pflegetagebuch mit, das wir ausfüllen sollen. Macht das Sinn?

Es kann bei der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst hilfreich sein. Wichtig ist, dass Sie über mehrere Tage festhalten, wobei Sie Ihrem Mann helfen, wie viel Zeit Sie jeweils bei diesen Verrichtungen benötigen und wie häufig diese Hilfsleistungen benötigt werden. Das ist für die Festlegung der Pflegestufen sehr wichtig. Bei Pflegestufe I muss beispielsweise der durchschnittliche Hilfebedarf am Tag mindestens 90 Minuten betragen, davon müssen mehr als 45 Minuten auf die Grundpflege entfallen. Dazu zählen die Nahrungsaufnahme, Mobilität und die Körperpflege.

Meine 79-jährige Mutter hat sich bei einem Ohnmachtsanfall die Rippen gebrochen. Ich bin selbstständig und habe sie jetzt sechs Wochen lang gepflegt. Sollten wir einen Antrag auf Pflegestufe stellen, um Hilfe zu bekommen?

Wenn der gesundheitliche Zustand nicht wesentlich besser wird, und sie einschätzen, dass Ihre Mutter länger als sechs Monate auf Hilfe angewiesen sein wird, sollten Sie bei der Pflegekasse einen formlosen Antrag auf eine Pflegestufe stellen.


Zweimal wurde mein Antrag auf Pflegestufe abgelehnt. Jetzt warte ich auf den Bescheid nach der dritten Begutachtung, die jetzt auch schon fast zwei Monate zurückliegt. Ich komme ohne Hilfe im Alltag gar nicht mehr klar. Was soll ich tun?

Sie können bei Ihrer Pflegekasse nachfragen, was aus Ihrem Antrag geworden ist und wann mit dem Bescheid zu rechnen ist. Sollte die Sache nicht in Ihrem Sinne ausgehen, wäre es sinnvoll, sich professionell beraten zu lassen. Entsprechende Berater finden Sie unter anderem in den Pflegestützpunkten.

Meine Mutter ist an Demenz erkrankt, aber körperlich noch so fit, dass eine Pflegestufe nicht infrage kommt. Dennoch benötigt sie immer mehr Hilfe, um im Alltag zurechtzukommen. Gibt es dafür auch etwas von der Pflegekasse?

Menschen mit Demenz können bis zu 2400 Euro im Jahr für zusätzliche Betreuungsleistungen nutzen. Wer wie viel Geld bekommt, empfiehlt der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) für Kassenpatienten oder Medicproof für Privatversicherte nach einer Begutachtung des Betroffenen. Es gibt einen monatlichen Grundbetrag von 100 Euro. Den erhöhten Betreuungsbetrag bis zu 200 Euro erhalten Menschen, bei denen beispielsweise zusätzlich eine Weglauftendenz oder eine Störung des Tag-/Nacht-Rhythmus zu verzeichnen ist. Mit dem Betreuungsgeld können Angehörige ambulante Pflegedienste für die Tages- und Nachtpflege bezahlen, um sich eine kurze Auszeit zu gönnen.

Mein Vater benötigt jetzt Windeln und ein Wechseldruck-Kissen. Muss er das allein bezahlen?

Nein. Stellen Sie einen Hilfsmittel-Antrag bei Ihrer Pflegekasse.


Wir schaffen es nicht mehr, unsere Mutter, die Pflegestufe II hat, zu Hause zu pflegen. Jetzt suchen wir ein Heim und wollen natürlich das beste für Sie. Worauf sollten wir achten?

Die Einrichtung sollte in Ihrer Wohnortnähe sein, damit Sie Ihre Mutter so oft wie möglich besuchen können. Dann schauen Sie sich die Häuser persönlich an, sprechen Sie mit Personal und Heimbewohnern, um herauszufinden, wie hoch der Grad an Zuwendung ist, was neben der medizinischen Versorgung geboten wird. Wichtig ist auch, ob eigene Möbel und Erinnerungsstücke mitgebracht werden können. Schauen sie auch auf den Speiseplan. Die Heime werden jährlich nach einer Qualitätskontrolle bewertet. Diese Noten sollten aber nicht als alleiniges Entscheidungskriterium dienen.


Mein Mann hat Pflegestufe I und bekommt Pflegegeld. Im Bescheid steht, dass wir halbjährlich eine Pflegeberatung in Anspruch nehmen müssen. Warum?

Diese Regelung wurde getroffen, um sicherzustellen, dass Ihr Mann bestmöglich betreut wird. Diese halbjährlichen Pflichtbesuche sind weniger als Kontrolle zu sehen, sondern dienen dazu, dem pflegenden Angehörigen Tipps zu geben, was man besser machen kann, welche Hilfsmittel eingesetzt werden können - wie beispielsweise Rollator, Toilettenerhöhung oder Inkontinenzmaterial. Manchmal wird auch empfohlen, eine Höherstufung zu beantragen, weil sich der Hilfsbedarf erheblich erhöht hat. Einen entsprechenden Berater finden Sie bei der Sozialstation, bei den Pflegediensten.

Weitere Informationen zum Thema Pflege

Service-Nummer der Compass Pflegeberatung: 0800 101 8800 (compass-pflegeberatung.de)

AOK Pflege-Hotline: 0800 265080 (aok.de)

Alzheimer- und Pflegeberatungstelefon der Volksolidarität: 01805 182730 (14 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz, Mobiltelefon abweichend)

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