Auspacken verboten!

Wenn sich morgen wieder Freunde alter Gefährte zur Oldtimerschau in Dobbertin treffen, wird ein höchst seltenes, wenn nicht sogar einmaliges Exemplar eines Motorrades die Blicke der Besucher auf sich ziehen. Die 70 Jahre alte Zündapp von Jörg Riedel ist ein Zweirad mit unschätzbarem Wert, denn das gute Stück ist noch originalverpackt.

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29. April 2008, 08:31 Uhr

Dobbertin - In Packpapier, Holzwolle und Sackband eingewickelt steht sie da – keine Schönheit auf den ersten Blick, aber ein Motorrad von unschätzbarem Wert. Vorsichtig streicht Jörg Riedel mit seiner Hand über den Sitz. Die Augen des 40 Jahre alten Dobbertiners glänzen, wenn er über seinen Schatz erzählt: „Das gute Stück wurde im Dezember 1937 gebaut, müsste spätestens im Januar 1938 an seinen damaligen Besitzer gegangen sein“, mutmaßt Riedel. Der gebürtige Lübzer ist ein Zündapp-Narr, bekennender Fan der Maschinen aus dem Nürnberger Werk. Das Zweirad sei in den 90er-Jahren bei einem Hausumbau in einem ostwestfälischen Dorf zu Tage gekommen. Jörg Riedel taucht tief in die Geschichte ab und liefert eine mögliche Erklärung: „Mit Kriegsbeginn fingen die Nazis an, private Fahrzeuge einzuziehen. Vielleicht wollte der Eigentümer sein Motorrad vor diesem Schicksal schützen und hat es eingemauert.“

Verplombte Werkzeugrolle bleibt verschlossen

Und so hielt die Zündapp einen fast 60 Jahre währenden Dornröschenschlaf. Die Zeit hat trotzdem ihre Spuren an dem mit sieben Pferdestärken motorisierten Zweitakter hinterlassen – ein zarter Grünschimmer belegt die Felgen, wenige andere Metallteile weisen kleine Rostflecken auf. Das Rücklicht fehlt. „Das befindet sich mit 101 prozentiger Sicherheit in der Werkzeugrolle“, entgegnet Jörg Riedel. Diese ist verplombt und wird es auch bleiben, denn der Dobbertiner denkt nicht im Geringsten daran, die Maschine von Papier und Staub zu befreien, sie zu überarbeiten oder gar den Draht der Verplombung zu kappen: „Ich packe die Zündapp garantiert nicht aus, dann wäre sie nahezu wertlos.“ Das Gefährt sei nämlich ein Allerweltsmotorrad – robust und unverwüstlich gebaut – dem eine Lobby fehlt, erklärt ihr Liebhaber.

Riedel bekam das wertvolle Stück von einem Oldtimer-Fan, der seine Sammlung auflöste. Nun will er seine Zündapp nie wieder hergeben: „Sie ist unverkäuflich. Ich stelle sie höchstens als Leihgabe zur Verfügung.“ So wird sich auch der Kilometerstand nicht ändern, der seit der Lieferung aus dem Nürnberger Werk vor gut 70 Jahren nach der fünften Umdrehung stehen geblieben ist. „Jede Zündapp wurde getestet, bevor sie ausgeliefert wurde“, weiß der Experte.

Zulassungs-Kopie verrät Baujahr der Maschine

Neben dem Zweirad besitzt Jörg Riedel auch die dazugehörigen, gut erhaltenen Originalunterlagen – eine Betriebsanleitung sowie Schriften über den Bing-Vergaser, die Noris-Lichtmaschine und Elektrotechnik von Bosch. Die Kopie der Erstzulassung steckt in einer Klarsichtfolie. Lächelnd zeigt ihr Besitzer auf das Datum: Dezember 1937.

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