Auslaufmodell Weihnachtsmarkt?

Gestern Nachmittag füllte sich der Weihnachtsmarkt. Der WIR als Organisator hofft vor allem am Wochenende auf Zuspruch. Foto: Petra Ferch
Gestern Nachmittag füllte sich der Weihnachtsmarkt. Der WIR als Organisator hofft vor allem am Wochenende auf Zuspruch. Foto: Petra Ferch

Wittenberge - Glühwein und Bratwurst, Pfefferkuchenherzen und Kinderkarussell. Sogar ein paar Schneeflocken zeigten sich schon und auch der Weihnachtsbaum fehlt nicht. Trotzdem: So rechte Weihnachtsmarktstimmung will in der Stadt nicht aufkommen.

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05. Dezember 2008, 06:30 Uhr

Zur Eröffnung am Mittwoch war der Bismarckplatz gut gefüllt. Beim Anschneiden der Weihnachtsstolle standen die Leute gar an. Doch schon einen Tag später lichtete sich das Bild auf dem Weihnachtsmarkt. „Wir sind schon viele Jahre hier, aber die Kundschaft wird immer weniger“, schätzen die fleißigen Feuerwehr-Senioren ein, die an ihrem Stand Glühwein und Bratwurst anbieten.

Woran liegt das mangelnde Interesse? Und sind es nur die Besucher, die weniger werden? Ein Blick in die zum Markt gehörende Wilhelmstraße macht deutlich, auch die Stände sind weniger geworden. So mancher Besucher vermisst weihnachtstypische Erzeugnisse, Kunsthandwerk. Andere hätten gern ein größeres Angebot für die Kinder, sprich mehr Karussells. Die Macher vom Wittenberger Interessenring WIR kennen die Kritik, sind selbst nicht glücklich. Aber es sei auch ein Teufelskreis, sagen sie. Von Jahr zu Jahr gebe es weniger Besucher, weniger Kaufkraft. Das führe auch zum Ausbleiben der Händler. „Wir schreiben den Markt schon im Sommer aus, aber Wittenberge wie auch andere Prignitzer Städte gehören nicht zu den Vorzugsadressen der Händler. Und das gleiche gilt für die Betreiber von Fahrgeschäften“, macht WIR-Vorsitzender Gerd-Rainer Woitke deutlich. „Nehmen Sie Rostock, eine Stadt mit gut 100 000 Einwohnern, dort gibt es auch nur einen Weihnachtsmarkt, aber in Wittenberge leben nur rund 19 000 Menschen“, rechnet Woitke vor. Gar nicht zu reden von der immer geringer werdenden Kaufkraft. Da lohne es sich selbst für hiesige Gewerbetreibende kaum noch, einen Marktstand zu bestücken, „obwohl wir moderate Standpreise nehmen“, betont der WIR-Chef.
Rund 18 000 Euro koste der Weihnachtsmarkt, allein 4000 davon flössen in das Kulturprogramm. Und auf das ist der WIR stolz. „Das können Sie in anderen Städten in dieser Form suchen“, macht Sybille Jürgens, Koordinatorin beim WIR, geltend. Möglich sei das alles nur, weil viele unterstützten, so mancher Sponsor schon seit Jahren treu zur Stange halte. Und nicht zu vergessen die Stadt, die sich auch beteilige, wie Woitke lobend erwähnt. Denn auch das sei beileibe nicht in allen Kommunen so.
Dennoch blickt Woitke sorgenvoll in die Zukunft. Denn bei immer geringeren Einnahmen stiegen dagegen die Ausgaben. „Trotzdem haben wir wie jedes Jahr 60 kleinere Weihnachtsbäume für die Dekoration erworben“, hält Jürgens denen entgegen, die mangelndes Grün auf dem Markt kritisieren. Dankbar ist der WIR, dass der große Baum auch in diesem Jahr wieder gesponsert wurde. „Gedanken müssen wir uns aber um die Hütten machen. Die fallen langsam auseinander, müssen aufgearbeitet werden. Dafür suchen wir Sponsoren“, nennt Woitke ein dringendes Problem. Und der WIR-Chef schließt nicht aus, dass der Weihnachtsmarkt zum Auslaufmodell werden könnte, wenn die Kosten nicht mehr aufzubringen seien.

Noch steckt der WIR den Kopf aber nicht in den Sand. „Am Wochenende ist der Markt sicher voll, dann kommen auch mehr Gäste in die Stadt“, unterstreicht Jürgens. Und es warte ja auch ein Highlight auf die Marktbesucher: Nämlich das einzigartige mobile Glockenspiel aus Rostock. „Von 15 bis 16 Uhr erklingt da ein Konzert, das hört man in der ganzen Stadt!“

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