zur Navigation springen

Neustädter Tierheim : Ausgesetzt, angeleint und abgeschoben

vom

Einige nehmen nicht bloß Ferien vom Alltag, sondern auch Ferien von ihrem Tier. Nicht selten ist es ein Urlaub für immer: Endstation Tierheim.

svz.de von
erstellt am 21.Jul.2011 | 11:45 Uhr

In den Urlaub fahren, die Sonne genießen, am Strand liegen - das sind Dinge, die vielen Menschen den Sommer versüßen. Doch einige nehmen nicht bloß Ferien vom Alltag, sondern auch Ferien von ihrem Tier. Nicht selten ist es ein Urlaub für immer. Endstation Tierheim, heißt es dann für die ehemals geliebten Vierbeiner. Denn, obwohl es auch im Landkreis Ludwigslust ein großes Angebot an Tierpensionen gibt, verzichten viele auf die kostspielige Betreuung ihrer Tiere. Sie wählen eine Variante, die zwar kostenlos, dafür aber auch skrupellos und illegal ist: Sie setzen ihr Tier aus. Ein beliebter Ort dafür ist der Wald. Aber auch an Straßen und an Rastplätzen werden Tiere angeleint und zurückgelassen. Und noch eine Variante ist Ursula und Peter Friedrich vom Tierheim in Klein Laasch nur zu gut bekannt: Immer mehr Menschen setzen ihre Tiere unmittelbar in der Nähe des Tierheims aus, offenbar in der Hoffnung, dass die Mitarbeiter sich der Tiere annehmen. "Aber das ist genauso illegal", sagt Tierheim-Chefin Ursula Friedrich.

Tiere sind verängstigt und verunsichert

Sie ist immer wieder entsetzt über die Rücksichtslosigkeit einiger Tierbesitzer. Denn auch an den Vierbeinern gehen die Aktionen nicht spurlos vorüber. Sie verlieren ihre gewohnte Umgebungen, streunen teilweise tagelang im Wald herum, sind unterernährt, verängstigt und deshalb oft auch aggressiv. "Gerade gestern stand wieder eine Katzentransportbox vor unserem Tor, in der zwei verängstigte Katzenbabys saßen", sagt Ursula Friedrich. Etwa acht Wochen alt seien die Kätzchen gewesen und sehr ängstlich. "Sie mussten die Nacht über im Freien aushalten, das bedeutet für die kleinen Katzen natürlich psychischen Stress", meint Friedrich und schüttelt mit dem Kopf. Sie kann einfach nicht verstehen, warum Menschen den Tieren das antun.

Die Gründe für das Problem sind vielfältig. Oft vergessen Tierhalter laut Friedrich, ihre Tiere zu kastrieren, andere haben dafür nicht genug Geld, wieder andere legen sich ein Tier zu und merken nach kurzer Zeit, dass sie die Pflege überlastet. Die Expertin rät deshalb, sich den Kauf eines Tieres gut zu überlegen. "Ein vorschneller Kauf kann sich schnell rächen", so Friedrich. Bevor ein Hund oder eine Katze das Neustädter Tierheim zu einem neuen Besitzer verlässt, prüfen die Mitarbeiter deshalb möglichst genau die Motivation des Halters in spe. "Einfach herkommen und anschließend ein Tier mitnehmen ist nicht", sagt die Tierliebhaberin und fuchtelt mit dem Zeigefinger. Kommt ein Interessent, schaut er sich Hunde und Katzen zuerst an, entscheidet sich für ein Tier und knüpft dann engeren Kontakt. Dann fragen die Mitarbeiter nach der Unterbringung und nach der Wohnsituation. "Eine Unterbringung im Zwinger lehnen wir beispielsweise generell ab", so Friedrich.

Dass in der Urlaubszeit mehr Tiere ausgesetzt werden als sonst, erklärt sich Friedrich damit, dass Hunde und Katzen im Urlaub als störend empfunden werden und Tierpensionen vielen zu teuer sind. In diesem Jahr sei die Zahl der ausgesetzten Tiere in den Sommermonaten wieder stark gestiegen, nachdem sich die Situation im vergangenen Jahr etwas entspannt hatte. "In den vergangenen drei Wochen haben wir drei ausgesetzte Hunde bekommen", so Friedrich.

Aktuell sind 30 Hunde und 13 Katzen im Tierheim untergebracht. Viele der Tiere werden innerhalb weniger Wochen ein neues Zuhause finden. Doch nicht jedes Tier ist leicht vermittelbar. Einige bleiben für immer bei dem Ehepaar. Die kleinen Hunde sind beliebter, haben den Niedlichkeitsfaktor. Kampfhunde hingegen sind nur schwer vermittelbar - vor allem, weil Halter für den Besitz eines solchen Hundes sowohl ein Führungszeugnis als auch einen Sachkundenachweis brauchen. Da wäre etwa Dauergast Alex: Der Stafford-Mix kam schon vor sechs Jahren ins Heim, doch ein passendes Herrchen fand sich bis heute nicht.

Übrigens: Wenn die Tiere das Tierheim verlassen, tragen sie einen kleinen Chip in der linken Halsseite. Dadurch können sie nie wieder unbemerkt ausgesetzt werden. Denn auf dem Microchip sind Name und Adresse des Besitzers abgespeichert und im Register Tasso gelistet. "Für uns und die Tiere bedeutet das eine größere Sicherheit", sagt Ursula Friedrich. Eine Sicherheit, damit die Tiere nie wieder ausgesetzt, angeleint und abgeschoben werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen