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Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin : Ausbildungstag an Stätte des Grauens

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Nachdem der letzte Sonnabend Theodor Körner und seiner Zeit gewidmet war, beginnt der zweite Ausbildungstag mit einer Führung durch das Gelände des KZ-Außenlagers Neuengamme in Wöbbelin.

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erstellt am 09.Mär.2011 | 11:22 Uhr

"Hinter dem Gedenkplatz befand sich der Stacheldrahtzaun." Ramona Ramsenthaler hält ein Foto hoch, auf dem ein hoher Zaun zu sehen ist. Sie ergänzt: "Man konnte das Lager von der Straße aus gut sehen. Es gab 1945 hier keinen Wald, keinen Strauch und auch keinen Grashalm, nur die kahle Erde." Zehn Männer und Frauen aller Altersgruppen folgen gespannt den Ausführungen der Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin. Sie sind heute trotz eisiger Kälte zum Gedenkplatz für die Opfer des Konzentrationslagers Wöbbelin an der B 106 gekommen, um sich im Rahmen eines Volkshochschulkurses zum Gedenkstättenführer ausbilden zu lassen.

Nachdem der vergangene Sonnabend der Geschichte von Theodor Körner und seiner Zeit gewidmet war, beginnt der zweite Ausbildungstag mit einer Führung durch das Gelände des KZ-Außenlagers Neuengamme in Wöbbelin. "Am 14. und 15. Februar 1945 trafen die ersten Transporte mit Häftlingen ein", erklärt Ramsenthaler. Die zukünftigen Gedenkstättenführer gehen durch das inzwischen bewaldete Gelände und schauen sich um. Jetzt ist es Ende Februar, es liegt noch immer etwas Schnee, nach kurzer Zeit frieren alle Teilnehmer trotz warmer Jacken. Wie mag es den Häftlingen ergangen sein die in dünner Häftlingskleidung hier ankamen?

Schwarz-Weiß-Fotos als stumme Zeitzeugen

Wieder wird ein Schwarz-Weiß-Foto gezeigt. "So sah das Innere der Baracken aus, deren Umrisse hier mit Latten markiert sind." Das Foto zeigt unfertige, roh gezimmerte Holzgestelle. In den Fenstern der Baracken fehlte das Glas. "Hier war die Wasserstelle. Es gab nur diese eine. Die Latten dort kennzeichnen die Waschbaracke, in ihr wurden die Leichen gestapelt. Die Toten begrub man zuerst am Rand des Dorffriedhofes und später in Massengräbern hinter der Bahnlinie im Lüblower Wald." Die Gebäude des Lagers wurden 1948 abgerissen. Es sind lediglich Mauerreste zu erkennen. Die Gruppe geht zum ehemaligen Eingang des Lagers. Hierher führte damals ein provisorisches Gleis. Am Eingang steht heute eine gemauerte Figurengruppe. Sie stellt zwei Häftlinge dar, die einen anderen Häftling stützen. Teilnehmer des Jugendworkcamps schufen 2004 diese und andere Figurengruppen auf dem ehemaligen Lagergelände.

Mitte April 1945 wurde Wöbbelin Evakuierungslager. Zwischen dem 15. und 26. April trafen fünf weitere Transporte mit mehr als 4000 Häftlingen aus den am Kriegsende geräumten Lagern ein. Es herrschten chaotische Zustände. Von den etwa 5000 Häftlingen aus 20 Nationen kamen mehr als 1000 ums Leben. Anfang Mai erreichten amerikanische Soldaten das Lager.

Der Gedenkplatz wurde 2005 von Dörte Michaelis gestaltet. Risse durchziehen eine mit schwarzen Klinkern gestaltete Fläche. Sie symbolisieren die Narben, die den Menschen zugefügt wurden. Nachdenklich beenden die Teilnehmer die Führung durch das Lagergelände. Der zweite Teil der Unterweisung zur Geschichte des Konzentrationslagers erfolgt in den Räumlichkeiten der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin. Die Ausbildung ging inzwischen mit einer Schulung zur pädagogischen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen weiter und schließt mit der Prüfung zum Gedenkstättenführer ab.

Der Lehrgang dient der Unterstützung der Arbeit der Mahn- und Gedenkstätten und ist eine Antwort auf die gestiegene Nachfrage. Was motiviert die Teilnehmer, sich als Gedenkstättenführer ausbilden zu lassen? Der Schweriner Christian Griechen interessiert sich für Geschichte. Im Rahmen eines Schülerprojektes dreht er zusammen mit zwei anderen Schülern einen Dokumentarfilm über das Konzentrationslager Wöbbelin.

Stefanie studiert in Greifswald und setzt sich mit rechtem Gedankengut auseinander. Sie möchte in der Region Ludwigslust politisch aktiv sein und kann sich vorstellen, Führungen mit Jugendlichen und Erwachsenen in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin zu machen, vielleicht auch in englischer Sprache. Marion Bülow, Sozialpädagogin im Ufat-Bildungswerk in Wöbbelin, möchte mehr Hintergrundwissen erwerben, um die Fragen der Schüler, die selbstständig Arbeitseinsätze auf dem Gelände der Gedenkstätte durchführen, noch besser beantworten zu können.

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