Aus neun Theatern werden zwei

Das Land ordnet seine Theaterlandschaft neu. Nach acht Jahren liegt ein Theaterkonzept vor, das am Dienstag im Kabinett beschlossen werden soll. Kern: Aus den vier Orchestern werden zwei, die neun Theaterhäuser fusionieren zu zwei Mehrspartentheatern. Und die Kommunen müssen tiefer in die Tasche greifen.

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22. August 2008, 09:40 Uhr

Schwerin - Schon ab 2010 will Kultusminister Henry Tesch (CDU) die Landesgelder „ausschließlich auf die Mehrspartenstandorte“ konzentrieren, heißt es in der Vorlage „109/08 neu“, die am Dienstag das Kabinett passieren soll und offenbar nach dem ersten Proteststurm noch einmal überarbeitet wurde. Zwar sichert das Land den Theaterkommunen die bisherige Förderhöhe von 35,8 Millionen Euro im Jahr auf Dauer zu. Aber: Mit der Konzentration auf die großen Standorte soll die „Zusammenarbeit und Fusion zwischen Mehrspartenstandorten, Einspartenstandorten und Bespielbühnen forciert werden“, heißt es in dem Eckpunkte-Papier, das unserer Redaktion vorliegt.

Im Klartext: In der 1. Stufe sollen bis 2012 die regionalen Theater an vier Standorten zusammengefasst werden. Parchim wird als eigenständiges Theater aufgegeben und vom Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin bespielt. Die Vorpommersche Landesbühne Anklam soll mit dem Theater Vorpommern in Stralsund/Greifswald fusionieren. Die Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz wird mit der Tanzkompanie Neustrelitz eins. Das Volkstheater in Rostock bleibt zunächst unberührt.

Die Spielstätten in Güstrow und Wismar sollen von Neubrandenburg, Rostock oder Schwerin bespielt werden. Wörtlich heißt es: „Die Einsparten- und Bespieltheater Parchim, Anklam, Tanzkompanie, Wismar und Güstrow erhalten bereits in der ersten Stufe keine gesonderten Mittel“ des Landes mehr.
In einer zweiten Stufe bis 2020 entsteht nach den Plänen ein „Kulturkooperationsraum“ mit dem Staatstheater Schwerin und dem Volkstheater Rostock sowie Parchim und Wismar. Die Mecklenburgische Staatskapelle und die Norddeutsche Philharmonie fusionieren zu einem A-Orchester mit 99 Stellen. In Vorpommern ist ein zweiter Kulturkooperationsraum geplant. Aus den beiden Orchestern der dortigen Bühnen entsteht ein B-Klangkörper mit 66 Stellen.

Da das Land seine Förderung nicht erhöhen will, kommen selbst bei dieser Sparvariante auf die Theater und Kommunen „erhebliche“ Ausgabensteigerungen zu. „Allein durch die zu erwartenden Tarifsteigerungen wären... für den jetzigen Personalbestand im Jahr 2020 mindestens 17 Millionen Euro Mehrausgaben einzuplanen“, heißt es. Klartext: Personalabbau ist trotz Fusionen unumgehbar. Zugleich fordert das Papier, offenbar mit Blick auf die aktuellen Sparpläne in Rostock, eine Mindestfinanzierung durch die Kommunen von 50 Prozent, und stellt das Ultimatum, dass seine Finanzzusagen nur gelten, wenn mit den großen Theaterkommunen „bis 31. 12. 2008 eine Lösung ... erreicht werden kann“.

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