Aufstehzeit im Bärenparadies

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11. März 2008, 08:17 Uhr

Perleberg - „Das Männchen kann es kaum erwarten. Immer, wenn ich im Winterquartier nach dem Rechten sehe, dann macht es sich lautstark bemerkbar, schlägt mit den Tatzen gegen die Gitterstäbe.“ Karsten Künstler weiß, seine pelzigen Schützlinge zieht es wieder ins Freie. Seit 17 Jahren arbeitet er im Tierpark, kennt die beiden zehnjährigen Bären praktisch von Kindesbeinen an. „So groß wie Meerschweinchen waren sie bei der Geburt“, erinnert sich der Bärenvater ehrenhalber. Inzwischen sind Bruder und Schwester stattliche Vertreter ihrer Art. „An die 300 Kilo bringt das Männchen wohl auf die Waage“, schätzt Karsten Künstler. Die Hälfte an Kilo schaffen auch Schwester und Mutter – derzeit allerdings haben auch sie Bärenmodelfigur. „So um ein Drittel ihres Gewichtes verlieren sie während des Winterschlafes.“

Auch wenn die Bären maximal dösen und nicht tief und fest schlafen, zu fressen gibt es in der Zeit nichts. Fasten von Mitte November bis Mitte März ist angesagt. Einzig frisches Wasser ist im Angebot.
Seit gestern ist die Winterdiät vorbei, und da schmeckt selbst Hundefutter so was von gut. Ansonsten bevorzugt das pelzige Dreigespann Obst und Gemüse. „Bären sind eigentlich Allesfresser. Fisch und Fleisch mögen sie ebenso. Doch unsere stehen auf Obst“, erzählt ihr Pfleger. Nach Paprika, Weintrauben, Birnen – allem, was süß ist, steht ihnen der Sinn. Das erste Abendbrot nach Monaten fiel gestern entsprechend aus. Wer nun denkt, nach so langer Zeit der Abstinenz fallen die Bären förmlich übers Fressen her, der irrt. „Sie fangen allmählich an.“ An die 20 bis 25 Kilo Obst kommen pro Tag aber trotzdem zusammen. Zu ganz besonderen Anlässen gibt es dann auch mal ein Leckerli – „am liebsten mit Honig“.

Wenn Karsten Künstler mit seinem Multicar naht, denn heißt das zumeist, Abendbrot. Und dazu geht es wieder in die Käfige – jeder in den seinen, damit keiner zu kurz kommt. Geschlafen wird hier auch – „schon von wegen der Sicherheit“, erläutert der Bärenvater ehrenhalber. Gestern hatte er bis zum Abend mehr als alle Hände voll zu tun, denn vor dem Nachtmahl mussten die Bärenlager nach den Monaten der Winterruhe gründlich gereinigt werden. Nur zu schaffen mit Schaufel, Forke und Hochdruckreiniger.

Bis Mitte November ist das pelzige Familienidyll nun im Perleberger Tierpark zu sehen. „Wenn die Bären anfangen Höhlen zu buddeln, dann ist es wieder Zeit für die Winterruhe.“ Ihr Tierpfleger weiß, wann er sie für vier Monate im wahrsten Sinne des Wortes hinter Gitter bringen muss. „Da sie dann auch aufhören zu fressen, darf man nicht zu lange warten. Denn sonst zieht Futter als Lockmittel nicht mehr.“

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