Aufstand gegen Sextäter

Eine Woche nach der Haftentlassung des gefährlichen Sexualstrafttäters Werner K. aus der Justizvollzugsanstalt verschärft sich die Situation im Barnimer Städtchen Joachimsthal. Den Politikern sind die Hände gebunden.

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21. April 2008, 05:48 Uhr

Joachimsthal - Anwohner protestieren vor der Haustür von K. und haben im Ort Protestbanner mit den Aufschriften: „Der Sexualstraftäter muss weg“ oder „Werner K. gehört weggesperrt“ aufgehängt. Nach insgesamt 22 Jahren Haft wegen verschiedenen Sexdelikten kam Werner K. vergangenen Dienstag nach nur einem Jahr Sicherungsverwahrung frei, weil die Staatsanwaltschaft Neuruppin nach Ansicht des Bundesgerichtshofes (BGH) den Antrag auf nachträgliche Sicherungsverwahrung zu spät gestellt hatte.

„Die Leute hier haben einfach Angst, die Kinder wollen nicht mehr hinausgehen, es macht sich eine aggressive Stimmung breit. Wir büßen hier für ein offensichtliches Versagen der Justiz“, sagt Grit Brobowski.

Die 36-jährige ist Mutter zweier achtjähriger Kinder und hat gemeinsam mit anderen Eltern aus der Wohnsiedlung die Plakataktion initiiert. „Damit wollen wir die Medien auf unser Problem aufmerksam machen und erreichen, dass das Verfahren gegen den Mann wieder aufgerollt und er weggesperrt wird“, fordert sie.

Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) kommentierte gestern nur knapp: „Die Lage ist angespannt.“ Parteikollegin und Brandenburgs Justizministerin Beate Blechinger sind
ebenfalls die Hände gebunden. „Gerichte sind in ihrer Entscheidung frei. Gerichte urteilen auf der Basis von Gesetzen“, sagte sie gegenüber unserer Redaktion.

Die Stimmung im Wohngebiet heizt sich unterdessen auf. Mehrere Bürger kündigten gestern an, eine Spontan-Demonstration durchführen zu wollen, die dann jedoch in letzter Minute abgesagt wurde. „Am Sonntag kam es sogar schon zu Handgreiflichkeiten unter den Leuten wegen des Straftäters“, sagt Grit Brobowski. Die Ortsbürgermeisterin Gerlinde Schneider sorgt sich mittlerweile, dass die Joachimsthaler zur Selbstjustiz greifen könnten.

Dass der BGH den 49-Jährigen dennoch auf freien Fuß gesetzt hat, obwohl der fünfte Strafsenat Werner K. selbst als allgemeingefährlich einstuft, macht Blechinger so wie den meisten Joachimsthalern großes Kopfzerbrechen. „Das ist die Krux. Wir leben in einem Rechtsstaat und da kann man nur auf der Basis von Gesetzen urteilen. Er gibt kein Gesetz, das sagt, jemand muss solange in Haft bleiben, bis er nicht mehr gefährlich ist“, so die Minsterin.

Die Beamten observieren seit der Entlassung von Werner K. rund um die Uhr die Wohnung, in der er sich aufhält, und verfolgen jeden seiner Schritte. Diese Kontrolle, so fürchtet die Bürgermeisterin, wird nicht auf lange Dauer anhalten. Auch sie ist daher der Meinung, dass die Justiz gefordert ist, den Umgang mit Werner K. noch einmal zu überdenken.

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