Aufbruchstimmung im Fährhafen Mukran

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24. April 2008, 08:13 Uhr

Mukran - Es sind nur wenige Meter, doch sie verbinden die riesigen Bahnnetze Russlands und Westeuropas miteinander. Nur Züge, die in Mukran durch die Umspurhalle rollen, können die Reise auf dem anderen Bahngleis fortsetzen. Seit der Aufnahme einer neuen Fährlinie zum russischen Baltijsk im Oktober vergangenen Jahres herrscht wieder Aufbruchstimmung im Fährhafen Sassnitz. Nun erwartet der 1986 eröffnete Komplex durch die Ansiedlung von Investoren zusätzlichen Aufschwung.

Zentimetergenau wird ein Waggon nach dem anderen auf die Hubbockanlage rangiert. Dann löst Norbert Lehmann am Leitstand die Hydraulik aus. Der zehn Tonnen schwere Bahnwagen löst sich von den Drehgestellen, die gegen neue Fahruntersätze ausgetauscht werden. Die neuen Fahrwerke sehen genauso aus wie die alten - nur mit einem Unterschied. Der Radabstand ist jetzt 85 Millimeter größer, russische Breitspur.

Lehmann arbeitet seit 1987 bei der Bahn in Mukran. Den Boom nach der Hafeneinweihung hat er noch miterlebt. Nicht drei, sondern 40 Kollegen seien seinerzeit im Einsatz gewesen. Jetzt endlich zeichne sich eine Wiederbelebung des Fährverkehrs nach Russland ab. Der Hafen entwickle sich zum wichtigen Logistikstandort für Schwerlasttransporte, sagt Eckart Fricke, Vorstandschef der Bahn-Tochter Railion. Zu den Großkomponenten, die über Fährbrücken auf die Schiffe rollen, gehörten Straßenbaumaschinen, Kraftwerks- und Erdgaserkundungstechnik.

Die vergleichsweise zentrale Lage an der Ostsee beschert dem Hafen nun auch eine Zukunft als Industriestandort. Die Nord Stream AG hat den Komplex als einen von fünf Logistikstandorten für den Bau der Ostseepipeline vom russischen Vyborg nach Lubmin auserkoren. Über ein Jahr lang werden täglich zwei Züge mit jeweils 100 Rohrsegmenten nach Rügen rollen. Damit steigt der Bahntransport zum Hafen um mehr als die Hälfte.

Als erstes großes Industrieunternehmen siedelt sich die französische Firma Eupec in Mukran an. Ab Mai werde hier eine 20 000 Quadratmeter große Fertigungshalle errichtet, kündigt Projektleiter Gerard Vogel an. Ein halbes Jahr später werden dort zwölf Meter lange Rohre mit einer bis zu zehn Zentimeter starken Ballast- und Schutzschicht aus Beton ummantelt.
Rund 40 Millionen Euro werden in den nächsten Jahren im Fährhafen Sassnitz investiert.

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