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Grebbin hat sich lange gegen den Windpark gewehrt : Auf Flügeln zu vollen Kassen

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Grebbins Hoffnung ruht auf dem Windpark. Das sei nicht immer so gewesen, sagt Bürgermeister Klaus-Dieter Möller. Lange hatte die Gemeinde wie Don Quijote gekämpft. Nun hat sie sich mit dem Park vor dem Dorf abgefunden.

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erstellt am 15.Apr.2011 | 06:19 Uhr

Grebbin | Grebbins Hoffnung ruht auf dem Windpark. Das sei nicht immer so gewesen, sagt Bürgermeister Klaus-Dieter Möller. Erst nachdem sich die Gemeinde, die lange wie Don Quijote gekämpft hatte, mit dem Siegeszug der erneuerbaren Energie auf die Hügel vorm Dorf abgefunden hatte. "Als wir noch Vorhaltefläche waren, sind wir dem Regionalen Raumordnungsbüro die Türen eingelaufen und der Landesregierung", erinnert sich Möller. Umsonst. "Man hatte uns jede Hoffnung genommen, das Aufstellen der Windräder verhindern zu können."

Heute steht ein ganzer Windpark vor dem Dorf. Und er wird wohl noch wachsen. Denn seit die Bundeswehr 2009 ihren Richtfunksektor freigab "rennen die Investoren um die Wette", sagt Möller. Inzwischen habe aber auch die Mehrheit der Grebbiner umgedacht. "Wir wollen das Beste aus dem Windpark machen, von den Windrädern profitieren", so Möller.

Trotzdem: Bürger fühlen sich doppelt bestraft

Der Vorsatz ist gut, die Realität jedoch schwierig. "Denn eigentlich sind wir doppelt bestraft. Wir haben die Räder vor der Nase, bekommen aber geringere Schlüsselzuweisungen", sagt der Bürgermeister. 154 329 Euro waren es 2010. Davon seien 133 910 Euro per Umlage an den Kreis geflossen, 55 499 Euro zahlte Grebbin in die Amtskasse. "Wo sollen wir noch hingreifen?", fragt Möller. "Erhöhen wir die Grundsteuern, laufen uns auch noch die letzten Unternehmer weg."

Obwohl die finanzielle Lage Grebbins nicht rosig ist, will Möller nicht klagen. "Wir haben den Haushalt 2011 noch ausgleichen können, haben die Straße an der Warnow saniert, wollen in diesem Jahr die Gehwegbeleuchtung erneuern und die vorhandenen Straßenlaternen auf LED umstellen." Das, so Möller, bringe Grebbin ein Einsparpotenzial von rund 70 Prozent der bisherigen Kosten. Allerdings amortisiert sich die Investition frühestes in zehn Jahren.

Grebbin und Herzberg - im Herzen seit langen Eins

Schneller auszahlen könnte sich die strukturelle Veränderung, die in der vergangenen Woche per Unterschrift unter den Gebietsänderungsvertrag besiegelt wurde. Möller: "Einwohnermäßig pendeln wir immer um die 500, könnten allein bestehen. Dennoch wollen wir mit Herzberg zur künftigen Gemeinde Obere Warnow fusionieren." Zum 1. Januar 2012 soll es soweit sein, am 29. Januar wird es Gemeindevertreter- und Bürgermeisterwahlen aus besonderem Anlass geben, die dann noch die zwei Jahre bis zum Ende der laufenden Legislatur gültig sein wird. Lediglich sechs Verhandlungsrunden waren bis hierher nötig. "Die Fusion ist eigentlich unproblematisch, wir gehören ohnehin irgendwie zusammen, kennen uns aus dem VEG Woeten", sagt Klaus- Dieter Möller. Warum ein erster Fusionsversuch mit Herzberg Mitte der 90er Jahre scheiterte, weiß der Bürgermeister heute auch nicht mehr. Nur, dass man - damals wie jetzt - einem eventuellen Anschluss an Domsühl oder auch Parchim zuvorkommen wollte.

Mit wenig geht Grebbin in die Ehe mit Herzberg, denn die Schule, den Kindergarten und Einkaufsmöglichkeiten gibt es lange schon nicht mehr. Dafür aber hat das Dorf zwei Tagesmuttis in Kossebade, einen funktionierenden Jugendclub, eine ehrenamtlich geführte Bibliothek, die Feuerwehr, sechs sehr aktive Vereine, das Gemeindezentrum, seit 20 Jahren mit Grebin eine Partnergemeinde in Schleswig-Holstein mit fast dem selben Namen und mit der Agrargenossenschaft Grebbin und der Agrar GmbH Kossebade zwei Unternehmen, die der Gemeinde oft finanzielle und tatkräftige Stütze sind.

Fusion wird Veränderung bedeuten. Mit dem Gedanken spielen auch die Feuerwehren in der künftigen Großgemeinde. "Momentan verfügen Grebbin, Kossebade, Herzberg und Lenschow über eigene Löschtrupps. Wir wollen sie an einem Standort zusammenfassen", sagt Möller. Probleme, wie sie anderswo in gleicher Situation schon aufgetreten sind, befürchtet Möller nicht. "Wir sind schon jetzt mehr eine große Gemeinschaft als anderswo, das ist ein großer Vorteil." Vorteil wird auch sein, dass ein Feuerwehrstützpunkt der Großgemeinde eine Menge Geld sparen wird. Und die Jugendwehr ist da sogar schon einen Schritt weiter, sie trainiert gemeinsam in Kossebade.

Weil Grebbin praktisch blank ist, kämpft die Gemeinde auch mit Problemen. "Die gemeindeeigenen Straßen außerhalb des Dorfes - besonderes in Richtung Kieswerk - können das hohe Aufkommen an Transportern nicht verkraften. Sie sind kaputt und wir haben nicht das Geld für Reparaturen", sagt Möller. Große Sorgen mache auch die ehemalige Schule, die schon LPG-Büro war und auch Wohnhaus. "Sie soll jetzt an eine Privatperson in Bayern verkauft worden sein", erzählt Möller und hofft, wie wahrscheinlich viele im Dorf, dass "dieser Schandfleck vielleicht doch bald Geschichte ist".

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